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Kein Umzug der Berliner Gemäldegalerie : Am Ende war das Machbare auch das Vernünftige

Bild: dpa

Die Stunde der Wahrheit ist gekommen: Die Preußenstiftung verzichtet nach einem langen Hin und Her auf den Umzug der Gemäldegalerie und baut ein Museum der Moderne am Kulturforum.

          Die Alten Meister werden nicht aus ihrem Domizil am Berliner Kulturforum vertrieben. Ein neuer Galeriebau am Kupfergraben gegenüber dem Bodemuseum, in dem ein Teil der Berliner Gemäldegalerie gemeinsam mit Teilen der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen gezeigt werden sollte, kommt nicht zustande. Stattdessen soll ein neues Museum für die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts auf einem freien Grundstück neben der Neuen Nationalgalerie errichtet werden. Das sind in Kurzfassung die Konsequenzen, welche die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aus der Machbarkeitsstudie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung (BBR) zur Museumsplanung gezogen hat, die gestern zusammen mit den Plänen der Stiftung in Berlin vorgestellt wurde.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Am Ende war alles eine Frage des Geldes. Ein neues Museum am Kupfergraben, wie es die Stiftung in ihrem Masterplan für die Museumsinsel vorgesehen hatte, würde um die 400 Millionen Euro kosten, haben die Fachleute des BBR ausgerechnet - und zwar selbst dann, wenn man auf eine „Zwischenunterbringung“ der Alten Meister verzichten, wenn also ein Großteil der Bestände der Gemäldegalerie für fünf bis zehn Jahre im Depot verschwinden würde. Ein Neubau für die in Platznot geratene Moderne an jedem der drei geprüften Standorte am Kulturforum - an der Tiergartenstraße hinter dem Kunstgewerbemuseum, an der Potsdamer Straße gegenüber der Staatsbibliothek und an der Sigismundstraße neben Mies van der Rohes Nationalgalerie - kostet dagegen weniger als die Hälfte dieser Summe, nämlich nur knapp hundertachtzig Millionen.

          Trotz Druck kein finanziell machbarer Umzug in Sicht

          Dass die Stiftung sich für den Standort Sigismundstraße entschieden hat, der, städtebaulich gesehen, allenfalls die zweitbeste Lösung ist, hat ganz wesentlich mit dem Berliner Sammler Heiner Pietzsch zu tun. Mit der seit drei Jahren angekündigten Schenkung seiner Sammlung surrealistischer Gemälde und Skulpturen an das Land Berlin, die an die Bedingung der Präsentation in einem Museum des zwanzigsten Jahrhunderts geknüpft und mit der Androhung der Weggabe der Sammlung in eine andere Stadt verbunden ist, hat Pietzsch die Preußenstiftung stark unter Druck gesetzt. Deren Direktoren wollten den Druck dazu nutzen, ihre eigenen lange gehegten Pläne für den Umzug der Alten Meister an die Museumsinsel zu verwirklichen. Als der Bund im Juni letzten Jahres zehn Millionen Euro aus dem Etat des Kulturstaatsministers für die Umwandlung der Gemäldegalerie in ein Haus der Klassischen Moderne bereitstellte, schien die Stunde der Umzügler gekommen.

          Gerade in diesem Moment aber zeigte sich, dass das erste Opfer der beabsichtigten „Verschmelzung“ von Skulpturen und Gemälden in zwei durch die Spree getrennten Häusern die Kunstwerke selbst sein würden. Der Proteststurm, der sich daraufhin gegen „das Wegsperren der Alten Meister“ erhob, wie Stiftungspräsident Parzinger die geplante Magazinierung eines Großteils der Gemäldesammlung resümierte, war eine weltweite, von Experten wie Laien getragene Bewegung. Die Stiftung reagierte mit dem Versprechen, die Alten Meister nicht ins Depot zu schicken, sondern mit dem Umzug erst zu beginnen, wenn der Neubau fertig sei. Wie sie das technisch und konservatorisch bewerkstelligen wollte, blieb offen. Die Machbarkeitsstudie hat jetzt bewiesen, dass es auch finanziell nicht funktioniert.

          Preußenstiftung und Direktor der Gemäldegalerie haben das Nachsehen

          Der beredteste Kämpfer für den Auszug der Gemäldegalerie aus dem Kulturforum war ihr eigener Direktor. Man könnte Bernd Lindemann deshalb für den großen Verlierer der durch die Studie erzwungenen Sparvariante halten. Aber der eigentliche Verlierer, falls es hier einen gibt, ist die Preußenstiftung selbst. Sie hat ein Luftschloss gebaut, ohne dessen Kosten zu kalkulieren - und das zu einer Zeit, in der sie gleichzeitig ein echtes Schloss (das Humboldt-Forum) und ein luxuriöses Eingangsgebäude (die James-Simon-Galerie) bauen und zwei ihrer größten Objekte, das Pergamonmuseum und die Neue Nationalgalerie, sanieren muss. Irgendwann wäre die Mine, die unter dem Projekt „Galeriebau“ lag, ohnehin hochgegangen. Man kann nur froh sein, dass es jetzt passiert ist, wo sich der Schaden in Grenzen hält.

          Ihre Pläne für eine gemischte Präsentation von Gemälden und Skulpturen hat die Stiftung als Rückwendung zu ihren musealen Ursprüngen unter Wilhelm von Bode zu verkaufen versucht. Aber auch die revidierte Lösung am Kulturforum bedeutet eine Rückkehr zu alten Ideen. Denn just die Parzelle neben der Nationalgalerie, auf der nun der auf hundertdreißig Millionen Euro heruntergerechnete Neubau für die Moderne entstehen soll, war schon in den Planungen der neunziger Jahre für genau diesen Zweck vorgesehen. Dann aber richteten sich sämtliche Phantasien der Stiftungsdirektoren auf die Museumsinsel, und das Projekt verschwand in der Schublade. Die Variantenprüfung des BBR stößt die Preußenstiftung mit der Nase darauf, dass sie neben der Museumsinsel ein zweites Standbein hat. Jetzt muss sie am Kulturforum Ernst machen.

          Quelle: F.A.Z.

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