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Julija Timoschenko Kampfkraft in Haft

 ·  Die ukrainische Ex-Ministerpräsidentin Julija Timoschenko wurde in ein Krankenhaus für Eisenbahner gesteckt und dort angeblich schwer misshandelt. Sie ist im Hungerstreik.

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Julija Timoschenko zeigt, wie man mit Leiden große Politik macht. Frau Timoschenko, die voriges Jahr wegen des von ihr im Winter 2008/9 mit Kremlherr Putin ausgehandelten, russisch-ukrainischen Gas-Kontrakts zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, klagt seither über starke Rückenschmerzen. Ein Ärzteteam aus dem Berliner Charité-Krankenhaus bescheinigte ihr ein Bandscheibenleiden, das am besten in Deutschland zu therapieren sei. Doch da die politische Führung Timoschenkos Behandlung im Ausland ausschließt, sollte sie im Charkower Eisenbahnerkrankenhaus zwangsbehandelt werden.

Dazu habe die Gefängnisleitung zunächst ihre Zellennachbarin entfernt, berichtet Julija Timoschenko in einem handschriftlichen Brief, der im Internet aushängt. Dann seien drei hünenhafte Aufseher gekommen, hätten sie geschlagen und ihr Arme und Beine umgedreht. Frau Timoschenko trat jetzt in den Hungerstreik und zeigte ihre Blutergüsse nur der ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Nina Karpatschewa. In Lwiw hungern schon etliche Timoschenko-Anhänger aus Solidarität mit ihr. Amerika und Europa verlangen von der Janukowitsch-Führung, die Situation um die Ex-Regierungschefin zu klären, Diplomaten zu ihr zu lassen. Bundespräsident Gauck nahm die Lage gar zum Anlass, im Mai nicht zum Treffen der osteuropäischen Staatschefs nach Jalta fahren zu wollen.

Die Russen hauen, zumal ein Besuch Janukowitschs in Moskau geplant ist, in dieselbe Kerbe. Man rechne darauf, ließ das russische Außenministerium jetzt verlauten, dass die ukrainischen Machthaber Julija Timoschenko so behandelten, dass alle ihre Rechte gewahrt und die politische Lage im Land nicht weiter verschärft würde. Moskau pokert offensichtlich auf Zugeständnisse in Fragen von Energie und Flottenstationierung. Die ukrainische Staatsanwaltschaft will Julija Timoschenko in einem zweiten Prozess für Auftragsmorde an ostukrainischen Geschäftsleuten in den neunziger Jahren als mitschuldig erklären lassen. So hofft die Führung Janukowitschs, der selbst wegen Totschlags vorbestraft ist, die Macht der starken Ukrainerin zu brechen.

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Jahrgang 1958, Feuilletonkorrespondentin in Moskau.

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