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Jubilare : Das große Loriot-Lexikon

Der Jubilar beim Dreh seiner ARD-Geburtstagsshow Bild: dpa

Vicco von Bülow hat nicht unseren Humor, sondern auch unsere Sprache bereichert. Aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstags am 12. November präsentieren wir ein Lexikon unvergeßlicher Begriffe und Charaktere aus dem Loriot-Universum.

          Vicco von Bülow hat nicht nur einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zum deutschen Humor geleistet, sondern vor allem auch die deutsche Sprache bereichert. Ob er Begriffe selbst kreierte oder, wie er selbst es ausdrückt, in einen „ungehörigen Zusammenhang“ stellte, in welchem sie ihre Wirkung erst richtig und meist in absurder Weise entfalteten: Mit Loriot verbinden wir Wörter und Wendungen, die in unseren Sprachschatz eingegangen und Teil des kulturellen Gedächtnisses geworden sind. An dieser Stelle präsentieren wir an ein Lexikon: eine kleine Zusammenstellung unvergeßlicher Begriffe und Charaktere aus dem wunderbaren Loriot-Universum, das unserer wirklichen Welt in vielerlei Hinsicht zum Verwechseln ähnlich, aber viel lustiger ist.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ach was!?: Typischer Kommentar von Loriot-Figuren, universell einsetzbar. „Wenn jemand bemerkt: 'Ihre Frau ist sympathisch' und der Ehemann sagt: 'Ach was!?, wirkt das verblüffend“, erklärte Loriot im vergangenen Jahr dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“.

          Arosa schlitzverstärkt: Vierhundert Arosa schlitzverstärkt mit kurzem Arm hat die IFAG Mannheim bei der Vereinigten Europa-Trikotagen GmbH Meltzer & CO bestellt. Nachdem er das tagelang vermißte Auftragspapier unterm Schreibtisch entdeckt hat, will Herr Direktor Meltzer von seiner Sekretärin nicht mehr „Karl-Heinz“ genannt werden.

          Berliner Philharmoniker: Sie sind „Botschafter einer Sprache, die überall verstanden wird: Bis hin nach Wilmersdorf, Steglitz, Friedenau, Pankow...“ (aus Loriots Festrede zum 100. Geburtstag des Orchesters).

          Männer und Frauen passen doch zusammen - auf ein Sofa

          Brandenburg: In Brandenburg an der Havel wurde Bernhard Victor (Vicco) Christoph Carl von Bülow am 12. November 1923 geboren.

          Cartoon: Erste Fernsehsendung Loriots, erstmals gesendet am 5. Februar 1967.

          Elberfeld: In Elberfeld gibt es eine erstklassige Kunstgewerbeschule: Basiswissen für die gehobene Konversation beim festlichen Mahl.

          Ente, die: Bleibt draußen (siehe auch: Herren).

          Florida: Die gleichnamige Kalbshaxe wird mit Prinzeßböhnchen serviert. Beides kann von dem Gast im Restaurant leider nicht verspeist werden, da ihm fortwährend „ins Essen gequatscht“ wird.

          Hamann, Evelyn: „Mein Glücksfall“ (Loriot).

          Heinzelmann: Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann. Ist aber beileibe nichts Anstößiges, sondern nur ein Staubsauger, der zugleich Haare trocknet (siehe auch: Schlauchnut; Hoppenstedt).

          Herren: Sind, wenn sie im Hotelbad zu zweit sind, „durchaus in der Lage“, „auch mal ein Wannenbad ohne Wasser zu nehmen“ (siehe auch: Ente).

          Hoppenstedt: Loriots Buddenbrooks. Bestehen aus Walter, dem Ehemann (siehe auch: Kosakenzipfel), Ehefrau Lieselotte (siehe auch: Jodeldiplom), dem Kind Dicki, dessen Geschlecht nicht ganz eindeutig ist (siehe auch: Zipfelchen), und dem Opa, der meist nur Opa, in Wahrheit aber Wilhelm heißt (siehe auch: Lametta).

