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Kampagne Clements neues Dream Team

 ·  Die Zeitungen freuen sich jetzt schon, und vielleicht auch bald wir alle: Mit großzügig verteilten Anzeigen ruft Wolfgang Clement zum Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf. Udo Lindenberg und Fredi Bobic machen mit.

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Udo Lindenberg wird drei neue Background-Sängerinnen engagieren. Hans W. Geißendörfer wird zehn neue Charaktere in seine „Lindenstraße“ einführen, die allesamt von vorherigen Langzeitarbeitslosen gespielt werden. „Neun Live“-Chefin Christiane zu Salm stellt ein paar Telefonistinnen ein. Fredi Bobic wird künftig seltener selbst aufs Tor schießen, sondern seine schlechter postierten Mitspieler bedienen, damit diese auch mal treffen und nicht Gefahr laufen, ihren Job zu verlieren. Und Tischtennis-Weltmeister Timo Boll wird ab sofort nur noch Doppel spielen; die Stelle an seiner Seite wird öffentlich ausgeschrieben, bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt.

Wird es so sein? Oder wie sonst werden die genannten Damen und Herren das wahrmachen, was sie uns an diesem Montag in Anzeigen versprechen: „Gemeinsam gegen die Arbeitslosigkeit“ vorzugehen? Geschaltet hat die Anzeigen das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft, dessen Chef, Wolfgang Clement, bei seinem Bemühen, die Arbeitslosigkeit allein zu bekämpfen, bislang erfolglos war. Deshalb setzt Clement nun auf sein neues Projekt namens „TeamArbeit für Deutschland“.

Teamgeist

Nach dem Ruck, der mal durch unser Volk gehen sollte, nach der Aufforderung „Deutschland packt's an“ der deutschen Medienwirtschaft und dem logisch nicht überzeugenden „Deutschland ist besser als jetzt“ des „BürgerKonvents“ geht also nun das Team Arbeit für Deutschland an den Start, um in Teamarbeit das drängendste Problem dieses Landes zu lösen. Der Name ist schon mal nicht schlecht, weckt er doch durchweg positive Assoziationen: Teamgeist, Dream Team, Team Telekom.

Für sein Team hat Clement ein paar alte Kämpen reaktiviert, mit denen zusammen er an diesem Nachmittag sein Konzept vorstellen möchte. Der kommissionserfahrene Peter Hartz ist dabei, Florian Gerster, der Bertelsmann Gunter Thielen und mit Hubertus Schmoldt sogar ein richtiger Gewerkschaftler. „Die Initiative TeamArbeit für Deutschland“, erklärt Clement schon mal vorab in seinen Anzeigen, „wird zusammen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Politik, Kirche, Unternehmen, Gewerkschaften, Arbeitsvermittlung, Kunst, Medien, Vereinen, Erziehung, Wissenschaft und Wohlfahrtspflege“ - da muß sich niemand beschweren, daß er vergessen wurde! - „ein großes Netzwerk gegen Arbeitslosigkeit in Deutschland schaffen. Die ersten Unterstützerinnen und Unterstützer sehen Sie in dieser Anzeige. Machen Sie mit!“

Große Maschen

Wie wir mitmachen können, wird uns der Minister sicher mitteilen. Bis dahin aber rätseln wir: Bedeutet das neue Projekt der Teamarbeit die Abkehr vom bisherigen Konzept der Ich-AG? Wäre ein kleineres Netzwerk nicht ratsamer, damit nicht so viele durch die Maschen fallen? Und warum gehört es eigentlich zu den liebsten Beschäftigungen in diesem Lande, für Reformen zu werben, statt endlich einmal diese Reformen auch durchzuführen?

Die einzigen, die sich jetzt schon freuen dürfen über Clements Initiative, sind die Medien. Je drei volle Anzeigenseiten in „Spiegel“ und „Focus“, je zwei Viertelseiten in F.A.Z., „Süddeutscher“, „Tagesspiegel“, „taz“ und „Welt“: In diesen Zeiten rückläufiger Werbeeinnahmen ist eine solche Kampagne der Bundesregierung eine großartige Geste gegenüber den Zeitungen. Wollen wir hoffen, daß sie noch viele Jahre weiterläuft.

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