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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Keine Ruhe für den König Richards Knochen

 ·  In Leicester sind die Gebeine König Richards III. gefunden worden. Sollte der Herrscher nun endgültig dort beigesetzt werden? Aus York kommt Widerspruch, schon ist der schönste Streit im Gange.

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Wie sich dieser Tage zeigte, ist das Schicksal König Richards III. von Pathos und Banalität zugleich gekennzeichnet. Gibt es ein gewöhnlicheres Grab für einen Herrscher - sei er nun der buckelige Dämon der Tudor-Propaganda oder der visionäre Erneuerer, als den ihn die Revisionisten darstellen wollen - als achtundsechzig Zentimeter unter dem Asphalt eines Parkplatzes des Sozialamtes von Leicester? Vor der feierlichen Bestätigung, dass es sich bei dem im vergangenen August dort gehobenen Skelett tatsächlich um den König aus dem Hause York handelt, stritten sich Historiker, Abgeordnete und städtische Behörden bereits um die Frage, wo die sterblichen Überreste beizusetzen seien. Der Kampf um die Knochen geht erst richtig los.

Die Ausgrabungslizenz besagt, dass die Gebeine im Falle, dass sie sich als jene des Königs erweisen sollten, in der Kathedrale von Leicester zu Grabe gelegt werden sollen. In York aber haben schon mehr als achtzehntausend Menschen einen Aufruf unterzeichnet, der fordert, dass der 1485 in der Schlacht gegen Heinrich Tudor, das Oberhaupt des Hauses Lancaster, gefallene König in das Münster der Stadt gehöre, von der die jüngere Linie der Plantagenet-Dynastie ihren Namen bezog. Schließlich, so wandte ein Kommunalpolitiker der Grafschaft ein, hätten die Bewohner von Leicester Richard mehr als fünfhundert Jahre lang verlegt, da wolle man ihnen die königlichen Gebeine nicht noch einmal anvertrauen.

York sei Richards geistige Heimat, seine Machtzentrale und der ihm ausersehene Standort seines Mausoleums gewesen. So will die Stadtratsvorsitzende ein Ersuchen an die Königin richten, die sich allerdings jeden Kommentars enthält. Richard gehöre weder nach York noch nach Leicester, heißt es von anderer Seite, sondern nach Fotheringhay, der Festung, wo er geboren wurde, wo seine Eltern bestattet sind, wo Maria Stuart ihr elendes Ende fand und sich dank Schiller eine der großen Szenen des Welttheaters ereignete. Nein, protestiert eine weitere Partei, einem Herrscher zieme nichts Geringeres als ein Staatsbegräbnis mit feierlicher Beisetzung in der Abtei von Westminster, wo Richard III. mit seiner Frau Anne Neville vereint werden könne. Auf diese Weise könnte der Nation jene Verbindung zur Geschichte ihrer Helden und Herrscher vor Augen geführt werden, die Bildungsminister Gove mit seiner umstrittenen Reform des Lehrplanes erwirken will. Unter dem Asphalt von Leicester lag es sich ruhiger.

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Jahrgang 1957, Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

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