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Katalonien-Konflikt : Franco ist passé

Sollte nicht zum Namensgeber unangemesser Vergleiche werden: Francisco Franco Bild: Picture-Alliance

Im Katalonien-Konflikt nehmen die Franco-Vergleiche Überhand, auch Qualitätsmedien mischen mit. Da kann man nur sagen: Hört auf mit den Kindereien!

          Seit Monaten hört man die Frage: Was wollen „die Katalanen“ eigentlich? Ein Teil der katalanischen Bevölkerung – etwa die Hälfte – will mehr Selbstbestimmung, mehr Abstand zu Spanien und sicherlich auch mehr Geld. Das Letzte geht gerade den Bach runter, weil mehr als zweitausend Firmen wegen der chaotischen Lage aus Katalonien abwandern. Aber etwas anderes, eine Art historisches Argument, wird ebenfalls gern genannt, und es spukt auch in deutschen Köpfen herum: dass Spanien „autoritär“ sei und immer noch ein bisschen franquistisch.

          Der sonst so gut informierte „New Yorker“ schreibt wie im Delirium, die spanische Guardia Civil sei „paramilitärisch“. Im britischen „Spectator“ heißt es, der Faschismus sei in Spanien „noch sehr lebendig“. Und die katalanischen Separatisten sprechen aus Propagandagründen ohnehin dauernd davon, zuletzt wieder der nach Brüssel geflohene, ehemalige Regionalpräsident Puigdemont: In frecher Umkehrung der Verfassungswirklichkeit prangert er den „spanischen Staatsstreich“ an und vergleicht die Politik Madrids mit dem Faschismus der Franco-Diktatur.

          Die Schauermärchen der Separatisten

          Selbst der ehemalige belgische Premierminister Elio Di Rupo entblödet sich nicht, den Ministerpräsidenten Rajoy einen „autoritären Franquisten“ zu nennen. Deswegen die Bitte: Hört auf mit den Kindereien. Lasst die Demagogie. Habt Respekt vor den Opfern des wirklichen Franquismus, denen von damals. Wenn gebildete Menschen und sogenannte Qualitätsmedien schon so viel Blödsinn verbreiten, wozu brauchen wir dann noch Populisten? Spanische Intellektuelle sind zurzeit auf breitester Front frustriert, weil ihre europäischen Nachbarn die Schauermärchen der Separatisten schlucken. Vielleicht sei den Beobachtern das pittoreske Klischee des spanischen Autoritarismus ja besonders lieb, schrieb neulich der spanische Schriftsteller Antonio Muñoz Molina, und sein Seufzen war hörbar.

          Spanien ist eine etablierte Demokratie. Inzwischen hat die demokratische Verfassung von 1978 die Franco-Diktatur an Lebenszeit übertroffen: 39 Jahre gegen 36 Jahre. Gängige Demokratie-Indizes führen Spanien auf respektablen Plätzen, nahe bei Großbritannien, gelegentlich vor den Vereinigten Staaten. Es ist eine Demokratie mit Makeln, aber welche Demokratie hätte die nicht? Es ist eine Demokratie, die es versäumt hat, das komplexe Identitätsempfinden einzelner spanischer Regionen in einem tragfähigen föderalen System zu spiegeln. Aber Einsicht in die Verbesserbarkeit des Systems gehört ins Arsenal jeder Demokratie und ist insofern ein Gemeinplatz, den wir uns für Festreden aufheben können. Was bleibt? Wer Franco heute leichtfertig im Munde führt, der outet sich als Populist.

          Paul Ingendaay

          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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