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Journalismus Russische Zensur

05.02.2004 ·  Die russischen Behörden verweigern der Korrespondentin einer angesehenen dänischen Tageszeitung ein Visum. Die Journalistin könnte das Opfer eines diplomatischen Konflikts zwischen Moskau und Kopenhagen sein.

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Die russischen Behörden verweigern der Korrespondentin der angesehenen dänischen Tageszeitung "Politiken", Vibeke von Sperling, ohne Angaben von Gründen ein Visum. Der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat die Entscheidung in dieser Woche erstmals als "beunruhigend" öffentlich kritisiert. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" sprach davon, der Schritt komme einer Zensur gleich.

Wie Frau von Sperling der F.A.Z. berichtete, wurde ihr erstmals im vergangenen Jahr ein einfaches Einreisevisum verweigert, als sie an einer von der Europäischen Union veranstalteten Konferenz in St. Petersburg teilnehmen wollte. Als ihre Redaktion sie wieder dauerhaft als Korrespondentin nach Moskau schicken wollte, sei die Erteilung des Visums und der Akkreditierung im Oktober abgelehnt worden. "Man hat mir keine genauen Gründe für die Ablehnung mitgeteilt, aber zu verstehen gegeben, daß es mit meiner Berichterstattung über Tschetschenien zu tun hat", sagt die Journalistin, die schon zu Sowjetzeiten und zuletzt 2001 und 2002 für "Politiken" in Rußland tätig war. Sie habe keinerlei offizielle Auflagen verletzt und in den vergangenen Jahren Tschetschenien nur einmal mit einer vom Kreml organisierten Journalistenreise besucht.

Frau Sperling könnte auch das Opfer eines diplomatischen Konflikts zwischen Moskau und Kopenhagen sein. Die dänische Regierung hatte sich 2002 geweigert, den tschetschenischen Exilpolitiker Achmed Sakajew an Moskau auszuliefern. Sakajew, der mittlerweile in Großbritannien politisches Asyl erhalten hat, war kürzlich auf Einladung von SPD-Bundestagsabgeordneten in Berlin - ein Umstand, der in Moskau deutliche Kritik des Außenministeriums hervorrief. Frau Sperling zweifelt jedoch daran, daß der Fall Sakajew entscheidend für die Verweigerung des Visums sei, da sie zu dieser Zeit nicht in Moskau gearbeitet habe.

Quelle: mwe, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2004, Nr. 31
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