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Handynutzung : Wir atmen Giraffe

Manchmal etwas deplaziert: Giraffen. Bild: Picture-Alliance

Die einen haben die Lesebrille vergessen, die anderen reden einfach drauflos: Jung und alt nutzen ihre Smartphones auf sehr seltsame Weise. Das macht es der Sandwichgeneration dazwischen oft schwer, mit ihnen zu kommunizieren.

          Wenn es ein digitales Naturgesetz gibt, dann dieses: Jede Generation ist sich absolut sicher, dass sie die technischen Möglichkeiten genau so nutzt, wie der Weltgeist es vorgesehen hat. Viele Jugendliche verstehen die Verachtung gegenüber Kurzvideos, für die sie ihr eigenes Gesicht mit virtuellen Hundeöhrchen versehen, genauso wenig wie umgekehrt zahlreiche Ältere die Skepsis gegenüber Facebook.

          Und die Differenzen machen vor gemeinsam genutzten Apps nicht halt – im Gegenteil. Wer heute zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt ist, findet sich bei Messenger-Diensten wie Whatsapp oder Threema in einer sonderbaren Sandwichposition: zwischen den Kindern, die keine Nachrichten tippen wollen, und den Eltern, die keine Nachrichten tippen können. Bei den Kindern ist die Bequemlichkeit schuld, bei den Eltern das Handy, sagen sie. Oder die fehlende Lesebrille in Verbindung mit der übereifrigen Autokorrektur, die einem Nachrichten bescheren wie: „Wir atmen dann in Giraffe.“

          Sie würden es nicht hören

          Ähnlich erratisch geraten oft die mehrminütigen Sprachnachrichten, mit denen die Kinder auch auf kurze Fragen gerne antworten. Sie halten dazu ihre Smartphones direkt vor ihren Mund, weg vom Ohr – selbst wenn es wie in einem Telefongespräch die Möglichkeit gäbe, ihnen ins Wort zu fallen, wozu es Anlässe genug gäbe, würden sie es nicht hören.

          Nur eine Gewohnheit haben diese beiden Generationen auf Whatsapp gemeinsam: alle verfügbaren Emojis möglichst großflächig über das Gespräch zu verteilen. Es gehört zur Ironie der Geschichte, dass viele Ältere aus ihrem Berufsleben das konzentrierte Diktieren beherrschen und wahrscheinlich die viel besseren Sprachnachrichten aufnehmen würden, während die Jüngeren mit ihren guten Augen und gelenkigen Fingern besser tippen könnten. Und dass eben auch die Sandwichgeneration der festen Überzeugung ist, dass nur sie genau weiß, wofür diese Apps erfunden wurden: damit man kurze, klare Antworten erhält, ohne die Stimme des Gesprächspartners hören zu müssen.

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