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Kehlmann, Ott, Andruchowytsch : Kleine Wunder

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Bild: F.A.Z.-Rainer Wohlfahrt

Wie man selbst den Leser, der sich im Grunde für das Thema des Buches nicht interessiert, schnell am Haken hat: Wundertaten von Daniel Kehlmann, Juri Andruchowytsch und Karl-Heinz Ott.

          Will man einen Roman über den Naturforscher Alexander von Humboldt und den Mathematiker Carl Friedrich Gauß lesen, wenn man den Humboldt-Rummel im vorigen Jahr noch in Erinnerung und für Mathematik ohnehin nur schwach ausgeprägte Leidenschaften hat? Eher nicht.

          Deshalb ist es kein ganz kleines Wunder, daß der erst dreißigjährige Daniel Kehlmann in seinem sechsten Buch kaum mehr als ein Dutzend Seiten braucht, bis er den Leser am Haken hat. Man bleibt ebenso gern daran hängen wie im Fall von Juri Andruchowytsch, der beweist, daß sich aus den literarischen Verfahren der Postmoderne durchaus noch Funken schlagen lassen. Man muß nur wissen, wie. Andruchowytsch entwickelt einen Magischen Realismus ukrainischer Prägung, um uns poetisch und phantasievoll in die Karpaten zu entführen, in das vergessene Zentrum Europas.

          Karl-Heinz Ott, wie Andruchowytsch Mitte Vierzig, erzählt in seinem zweiten Roman die bizarre Geschichte einer rücksichtslosen Inbesitznahme: Ein Sonderling nistet sich im Leben einer Zufallsbekanntschaft ein und läßt sich nicht mehr vertreiben. Ott erzählt die Geschichte vom Seelenparasiten als Kammerspiel und Psychothriller.

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