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Kaiser-Mythos auf der Bühne : ||: Barbarossa erwacht :|| dal segno

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In der Rockerette „Barbarossa ausgeKYFFT“ erwacht Barbarossa 2015 auf den Bühnen der Stadt Gera und dem Landestheater Altenburg. Bild: Sandra Dehler

Haben sie einmal das Licht der Welt erblickt, werden Volkssagen schnell flügge und legen verdeckte Wünsche und Hoffnungen ihrer Zeit frei. Mit dem Barbarossa-Mythos auf Bühnentournee durch die Jahrzehnte.

          Startpunkt der Reise ist die Gemeinde Kyffhäuserland in Thüringen: „Barbarossa erwacht |aus der ewigen Nacht |und als Zeichen der Hoffnung erscheint |auf dass Liebe und Güte uns eint…“ singt und klingt es hier seit einiger Zeit regelmäßig durch die illuminierte Barbarossa- Höhle. Rund 200 Zuschauer erhalten erstmals Einblicke in das aktuelle Musicalprojekt Gerald- Michael Fähnrichs. Dieser hat sich einer jahrhundertealten Volkssage angenommen, die nie aus der Mode zu kommen und heute sogar gefragter denn je zu sein scheint. Wie sonst sollte man es sich erklären, dass mit Fähnrichs Projekt bereits das dritte deutschsprachige Musical binnen fünf Jahren den Stauferkaiser Friedrich I., genannt „Barbarossa“, heraufbeschwört?

          Die Sage selbst ist schnell erzählt: Anders, als es die Geschichtsbücher lehren, soll Barbarossa seinerzeit nicht verstorben sein, sondern noch immer in einer unterirdischen Burg im Inneren des Kyffhäusergebirges leben. Samt Gefolge sei er dort in einen wundersamen Schlaf verfallen, aus dem er alle hundert Jahre kurzzeitig erwache, um in Erfahrung zu bringen, ob der Augenblick seiner Wiederkehr gekommen sei. Zu gegebener Zeit werde er das Berginnere verlassen, sein geteiltes Reich wiedervereinen und ein neues „goldenes Zeitalter“ begründen – ein nebulöses Heilsversprechen, an das Menschen seit jeher unterschiedlichste Erwartungen und Hoffnungen geknüpft haben.

          Lustwandeln in wohltuender Waldeinsamkeit

          Auch der Trailer des neuen Musical-Projekts kündigt  Barbarossas baldige Rückkehr an. „Irgendwas“ – so erfahren wir – scheine den rotbärtigen Kaiser kürzlich geweckt zu haben.

          „Barbarossas Erwachen“, so der Titel des ersten Teils der geplanten Musical-Trilogie, stehe kurz bevor. Im August 2018 soll erstmals eine komplette Aufführung von Teil I stattfinden. Bis dahin kann über die Gründe des Erwachens noch spekuliert werden, denn vorerst wollen die Macher die Bühnentauglichkeit ihres Barbarossas weiterhin in musikalischen und szenischen Auszügen erproben. Der nächste einstündige Wachmoment des vielbeschworenen Friedenskaisers ist am 23. September 2017 zwischen 19 und 20 Uhr zu erwarten. Und welcher Ort würde sich für ein großangelegtes musikalisches Erwachen des Staufer-Kaisers besser anbieten, als die Barbarossa-Höhe bei Rottleben? Schließlich soll hier, darauf hat man sich gegen Ende des 19. Jahrhundert festgelegt, die Ruhestätte Barbarossas sein.

          Langfristig, so Komponist Fähnrich, erhoffe er sich, dass sein Barbarossa für die Nordthüringer Region zu so etwas werde, wie der Seeräuber Störtebeker für Rügen: die Gallionsfigur einer alljährlich stattfindenden, publikumsnahen Festspielattraktion mit Massenszenen in und an der Höhle, die dem Kyffhäuserkreis ein prominentes Gesicht und damit wirtschaftlichen Aufschwung und neuen Bekanntheitsgrad beschert. Doch das ist vorerst noch Zukunftsmusik.

          Wenn Fähnrich hier nicht gerade mit seiner „Band of Barbarossa“ erste Impressionen aus seinem Musical zum Besten gibt oder die Barbarossa-Höhle eine Kulisse für vereinzelte Lesungen  und  Konzerte  liefert,  geht  es  rund  um  das  Kyffhäusergebirge  eher  ruhig  zu.  60 Quadratkilometer Laubwälder und ein gut ausgebautes Netz von Wanderwegen laden zum Lustwandeln und wohltuender Waldeinsamkeit ein.

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