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Kafkas Phobien : Das geheimabsichtliche Erscheinen eines Briefes

Schrieb auch über Zimmer-, Licht- und Mäuseverhältnisse: Franz Kafka Bild: dpa

Angst vor der Maus: Franz Kafkas berühmtes Schreiben an seinen Freund Max Brod, in dem er seine ärgste Phobie schildert, wird versteigert.

          Es geht um Mäuse. „Das was ich gegenüber Mäusen habe, ist platte Angst“, schreibt Franz Kafka im Dezember 1917 an Max Brod. „Gewiss hängt sie wie auch die Ungezieferangst mit dem unerwarteten, ungebetenen, unvermeidbaren, gewissermassen stummen, verbissenen, geheimabsichtlichen Erscheinen dieser Tiere zusammen, mit dem Gefühl, dass sie die Mauern ringsherum hundertfach durchgraben haben und dort lauern, dass sie sowohl durch die ihnen gehörige Nachtzeit als auch durch ihre Winzigkeit so fern uns und damit noch weniger angreifbar sind.“

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Seine Angst vor Mäusen ist Kafka ganze vier Briefseiten wert. In schönster Handschrift verfasst, berichtet er auf ihnen tatsächlich nahezu ausschließlich von diesen kleinen Tieren; von der Möglichkeit, sich ihrer vielleicht mit Hilfe einer Katze zu erwehren; von der Skepsis, die er gegenüber herkömmlichen Fallen hegt; von angespannter Ruhelosigkeit, von Mäuse- und Katzennächten.

          Am 4. Dezember 1917 schreibt Kafka einen vierseitigen Brief und berichtet, wie er in der Nacht einen „Teil der Katzenaufgabe“ selbst übernommen hat.
          Am 4. Dezember 1917 schreibt Kafka einen vierseitigen Brief und berichtet, wie er in der Nacht einen „Teil der Katzenaufgabe“ selbst übernommen hat. : Bild: Katalog

          Von einer „platten Angst“ zu sprechen mag angesichts der Akribie, mit der sich der Schriftsteller seinem Leiden widmet, arg untertrieben sein. Auch Kafka selbst scheint zu ahnen, dass ihm mit seiner Mäusephobie nur schwer zu helfen ist: „Auszuforschen woher sie kommt, ist Sache der Psychoanalytiker, ich bin es nicht.“ Und doch liegt natürlich gerade in der Besessenheit und dem mitunter selbstironischen Umgang mit ihr der große Reiz seines Schreibens. „Du schreibst so wenig von Dir, ich räche mich mit den Mäusen“, heißt es im letzten Teil.

          Verschenkte Schönheit

          Leider hat Kafkas Brief, der zwar ediert und erschlossen ist, bisher nicht den Weg in jene Institutionen gefunden, welche die wichtigsten Kafka-Bestände aufbewahren, also ins Deutsche Literaturarchiv in Marbach oder in die Bodleian Library in Oxford. Stattdessen taucht er seit Jahrzehnten immer mal wieder bei Auktionen auf. Nun ist es wieder soweit: Am 7. Dezember wird er im Sulzburger Auktionshaus Kaupp angeboten, für mindestens 42000 Euro.

          Erst im vergangenen Jahr war er vom Autographenspezialisten Stargardt in Berlin vermittelt worden. Dort hatte man ihn schon im Jahr 1997 und erstmals 1981 zum Kauf angeboten, seinerzeit war er für die bescheidene Summe von siebentausend Mark zu haben. Viel spricht daher dafür, dass es sich bei dem schönen Schreiben um einen jener Briefe handelt, die Max Brod einst seiner Sekretärin Esther Hoffe schenkte, und von denen diese einzelne Exemplare veräußerte.

          Es ist anzunehmen, dass der Brief auch künftig in Privatbesitz bleiben wird. Das Literaturarchiv in Marbach würde zwar, so ist zu hören, gerne mitbieten, verfügt derzeit aber nicht über die finanziellen Mittel. Bleibt zu hoffen, dass sich vielleicht noch ein Mäzen findet, der Kafkas Brief von den Mäusen und der Angst für die Öffentlichkeit ersteigert.

          Quelle: F.A.Z.

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