          H.S.zwo: Die Hochdruckspritze zwo Strich 75, die neue Wunderwaffe der Feuerwehr, arbeitet mit sechs verschiedenen Programmen: Wasserdruck, Temperatur, Enthärter, Spareinstellung, Zielautomatik und Strahlkrümmung. Man kann auch verschiedene Möbelpflegemittel beigeben.

          Humor: Loriot 1992 in der „Zeit“: „Ja, es ist durchaus möglich, daß der Grund für mein humoristisches Empfinden eine mangelnde Bereitschaft zum Leiden ist. Die Frage ist nur, was war zuerst da, der Humor oder das Leiden.“

          Jodeldiplom: Bestes Beispiel dafür, daß „eine Berufsausbildung doch nicht grundsätzlich von Männern gepachtet“ sein muß. Mit einem Jodeldiplom, weiß Frau Hoppenstedt, „da hab ich was in der Hand... und ich habe als Frau das Gefühl, daß ich auf eigenen Füßen stehe... da hab ich was Eigenes... da hab ich mein Jodeldiplom.“ (siehe auch: Hoppenstedt)

          Knollennase: Als Loriot Anfang der fünfziger Jahre erstmals sein charakteristisches Männlein zeichnete, stießen die Cartoons vielfach auf Ablehnung. „Diesen Mann im Cut mit der Knollennase und die Frau im geblümten Kleid gab es ja eigentlich nicht. Es waren für mich Mann und Frau schlechthin. Das wurde zuerst nicht so begriffen“, erklärte Loriot 1993 im „Stern“-Gespräch mit Robert Gernhardt.

          Kosakenzipfel: Dessertspezialität aus einem Mokka-Trüffel-Parfait und einem Zitronencreme-Bällchen. Unteilbar.

          Lametta: War früher mehr (siehe auch: Hoppenstedt).

          Loriot: Französischer Vogel, heißt bei uns „Pirol“ oder „Vogel Bülow“.

          Lottemann, Erwin: Eigentlich Lindemann, Erwin. Mit der Figur des verwirrten Erwin Lindemann gelingt Loriot ein ergreifendes Porträt des modernen Individuums, das sich von seinen Mitmenschen (hier: ein Regisseur) dazu drängen läßt, sich selbst zu verleugnen, und vor lauter Ambitionen (Herrenboutiqe in Wuppertal etc.) die Orientierung verliert - bis es seinen eigenen Namen vergißt.

          Mops: Lieblingstier Loriots und einer von zwei Titelhelden seines autobiographischen Werks „Von Möpsen und Menschen“. Möpse, schreibt Loriot, „sind mit Hunden nicht zu vergleichen. Sie vereinigen die Vorzüge von Kindern, Katzen, Fröschen und Mäusen.“

          Nackt: Der erste unbekleidete weibliche Körper auf deutschen Fernsehschirmen erschien 1969 in Loriots „Cartoon“ (siehe auch: Cartoon).

          Ödipussi: Erster Kinofilm Loriots aus dem Jahr 1988. „Pappa ante portas“ folgte 1991.

          Popularität: Loriots außergewöhnliche Beliebtheit erklärte er 1992 im „Zeit“-Interview so: „Nun, das mag daran liegen, daß man die Liebenswürdigkeit, die ich ausstrahle, versehentlich auf das, was mitgeteilt wird, überträgt.“

          Puff: Es macht Puff, und die Kühe fallen um: Kurzanleitung des Spiels „Wir bauen uns ein Atomkraftwerk“, geeignet für Kinder von 5 bis 10 Jahren (siehe auch: Hoppenstedt).

          Reinhold das Nashorn: Comicfigur, die siebzehn Jahre auf der Kinderseite des „Stern“ zubrachte.

