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Kill Bill, Vol. 2 : Die Braut trug Schwert

"Kill Bill" verhält sich zu "Pulp Fiction" und "True Romance" (zu dem Tarantino das Drehbuch schrieb) ungefähr so, wie sich die "Austin Powers"-Filme zu den siebziger Jahren verhalten. Damals, vor unendlichen zehn Jahren, spielten auch andere das Spiel der Zitate und Referenzen, aber Tarantino hatte die beste Begründung dafür. Er guckte seinen Helden direkt in die Köpfe - und er sah, daß deren Welt sich aus ziemlich wenig eigener Erfahrung zusammensetzte.

Und aus einem Überfluß von Bildern, Tönen und Figuren aus der populären Kultur, welche diese Helden aber genauso gut kennen und genauso ernst nehmen, wie das ein altmodischer Europäer mit seinem Shakespeare tut. Insofern war es nur schlüssig, daß dem hamlethaften Helden von "True Romance" in den Momenten des Zweifels nicht etwa der Geist seines Vaters erschien, sondern ein golden schimmernder Elvis Presley.

Uma Thurman in Tarantionos Kopf

"Kill Bill" ist der Blick Tarantinos in den eigenen Kopf. Und was wir da sehen dürfen, ist zuallererst Uma Thurman, die schöne, die verehrte, die verletzliche Uma Thurman, die Braut, die Rächerin, und dann sehen wir Filme, Hunderte von Filmen, solche, die jeder kennt, und solche, die nur Tarantino kennt, Western von John Ford und Budd Boetticher, Italowestern von Corbucci und Leone, Shaolin-Filme, Kung-Fu-Filme, Horror, und der erste Verdacht ist natürlich der, daß Tarantino sein Herz hinter all den Bildern versteckt, daß er den ganzen Zauber nur veranstaltet, weil er zu schüchtern ist, Uma Thurman direkt anzusprechen und ihr, statt eines Samurai-Schwerts, vielleicht ein paar Blumen zu schenken.

Und der andere Verdacht, der zu Tarantinos Gunsten, ist der, daß er das Kino, die Filme und gerade auch die mißlungenen und die illegitimen Werke der scheinbar abseitigsten Genres vor allem deshalb so liebt und immer wieder herbeizitieren muß, weil es ihm sonst zu einsam würde da droben auf der Höhe seiner Könnerschaft.

Was vor und was nach „Kill Bill, Vol. 1“ geschah

"Kill Bill, Vol.2" erzählt, was vor und was nach "Kill Bill, Vol.1" geschah, wie die Braut ihre Hochzeit schon mal probte in einer Hochzeitskapelle in Texas, und dann gab es ein Massaker; wie sie, noch ein paar Jahre vorher, ihre Ausbildung in China bekam; und dann, wie sie sich an den verbliebenen Mitgliedern der "Deadly Viper Assasination Squad" rächt, an Budd (Michael Madsen) und an Elle (Daryl Hannah), und wie sie am Schluß dann Bill (David Carradine) gegenübersteht, ihrem Feind, ihrem Ex-Geliebten, dem Vater ihrer Tochter und, beinahe, ihrem Mörder, und die beste Methode, mit diesem Film auf Augenhöhe zu bleiben, ist es, das ganze Gerede über Pop und Zitate zu vergessen, sich alle Ironie zu versagen und die Bilder ganz für sich zu nehmen.

Ganz am Anfang schaut der Film aus der dunklen Hochzeitskapelle hinaus in die Wüste, die Silhouette von Uma Thurman und dann auch die von David Carradine zeichnen sich davor ab, und das ist, einerseits, ein fast wörtliches Zitat aus John Fords "The Searchers", und andererseits funktioniert es ganz ohne diese Referenz; man braucht keine Zentnerlasten von Kontext, um von dieser Szene ergriffen zu sein, und wer sich aber an John Ford erinnert, spürt die volle Wucht des Deja-vu - und das ist ein ganz und gar unironisches Gefühl. Und genau das ist es, was Tarantino mit all seinen Zitaten und Anspielungen in "Kill Bill" beweist: Es gibt, wenn einer so präzise inszeniert, keine Filme aus zweiter Hand. Jedes Bild, jede Szene ist unmittelbar zum Zuschauer, ganz unabhängig davon, ob das Ganze sich an die üblichen Normen von Plausibilität und Lebensähnlichkeit hält.

In der vergangenen Woche, ein paar Tage vor dem Start des Films, war in der "Los Angeles Times" zu lesen, daß Arnold Schwarzenegger, der Gouverneur von Kalifornien, seinen offiziellen Besuchern gern ein riesiges Schwert zeigt und sie mit der Bemerkung, damit habe er in "Conan, der Barbar" einen prähistorischen Schurken erledigt, dazu ermuntert, die Waffe in die Hand zu nehmen und ein bißchen durch die Luft zu schwingen.

Womöglich ist Tarantino ja doch ein Naturalist.

"Kill Bill, Vol.2" kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos. Im Mai erscheint die vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage von "Quentin Tarantino" von Peter Körte, Robert Fischer und Georg Seeßlen (Bertz Verlag, Berlin, ca. 400 Seiten, 19,90 Euro).

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.04.2004, Nr. 16 / Seite 25

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