19.02.2001 · In Berlin sind die Detektive los, Teufel treiben in New York ihr Unwesen, und in Dünkirchen ist Karneval: Filme zwischen Remake, Hollywood und Arthouse - diese Woche neu im Kino.
Von Vätern und Söhnen erzählen drei der Filme, die in dieser Woche neu ins Kino kommen. Emil und seine Detektive starten ins neue Jahrtausend. Des Teufels Lieblingssohn kümmert sich um das alte Spiel zwischen Gut und Böse. Und für eine Liebe ohne Chance schafft der Karneval in Nordfrankreich wenigstens eine kleine Freiheit.
Gustav mit dem Handy
Der kleine Dienstag hat ein Handy, und Emil kauft seinem Vater einen falschen Führerschein. Die Rollen in Franziska Buchs Film „Emil und die Detektive“ haben sich gegenüber Erich Kästners Romanvorlage aus dem Jahr 1929 deutlich verschoben. Zwar gibt es noch immer den fiesen Herrn Grundeis (Jürgen Vogel), der Emil (Tobias Retzlaff) im Zug sein Geld klaut. Aber die Großstadtgeschichte ist sichtlich auf das Jahr 2001 getrimmt - mit Pony Hütchen als Chefin der Kinderbande und Emil als Sohn eines alleinerziehenden Vaters (Kai Wiesinger). Die Botschaft des Kinderbuchklassikers bleibt dennoch bestehen: Berliner Kinder lassen sich auch von Gaunern nicht unterkriegen.
Emil und die Detektive, Deutschland 2001, Regie: Franziska Buch, Darsteller: Tobias Retzlaff, Kai Wiesinger, Jürgen Vogel
Wer stets das Böse will
Der Teufel (Harvey Keitel) ist ein konsequenter Patriarch: Eine Regierungsbeteiligung für seine Söhne Adrian und Cassius an den Höllengeschäften gibt es nicht - basta. Das lassen sich die beiden aber nicht mehr gefallen. Sie ziehen los und mischen New York auf, um das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse ins Wanken zu bringen. Was bleibt Papa anderes übrig, als seinen Lieblingssohn „Little Nicky“ (Adam Sandler) auf die Erde zu schicken, der das teuflisch komplizierte Problem lösen soll. Eine schrille Komödie von Steven Brill mit vielen Effekten und einem Gastauftritt von Ozzy Osbourne als Gott.
Little Nicky, USA 2000, Regie: Steven Brill, Darsteller: Adam Sandler, Patricia Arquette, Harvey Keitel
Liebe in den Zeiten des Karneval
Eigentlich wollte Larbi (Amar Ben Abdallah) schon auf dem Weg nach Marseille sein: Nach einem Streit mit seinem Vater hat der junge Araber beschlossen, aus dem grauen Dünkirchen zu fliehen. Doch dann trifft er mitten im Karneval der Arbeiter auf Bea (Sylvie Testud). Larbi hilft der jungen Frau, ihren volltrunkenen Mann Christian (Clovis Cornillac) nach Hause zu schleppen und verliebt sich in sie. Im grellbunten Reigen des Karnevals blüht diese Liebe auf - ohne Aussicht, zum Scheitern verurteilt vor dem Hintergrund eines nur ruhenden Rassismus und der unterschiedlichen Lebensentwürfe von Bea und Larbi.
Vor zwei Jahren lief „Karnaval“ von Thomas Vincent bereits als Wettbewerbsfilm der Berlinale.
Karnaval, Frankreich/Belgien/Schweiz, Regie: Thomas Vincent, Darsteller: Amar Ben Abdallah, Sylvie Testud, Clovis Cornillac