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Kanzlerin trifft Autor Aktenführung

 ·  Edmund Stoiber hat seine Erinnerungen niedergeschrieben und das Buch in Berlin vorgestellt. Ausgerechnet Angela Merkel stellt sich an seine Seite. Eine denkwürdige Szene. 

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Das gibt es ja, dass sich zwei Menschen, Mann und Frau, zum Frühstück treffen, und danach ist alles anders. Bei Edmund Stoiber und Angela Merkel war es ihr Frühstück in Wolfratshausen. Danach wurde er Kanzlerkandidat und sie Kanzlerin. Für ihn blieb als offene Frage, wie es sein kann, dass einer sich durchsetzt und trotzdem nicht gewinnt, so wie der umgekehrte Fall, dass eine sich scheinbar nie durchsetzt und dennoch das bessere Ende für sich hat, das Geheimnis der Angela Merkel blieb. Zehn Jahre sind seitdem vergangen, fünf seit Stoibers Abschied aus der Politik, seit einiger Zeit kümmert er sich ehrenamtlich um den Bürokratie-Abbau in Brüssel.

Nun hat er ein Buch mit Erinnerungen geschrieben, das Merkel in Berlin vorstellte und ihm damit ein Haus voller Journalisten bescherte. „Warum eigentlich ein Buch“, fragte Stoiber. Immer wieder hätten ihn junge Leute gebeten zu erzählen, wie das denn gewesen sei, mit dem Strauß, dem Schröder, der Merkel. Mit Strauß beispielsweise sei er Ende der Achtziger nach Moskau geflogen, wo sie von Gorbatschow im Kreml empfangen wurden. Sind Sie zum ersten Mal in der Sowjetunion, habe Gorbatschow gefragt, was Strauß verneinte. Er sei früher schon einmal dagewesen, antwortete er, aber da sei er nur bis Stalingrad gekommen.

Vermittlungsschwierigkeiten als Gemeinsamkeit?

Und Merkel, sagte er, Schröder überspringend, habe ihn damals angerufen, um ein Treffen zu vereinbaren, aber er wurde nicht schlau aus ihr. Wollte sie nun auf die Kanzlerkandidatur verzichten? Oder sollte er? Daraufhin rief er sie noch einmal an, als habe er es bis zum Frühstück nicht aushalten können. Die Blöße, die er sich damit gab, schien ihm egal zu sein, oder er hat keinen Sinn dafür. Heute spricht er plötzlich Englisch, weil er nun in Europa arbeitet, erzählt, dass er sich dort nur mit den absoluten Spitzenleuten trifft, obwohl er gar kein Amt hat, sagt, dass ja vor allem die kleineren Länder ihre Topleute nach Europa schicken und merkt nicht, dass er selbst eher aus keinem kleinen Land kommt.

Ein Mann, der kein Gefühl dafür entwickelt hat, dass hinter jeder Rede eine Erzählung liegt, die von anderen gelesen wird. Womöglich verbindet Angela Merkel und ihn, zwei Leute, die auf ganz unterschiedliche Weise Schwierigkeiten im Vermitteln ihrer Person haben, mehr als nur ein Frühstück. Er hatte immer die Fakten, sie hatte die Demut, die Ausstrahlung hatten andere. Am Ende der Vorstellung bescheinigte er ihr gestern noch eine sehr gute Aktenführung, als sei dies das größte Kompliment, das er machen kann, und sie – gab es zurück.

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Jahrgang 1974, Redakteur für das Feuilleton in Berlin.

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