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Katie Holmes Die Superschnute

26.02.2004 ·  Ihre Karriereplanung war und ist so umsichtig wie zielstrebig. Jetzt spielt Katie Holmes im mit zweijähriger Verspätung endlich auch in Deutschland angelaufenen „Pieces of April“ die Titelrolle.

Von Dietmar Dath
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Falls jemals jemand auf die Idee kommt, mit dieser Frau in der Hauptrolle "Frühstück bei Tiffany" neu zu verfilmen, ist dem Kompilator des dazugehörigen Soundtracks nur zu wünschen, daß rechtzeitig in irgendeinem Archiv ein Stück der "Ramones" mit dem Titel "Audrey is a Punk Rocker" auftaucht. Denn von wegen Society-Pflänzchen: Sie steht oder sitzt mit nach vorn weisenden Schultern, als ob sie's drauf anlegt, Orthopäden in atemlose Haltungsschaden-Panik zu versetzen. Sie redet zu schnell, zu viel, accelerando. Sie legt den Kopf schief, wenn sie nicht glaubt, was ihr erzählt wird, und schiebt das Kinn vor, wenn sie's nicht hören will. Sie zieht beim geringsten Konflikt mit angemaßten Autoritäten eine ganz unglaublich angesäuerte, vermutlich angeborene Schnute.

Frechheit blitzt ihr aus den Genen, und singen kann sie auch nicht richtig: Am Ende der ersten Staffel von "Dawson's Creek", jener Fernsehserie, die sie bekannter gemacht hat als selbst ihr Filmdebüt in Ang Lees "Eissturm" (1997), gelang es ihr, aus letztgenanntem Defizit so unverschämt Kapital zu schlagen, daß niemand, der es gesehen hat, das je vergißt. In der fraglichen Szene muß sie als Joey Potter, hochbegabte Halbwaise und Problemkind, angelegentlich eines Schönheitswettbewerbs eine Talentprobe abliefern und bietet eine so herzzerreißend sehnsuchtsflatternde Interpretation der Schmalznummer "On my Own" aus dem Musical "Les Misérables", daß selbst ihr dickschädeliger Schwarm Dawson Leery (James Van der Beek) begreift, was für ein sprühender Charme-Overkill da plötzlich aus seiner bislang romantisch sträflich unbeachteten Sandkastenfreundin herausexplodiert ist.

"Entschieden unathletisch"

Kevin Williamson, Schöpfer von "Dawson's Creek" und erster entschiedener Förderer der jungen Katie Holmes, hat sie nicht nur in seiner Show, sondern auch im Film "Tötet Mrs. Tingle" (1999) das Kleinstadtmädchen spielen lassen, das, nur mit Trotz und Mut gerüstet, die Fluchtgeschwindigkeit entwickelt, die zum Ausbruch aus der fiesen Zwergenwelt des sauberen Amerika nötig ist. Ein bißchen "type-casting" ist solchen Besetzungsentscheidungen nicht abzusprechen; die am 18. Dezember 1978 in Toledo, Ohio, geborene Katherine Noelle Holmes weiß, was sie da spielt. Alles andere als ein Einzelkind - drei älteren Schwestern und einem Bruder galt es zu trotzen -, war sie als einziges Familienmitglied "entschieden unathletisch" (Holmes), fand früh zum Theater und arbeitete fortan pausenlos an ihrer vorzüglichen Antidamenhaftigkeit.

1995 wurden das erste Mal Hollywoodprofis bei einer Talentshow auf sie aufmerksam. Ihre Karriereplanung war und ist seither so umsichtig wie zielstrebig: Das Angebot, die Titelrolle in der Serie "Buffy, the Vampire Slayer" zu spielen, schlug sie aus, um ihre Schulausbildung zu beenden; für jeden Fernseh- und Teenieschwarm-Erfolg sichert sie sich als Ausgleich einen Part wie die Titelrolle im mit zweijähriger Verspätung endlich auch in Deutschland angelaufenen Überraschungserfolg "Pieces of April - Ein Tag im Leben der April Burns" (F.A.Z. vom 20. Februar). Sie sitzt immer noch nicht gerade, zieht immer noch Grimassen, redet immer noch zu schnell - man möchte ihr noch lange dabei zusehen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2004, Nr. 49 / Seite 46
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