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Karneval Hörnchen, alaaf!

 ·  Krebserregende Kostüme aus Fernost und jede Menge Alkohol: Der Karneval kann unangenehm werden. Doch ein kleines Tier im malaysischen Urwald bietet die (fast) perfekte Lösung.

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Macht Karneval krank? Zur Faschingszeit erreichen uns zwei Nachrichten, die keinen Jecken kaltlassen. Es geht dabei um jene beiden Dinge, ohne die der Karneval undenkbar wäre, das Kostüm und der Alkohol. Nehmen wir nur einmal den Matrosenanzug: möglicherweise krebserregend. Oder ein anderer Klassiker, die Gorillamaske: kann Nitrosamine enthalten. Von krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Allergien auslösenden Latexproteinen wollen wir gar nicht erst reden. All dieses Zeug findet sich offenbar zuhauf in billigen Karnevalsfummeln, die zum größten Teil in Fernost produziert werden.

Kostet wenig, kann aber krank machen, wie die nordrhein-westfälische Verbraucherschutzzentrale jetzt warnend verkündet hat. Was kann der arme Narr da tun? Die Verbraucherschützer empfehlen, die Kostüme möglichst nicht auf der nackten Haut zu tragen. Aber da regen sich ästhetische Bedenken. Ganz Köln in langer Skiunterwäsche? Schreckliche Vorstellung. Überdies dürfte sich mancher Jeck fragen, ob ein Karneval, bei dem nicht irgendwann möglichst viel nackte Haut ins Spiel kommt, überhaupt noch ein Karneval ist.

Hautverträglicher Katerschutz

Jetzt ließe sich zwar Lady Gaga anführen, denn die Popsängerin ist soeben in einem Kostüm aufgetreten, das nur aus durchsichtigem Kunststoff bestand, wohl einer Art Frischhaltefolie, wie man sie für Gemüse, aber auch für Fleischwaren gern verwendet, wurstgeprüft gewissermaßen. Aber obwohl dieses Kostüm, zumindest lebensmitteltechnisch gesehen, unbedenklich sein dürfte, wird sich vielleicht nicht jeder Narr damit anfreunden wollen. Bleibt noch das Federschwanzspitzhörnchenkostüm.

Dieses Tier hockt tagsüber einsam im Regenwald von Malaysia, kehrt aber, wie Forscher der Universität Bayreuth beobachtet haben, Nacht für Nacht fröhlich in den Blütenkelchen der Bertampalme ein, wo es zwei Stunden lang den vergorenen Nektar der Pflanze wegzischt. Und obwohl dieser Biosprit es auf immerhin 3,8 Umdrehungen bringt, machen sämtliche Federspitzhörnchen des Regenwaldes stets einen tadellos nüchternen Eindruck. Das liegt vermutlich an den Unmengen des beim Alkoholabbau entstehenden Ethylglucuronids, die in den Haaren der Hörnchen gefunden wurden. Wer sich das Fell des Federspitzhörnchens überwirft, ist also fein raus: Dieses Kostüm ist hautverträglich, schützt vor dem Kater am Morgen danach und darf überdies noch als originell gelten. Andererseits - die Tiere wiegen nur fünfzig Gramm - ist so ein Fell doch recht klein.

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Jahrgang 1962, Redakteur im Feuilleton.

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