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„South Park“ : Warum Tom Cruise auf Mohammed verfällt

Angriffslustig: Trey Parker (r.) und Matt Stone Bild: AFP

Islamisten bedrohen die Macher von „South Park“. Dabei beleidigen die Macher der Zeichentrickserie gar nicht den Propheten Mohammed. Sie nehmen die aufs Korn, die Intoleranz und Bilderverbote predigen. Das aber ist gefährlich.

          Die Macher von „South Park“ sind zu schlau für die Islamisten. Sie rechnen mit der Dummheit derer, über die sie sich in ihrer Jubiläumsfolge lustig machen, sie fordern sie explizit heraus. Und die, die gemeint sind, reagieren auf die Jubiläumsfolge 200 der Serie genauso so wie erwartet: mit einer Todesdrohung. Nichts anderes steckt hinter der angeblich gutgemeinen Warnung, welche die Webseite „RevolutionMuslim.com“ sogleich verbreitet hat: Trey Parker und Matt Stone, den Machern von „South Park“, könnte es ergehen wie einst dem holländischen Filmemacher Theo van Gogh. Der wurde bekanntlich im November 2004 von einem Islamisten ermordet. Die Büroadresse von Parker und Stone hat „RevolutionMuslim.com“ praktischerweise gleich mit angegeben. Angeblich geht es nur darum, Muslimen, die sich beleidigt fühlen, die Möglichkeit zu zeigen, brieflich zu protestieren.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Islamisten aber haben wieder einmal nichts kapiert. Denn „South Park“ macht sich gar nicht über den Propheten lustig, sondern über die, die in seinem Namen auftreten und Intoleranz predigen, um es vorsichtig zu sagen. Parker und Stone machen sich über alle lustig, die keine Kritik vertragen, sich für unfehlbar halten und Bilderverbote verhängen.

          Tom Cruise verpackt Süßigkeiten

          Es beginnt mit Tom Cruise, der in einer Süßigkeitenfabrik Schokolade, besser gesagt „Fudge“, verpackt. Er möchte trotzdem nicht als „Fudgepacker“ bezeichnet werden. Da die Jungs aus South Park, die gerade eine Betriebsbesichtigung machen, aber genau das tun, droht er, den ganzen Ort in den Ruin zu klagen, im Verein mit seinen Promi-Freunden - also alle jenen, die in der Zeichentrickserie jemals veralbert worden sind, sei es Hillary Clinton, Steven Spielberg oder Tiger Woods. Die Klage will Cruise nur fallenlassen, wenn ihm die Bewohner von South Park ein Treffen mit Mohammed ermöglichen. Denn auf dessen Kräfte hat Cruise es abgesehen, auf die Macht, unantastbar zu sein, nicht beleidigt, ja nicht einmal dargestellt zu werden. Mohammed lässt sich darauf ein, denn er ist ein guter Kerl, genauso wie Jesus.

          Er möchte nicht als „Fudgepacker” bezeichnet werden: Tom Cruise
          Er möchte nicht als „Fudgepacker” bezeichnet werden: Tom Cruise : Bild: AP

          Gesehen haben die Fans von „South Park“ die beiden schon einmal hundert Folgen zuvor, als der Messias seinen Club der „Super Besten Freunde“ vorstellte: Mohammed, Buddha, Krishna, den Mormonenchef Joseph Smith und einen Witzbold namens „Seaman“. 2001, noch vor den Anschlägen vom 11. September, als diese Folge lief, konnte „South Park“ den Propheten noch zeigen. Seither haben sich die Zeiten radikal geändert, nicht zuletzt durch den international geschürten Karikaturenstreit. Also steht nun an der Stelle, an der zuvor Mohammed wirkte, ein schwarzer Balken mit der Aufschrift „Censored“.

          Der Prophet im Bärenfell

          Doch wie nun Mohammed und Tom Cruise zusammenbringen? Die Bewohner von South Park verfallen auf eine Verkleidung, eine Ganzkörperverhüllung, eine Art Burka, bei der man nicht einmal die Füße sieht: der Prophet steckt in einem Bärenkostüm. Doch zu Tom Cruise kommt er trotzdem nicht, weil eine Horde von Rothaarigen, den „Gingers“ (über die „South Park“ auch gerne Witze macht) die Stadt vermint hat und droht, alles in die Luft zu sprengen.

          Es ist ausweglos, zumal die von „South Park“ gebeutelten Promis ihre Wunderwaffe scharf gemacht, ihren Avatar entfesselt haben: Barbara Streisand, die hier als übergroßer Terminator auftaucht. Am Ende stellt sich sogar heraus, dass gar nicht der echte Mohammed im Bärenkostüm steckt. Die Islamisten aus dem wahren Leben jagen also einem Phantom nach.

          Wie gesagt: Nicht über den Propheten Mohammed und auch nicht über Jesus macht sich „South Park“ lustig, sondern über jene, die es nicht ertragen wollen, dass man sich auch über ihre Religion amüsiert oder über ihren Fanatismus. In ihrer gewohnt brachialen Art machen das Trey Parker und Matt Stone zum Thema, deren Geschmacklosigkeiten man nicht goutieren, deren Mut man aber bewundern muss. Sie setzen auf die Freiheit der Meinung, nehmen es mit allen auf und mit allen auf einmal.

          Kurt Westergaard aus Sicherheitsgründen zwangsbeurlaubt

          Aus Dänemark erreicht uns derweil eine weniger ermutigende Nachricht: Die Zeitung „Jyllands-Posten“ hat ihren Karikaturisten Kurt Westergaard zwangsbeurlaubt, aus Sicherheitsgründen. Westergaard war einer der Karikaturisten, die 2005 an der Aktion der Zeitung teilnahmen, die - nachdem islamische Gruppen den Protest entsprechend angeheizt hatten -, in den sogenannten „Karikaturen-Streit“ mündete. Die Karikaturisten werden seither mit dem Tod bedroht.

          Die „Jyllands-Posten“ hat ihr Mut offenbar entlassen. Anfang November war Kurt Westergaard nur knapp einem Mordanschlag entgangen. Ein aus Somalia stammender Islamist war in sein Haus eingedrungen und hatte ihn mit einer Axt bedroht.

          Die angeblich gutgemeinte Warnung des Autors Abu Talhah Al Amrikee von „RevolutionMuslim.com“ lautet: „Wir müssen Matt und Trey warnen, dass das, was sie machen, dumm ist und sie wahrscheinlich enden werden wie Theo van Gogh.“ Da weiß jeder, was gemeint und was intendiert ist.

          Die Folge von „South Park“, die in den Vereinigten Staaten am Mittwoch lief, kann man sich im Internet auf der „South Park“-Seite ansehen. In ein paar Monaten soll sie in Deutschland im Fernsehen laufen.

          Quelle: FAZ.NET

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