          Salamo Bratfett: Wer die Silben „oh mo ne la Sa mit los fett Brat“ - oder so ähnlich - in die richtige Reihenfolge bringt, kann bei einem Preisausschreiben einen Konzertbesuch gewinnen.

          Schaumolweiß: Das ist noch etwas weißer als weiß und die Lieblingsfarbe von Frau Blöhmann. Herr Blöhmann hingegen demonstriert beim Eheberatungsgespräch Entscheidungsschwäche, einigt sich letztlich aber mit sich selbst auf ein „grünlich-blaues... Rotbraun-Grau“.

          Schlauchnut: In sie muß der Schlauchstecker geschoben werden, aber erst, nachdem er durch die Filterhaube gezogen wurde (siehe auch: Heinzelmann).

          Schlipth: Wurde für Lord Hesketh-Fortescue von Gwyneth Molesworth in Nether Addlethorpe besorgt.

          Schnipp-Schnapp: „Auch ein Spiel für drei Personen“, das Herr Moosbach gerne mit Herrn Striebel und Herrn Vogel spielen möchte. Die bestehen aber auf Skat.

          Schößchen: Ewig ungeklärte Frage der Frauen: Soll es nun das lange Blaue mit den Schößchen sein oder das halblange Grüne mit dem spitzen Ausschnitt? Männer („Ich finde, du siehst toll aus in dem, was du anhast“) sind bei der Lösung dieses Problems grundsätzlich keine Hilfe.

          Spannmuffenfederung: Zeichnet, in Leichtmetall, die Doppelliege „Andante“ aus. Das gleiche Modell gibt es auch mit vernickelten Gelenkmuffen.

          Steinlaus: Syn. Petrophaga lorioti; das kleinste Nagetier unserer Heimat. „Der Appetit einer geschlechtsreifen Steinlaus ist erstaunlich. Etwa 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteine benötigt das Männchen zur täglichen Sättigung... während der Schwangerschaft verzehrt ein Weibchen fast das Doppelte.“ Für weitere Details sei verwiesen auf das Klinische Wörterbuch Pschyrembel, 258. Auflage, 1997.

          Susi: Kaiserin von Ostpreußen („denken Sie doch an die Susi-Filme mit Frau Schneider“)

          Übersichtlich: Diplomatischer Ausdruck der Enttäuschung über bescheidene Portionsgrößen im Gourmetrestaurant: „Das sieht übersichtlich aus.“

          Vogelspinne: Die 77er Oberföhringer Vogelspinne überrascht durch ihre fruchtige Frische und hinterläßt auf der Zunge ein blumiges Gefühl - und kein pelziges, wie Frau Hoppenstedt fälschlicherweise vermutet (siehe auch: Hoppenstedt; Heinzelmann).

          Wagner, Richard: „Ich war etwa Mitte dreißig, als mich der Tristanakkord traf wie ein elektrischer Schlag. Er eröffnete mir eine neue musikalische Welt, die seither zu meinem Leben gehört.“ (Loriot 2002 im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“)

          Wendelin: Elefant und bester Freund von Wum (siehe auch: Wum). Hartnäckige Gerüchte über eine Homosexualität Wendelins wußte Loriot 2002 im Gespräch mit dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ zu zerstreuen: „Ach nein, er sprach nur so nasal, weil er einen Rüssel hatte.“

          Wum: Geboren 1971 als Maskottchen der Aktion Sorgenkind, alsbald Fernsehstar beim „Großen Preis“ an der Seite des Elefanten Wendelin (siehe auch: Wendelin). Ein Hund, wenn auch kein Mops (siehe auch: Mops).

          Zipfelchen: Mit Hilfe dieser Vokabel versucht die Verkäuferin im Spielzeugladen das Geheimnis zu ergründen, ob Opa Hoppenstedts Enkelkind ein Junge oder ein Mädchen ist. Leider vergeblich (siehe auch: Hoppenstedt).

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