18.06.2012 · In Spanien, wo die Krise mit jedem Tag drängender wird, ist die Jugendarbeitslosigkeit verheerend. Was machen die jungen Leute, die im eigenen Land kaum noch eine Chance haben? Cristina San Miguel Díaz sagt: umsatteln, weggehen. Eine Begegnung.
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Viele Akademiker aber keine Schaffeure
Ein gemeinsames Kennzeichen der PIGS Länder ist die Akademisierung der Ausbildung. Nur wer eine meist realtiv anspruchslose akademische Ausbildung hat, gilt etwas. Da gibt es dann Heerscharen von Architekten und Sprachwissenschaftlern aber keinen Polier der den Arbeitern mit Immigrationshintergrund die Benutzung einer Baumaschine erklären kann. Deutschland lebt zur Zeit noch von den vielen handwerklich ausgebildeten Arbeitern und Ingenieuren. Mit Umsetzung des Bologna Prozesses laufen wir in die gleiche dämliche Richtung wie die PIGS. Handwerkmeister und Betriebe suchen händeringend nach guten Lehrlingen, die sich aber lieber noch einige schöne Jahre im Bildungsbetrieb inklusive Auslandreisen machen. Mit 30 stellt man dann fest, dass die Eltern in Rente gehen und den Lebensstil der Studierenden nicht mehr finanzieren können und wollen.
Überaus hilfreich zur Beurteilung von Stimmung, Wünschen und Motiven der jungen spanischen Generation (Arbeitslosigkeit: über 51%)erscheint dieses Portrait: Wenn es typisch, ja repräsentativ für den (akademisch ausgebildeten) Teil der Jugend ist, dann kann ich nur lachen oder besser: weinen. Eine Klage auf höherem Niveau ist ja wohl kaum vorstellbar: Da hat jemand -wie hier auch zu Tausenden - in Madrid an einer der wenigen gerade noch namhaften spanischen Hochschulen Geographie studiert. Und will unbedingt narzisstisch vor einer Fernsehkamera zum Thema Wetter hin- und herwedeln. Da kann ich nur sagen: Träum weiter....Und das nach einem schönen Erasmus-Stipendium (1 J. Berlin) und noch drei Monaten Buenos Aires...Ja, geht's noch? Sollen wir Drinks anreichen, Kühlung zufächeln und Häppchen servieren - nach acht Stunden Bewerbungschreiben täglich?Wieviele Höchstqualifizierte bei uns (Priv-Doz., z.B.) arbeiten für wenig Geld oder in fremden Berufen?Willkommen in der Realität.Förderung ade
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 19.06.2012 18:33 UhrWeinen Sie ueber sich selbst
und Ihren Zynismus.
Von den individuellen Problemen (Eltern etc.) und dem fehlenden sozialen
Netz in Spanien abgesehen, das keine Grundsicherung kennt, wäre
ihre Situation in Deutschland auch nicht anders. Es gibt hier einen
ähnlich dysfunktionalen Arbeitsmarkt, der sehr vielen Fächern
sehr wenige Berufschancen eröffnet. Dazu gehört Geografie mit
Sicherheit auch.
Es gibt nach wie vor ein Monopol der Rechts- und
Wirtschaftwissenschaften, von den technischen Fächern abgesehen.
Der sogn. Quereinstieg ist ebenso nicht-existent wie Interesse an
persönlichen Erfahrungen jenseits formaler Abschlüsse. Das
Dilemma einer Generation.
aber zu dem Artikel einige Hinweise:
1.) Was hat ein Geographiestudium mit Meteorologie
("Wetterfrau") zu tun?
2.) Tourismus, aber nur nachhaltig, NGO? Etwas mehr Realismus wäre angeraten.
3.) ERASMUS-Stipendium als Inanspruchnahme von EU-Mitteln, mich
würden da mal die exakten Daten je EU-Land interessieren
4.) Wer glaubt, dass die Aktualiserung von Navigationssystemen
Geographen erfordert, hat einiges missverstanden
Frau San Miguel Diaz offenbart ein inzwischen weitverbreitetes Problem:
ewige Weiterbildung in Berufsfeldern, die nicht nachgefragt sind und
eine gewisse Realitätsferne der Generation "IMM"
(Irgendwas mit Medien)...
Gestern im Fernsehen: Bei der ARD (Plasberg) wird eine spanische Familie
gezeigt, die im Moment von der Rente des Großvaters und vom Kiosk
der Tante lebt. Die erwachsenen Kinder sind zurzeit arbeitslos. Man
hätte fast denken können, das sei repräsentativ für
Spanien. Zum Glück gab es parallel Fußball im ZDF. Und was
sieht man dort? Viele tausend spanische Fans in Danzig beim Spiel
Spanien - Kroatien. Sieh an! Die Spanier haben Geld für Flugreisen,
teure Hotels, Fußballtickets, Fan-Devotionalien usw. Das kann ich
mir nicht einmal leisten.
Man sieht: Die meisten Spanier usw. haben Geld für Dolce Vita, aber
nicht für ihre Staatsschulden.
Ich mag mir garnicht ausmalen, welche Verhältnisse in 10 Jahren herrschen werden. Wer nicht marktkonforme Studiengänge belegt, für den wird die Luft sehr dünn werden. Schöne neue Welt. Nicht zuletzt dank Globalisierung und EU-Versagertum. Im Zweifel würde ich jedem zu einer ordentlichen Ausbildung vor dem Studium raten.
Nichts besonderes und aussergewöhnliches...
In Griechenland, Portugal, Irland und sogar in der Türkei finden 8
von 10 Absolventen einer Uni (FH) kaum/kein Job in ihrem Studienfach!
Man studiert am Bedarf (am Markt) vorbei.
Diejenigen die überhaupt ein Job nach dem Studium bekommen,
bekommen dann auch noch meistens befristete Verträge zu
Hungerlöhnen. In Deutschland nennt man das
Praktikantenverträge! Es sei den man hat in der Verwandtschaft B2B
zu Unternehmern und zu Politikern in den oberen Etagen. So selektiert
auch das Kapital und die Politik einseitig das Humankapital. Was aus
dieser Einseitigkeit der Homokulturen an Humankapital wird, sehen wir
weltweit. Eine Krise nach der Anderen.
ich habe nach meinem Studium der VWL ca. 200 Bewerbungen für eine Stelle
im Gesundheitswesen versandt. Ein paar Vorstellungsgespräche habe
ich erhalten, eine Stelle allerdings nicht. Habe ich mich zuerst nur
für Stellen beworben, die mich interessierten. Das habe ich aber
schnell aufgegeben. Zuletzt hab ich mich auch für Controllerstellen
in Krankenhäusern beworben.
Aber ich habe den Kopf nicht hängen gelassen. Ich arbeite heute als
Informatiker. Nicht im Gesundheitswesen.
Also liebe Christina, etwas mehr Engagement. Ich hab ca. 160 Bewerbungen
mehr geschrieben und den Kopf nicht in den Sand gesteckt.
Komisch, dabei gingen doch eh grad 100 Milliarden dorthin
Achso stimmt, das ging ja an die Banken...