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José María Aznar Gastprofessor im Halbschatten

07.04.2004 ·  Nur drei Monate liegen zwischen dem Regierungschef Aznar, der Seite an Seite mit den Mächtigen der Welt stand, und dem abgewählten Aznar, der an der Georgetown University eine Gastprofessur erhält.

Von Paul Ingendaay
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Am 13. Januar, als in Spanien noch alles anders aussah, wurde der konservative Regierungschef José María Aznar in Washington mit der Goldmedaille der Georgetown University ausgezeichnet. Die Ehrung erging für seine "hervorragenden Jahre im Dienst an seinem Land und für die lange Geschichte von Zusammenarbeit und Freundschaft, welche die Vereinigten Staaten und Spanien verbinden". Doch nur ein kleiner Teil seiner Landsleute hätte dem Präsidenten für seine Treue zu George Bush und die vorbehaltlose Unterstützung des Irak-Krieges den Beifall gespendet, der auf der anderen Seite des Atlantiks aufbrandete. Es war seine absolute Mehrheit, die es ihm erlaubte, Spanien gegen den Willen der Bevölkerung in die Anti-Saddam-Koalition und in eine Außenseiterrolle gegenüber Frankreich und Deutschland zu zwingen. Zwei Monate später, nach den Bombenanschlägen des 11. März, jagten die Spanier Aznars Volkspartei von den Regierungsbänken.

Die dramatischen Tage zwischen den Attentaten und der Parlamentswahl haben aus dem gelassenen, bisweilen hochmütigen Gewohnheitssieger Aznar, der sich in Ruhe von seinen acht Jahren an der Macht zu verabschieden gedachte, eine Figur im Halbschatten gemacht. Die Geschichtsbücher werden nicht umhinkönnen, in seinem Scheitern auf der Ziellinie auch ein spätes Urteil über seine persönliche Kälte und die systematische Düpierung des politischen Gegners zu sehen. In einem Moment, da sich seine eigene Partei noch nicht wiedergefunden und noch viel weniger ihren scheidenden Chef zur Rechenschaft gezogen hat, ereilt den noch amtierenden Ministerpräsidenten nun der Ruf an die Georgetown University. Als Associate Professor an der "Edmund A. Walsh School of Foreign Service" wird Aznar im kommenden Studienjahr an vier Seminaren von je einer Woche Dauer teilnehmen. Geplant sind öffentliche Debatten "über Probleme der heutigen Welt", mit einiger Gewißheit auch über Themen wie internationaler Terrorismus und äußere Sicherheit. Über das Honorar bewahren der Moncloa-Palast und die bedeutendste Jesuiten-Universität der Welt Stillschweigen.

Vorlesungen auf Spanisch

Die Georgetown University pflegt zur hispanischen Welt eine enge Beziehung. Hier erwarb Kronprinz Felipe nach zweijährigem Studium 1995 seinen Master-Titel, und am Spanischen Seminar unterrichtete auch schon der Schriftsteller Mario Vargas Llosa. Zu den ausgesprochenen Vorzügen des künftigen Gastprofessors José María Aznar zählt, daß er schnell und konzentriert sprechen kann. Daß er seine Beiträge auf spanisch leisten darf, wird man allerdings zu den Bedingungen seiner Mitarbeit rechnen müssen. Wie so viele seiner Landsleute, darunter auch sein sozialistischer Amtsnachfolger José Luis Rodríguez Zapatero, steht der 1953 geborene Aznar mit fremden Sprachen auf Kriegsfuß. Schon seit längerem heißt es zwar, sein Englisch mache Fortschritte, aber selbst die häufigen Treffen mit Bush und Blair haben dem Publikum kein klares Bild seiner Lernerfolge vermittelt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2004, Nr. 84 / Seite 48
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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent für Spanien und Portugal mit Sitz in Madrid.

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