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Jugendkriminalität in London Salvator Latein

09.06.2008 ·  Zahlreiche Jugendliche sind in London durch Messerstiche getötet worden. Bürgermeister Boris Johnson kennt die Lösung des Problems: Die Jugend soll Latein und Griechisch lernen, damit sie sich von Messern und Schusswaffen fernhält.

Von Gina Thomas
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Winston Churchill illustrierte den Nutzen von Statistiken mit dem Bild eines Betrunkenen, dem eine Laterne eher als Stütze denn zur Erhellung diene. Ihm wird auch der Satz zugeschrieben, wonach die einzigen verlässlichen Statistiken jene seien, die man selbst frisiert habe. Eine Serie von Messerstechereien veranlasst die Briten zur Zeit, mit Statistiken nur so um sich zu werfen. Die einen erregen sich über die epidemische Jugendkriminalität, erklären Großbritannien zum „Messerzentrum der Welt“ und verweisen darauf, dass die Zahl ernsthafter Stechereien in weniger als zehn Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen sei.

Der Londoner Stadtteil Hackney, wo das lokale Krankenhaus im vergangenen Jahr 55 Messerstich- oder Schusswunden behandeln musste, sei statistisch gefährlicher als Soweto, heißt es. Die anderen berufen sich auf Angaben der Polizei, die besagen, dass die Messerkriminalität in den letzten zwei Jahren wieder gesunken sei; das Phänomen werde in einem jener periodischen Anfälle von nationaler Hysterie bloß hochgeredet. Tatsache indes ist, dass seit Jahresbeginn allein in London schon sechzehn Jugendliche durch Messerstiche getötet worden sind.

Die Jugend soll Latein und Griechisch lernen

Premierminister Gordon Brown, sehr darauf bedacht, als Mann der Tat zu wirken, berief in der vergangenen Woche eine Sondersitzung mit Vertretern von Recht und Ordnung ein und trat anschließend vor die Öffentlichkeit, um das Tragen von Messern für unannehmbar zu erklären und zu verkünden, dass minderjährige Messerbesitzer, die bisher nur verwarnt werden, künftig mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen müssten. Härteres Durchgreifen bekämpft aber nur das Symptom und nicht den Krankheitsherd, und so wird die Diskussion begleitet von der üblichen gesellschaftlichen Introspektion.

Schon kommt Boris Johnson, frischgewählter Bürgermeister von London und leidenschaftlicher Altphilologe, mit der Lösung: Man bringe der Jugend Latein und Griechisch bei, um sie von Messern und Schusswaffen fernzuhalten. Die Empfehlung ist gar nicht so widersinnig, wie sie klingt. 1973 wurde im amerikanischen Indianapolis eine Studie mit vierhundert Oberstufenschülern unternommen, die nach fünf Monaten Lateinunterricht nicht nur große Fortschritte in anderen Fächern wie Mathematik und Sprache gemacht hatten, sondern besser mit Problemen allgemeiner Art zurechtkamen. Johnsons Maßnahme würde auch dem Absterben von Latein an britischen Schulen entgegenwirken. Im letzten Jahr belegten nur noch 10.561 Kinder, die meisten davon Privatschüler, das Fach bis zur mittleren Reife.

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