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Kölner Schauspielintendant : Stillstand, rasend

Im November hatte das Kölner Schauspielhaus nach dreijähriger Sanierung in originalgetreuem Glanz erstrahlen sollen – vor zwei Jahren. Jetzt wird die Wiedereröffnung abermals vertagt. Und der Intendant will nicht mehr warten.

          Die Stadt Köln, deren Schauspiel er seit 2013 leitet, scheint ihn nicht gut im Blick zu haben. Die Bereitschaft, genau hinzusehen, zu der die Bühne einlädt, ist hier nicht sonderlich ausgeprägt. „In seiner bisherigen Amtszeit kann Stefan Bachmann auf fünf sehr abwechslungsreiche und von Erfolg gekrönte Spielzeiten zurückblicken“, beginnt ihre Presse-Information über die „weitere Zusammenarbeit“, dabei sind es erst vier Spielzeiten, mit denen der Nachfolger an Karin Beiers Ära anzuknüpfen versucht; die fünfte hat erst vor sieben Wochen begonnen. Länger mag diese Zeit auch Bachmann selbst vorkommen, denn der steht mit seinem Theater, auch wenn er sich nicht entmutigen lässt und künstlerisch dagegen anarbeitet, strukturell im Stau.

          Im November 2015 sollte das Schauspielhaus nach dreijähriger Sanierung in originalgetreuem Glanz erstrahlen. Der Regie führende Intendant, der die ersten beiden Jahre mit einer dafür hergerichteten Industriehalle auf der rechten Rheinseite als Interim Vorlieb nehmen musste, war mit der Aussicht angetreten, die Wiedereröffnung zu gestalten, und weil Baumaßnahmen im Bestand sich (nicht nur) in Köln ja auch mal um ein ganzes Jahr verzögern können, ließ er sich – „in meiner grenzenlosen Nativität“, wie er inzwischen weiß – in den Vertrag schreiben, dass ihm drei Spielzeiten am Offenbachplatz bleiben.

          Ein „bizarres Konstrukt“ nennt Bachmann diese Vereinbarung heute, denn aus den drei, das hat das Baustellen-Management im Sommer ermittelt, werden (mindestens) zehn Jahre, vor Ende 2022 wird im Schauspielhaus der Lappen nicht wieder hochgehen. Die Perspektive, noch einmal fünf Jahre an einem Standort fern der Innenstadt, der vom Publikum zwar gut angenommen wird, doch in seinen eingeschränkten räumlichen und technischen Möglichkeiten viele Wünsche offenlässt, das Theater über die Runden zu bringen, muss Bachmann schier endlos erschienen sein. Jedenfalls hat sie ihn, der von „rasendem Stillstand“ spricht, mächtig erschreckt und die Konsequenz ziehen lassen, sein Engagement nicht über den Sommer 2021 hinaus fortzusetzen.

          In die Kölner Theatergeschichte wird er als Überwintermeister eingehen, im Glanz der Wiedereröffnung wird sich sein Nachfolger sonnen. Dabei ist sein Motiv so elementar wie ehrenhaft: „Das Theater braucht immer mal wieder eine Erneuerung, eine personelle Veränderung.“ Zugleich aber wird damit deutlich, in welche Selbstblockade sich die Stadt längst manövriert hat. Denn die gleiche Begründung wäre, von ihr angeführt, inakzeptabel. So steht der Künstler Bachmann auch ein für das Unvermögen der Kölner Kulturpolitik. Chapeau!

          Andreas Rossmann

          Feuilletonkorrespondent in Köln.

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          Quelle: F.A.Z.

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