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Johannes Heesters Beerdigung Nehmen Sie Rücksicht, meine Herrschaften

Himmlischer Frieden: Dieses Zentralwort aller Christen hatte bei der Beisetzung des Jahrhundertkünstlers Johannes Heesters einen besonderen Klang.

© REUTERS Fast zerbrechlich wirkt der weiße Sarg in der neobyzantinischen Trauerhalle des Münchner Nordfriedhofs. Auf dem Terrazzoboden leuchten weiße Rosenblätter.

Gedränge, Mikrofone, Kameras. Der Schauspieler Thomas Fritsch, eine weiße Rose in der Hand, muss zehn Minuten Rede und Antwort stehen, ehe er in die Trauerhalle gelangt. Ein Pianist, der Johannes Heesters' letzte Auftritte begleitete, wird von einem Journalisten erkannt. Der junge Mann antwortet abwehrend, wird verlegen, sobald man mehr von ihm hören will als das ehrliche Lob für Heesters und sein Können, das jede Altersschwäche nichtig erscheinen ließ.

Dieter Bartetzko † Folgen:

Als die Schauspielerin Nicole Heesters vorfährt, die Tochter des Verstorbenen, schön, gefasst und unnahbar, ebbt das Gedränge ab. Der Respekt, den ihre würdevolle Haltung erzwingt, beherrscht von nun an die Zeremonie. Es gibt kein lautes Rufen mehr, kein Hetzen und Rangeln.

Der Privatsphäre des Toten zu nahe

Vor dem Eintreffen der Trauergäste, rund zweihundert Personen, hat man die Trauerhalle kurz für die Presse geöffnet: ein neobyzantinischer oktogonaler Raum, pompös verstaubt, mit marmornen Kolossalsäulen und riesiger Kuppel, unter der grimmige Engelsstatuen beten. Winzig, fast zerbrechlich wirkt so der weiße Sarg auf dem mit schwarzem Samt verhüllten Katafalk. Auf ihm und ringsum sind üppig weiße Blumen arrangiert, auf dem Terrazzoboden leuchten weiße Rosenblätter. Man assoziiert den Johannes Heesters der letzten Jahrzehnte, seine weißen Haare, die weißen Anzüge, in denen ihn seine Frau Simone Rethel oft fotografierte. Eine ihrer Fotografien steht neben dem Sarg auf einer Staffelei. Sie zeigt nicht das Gesicht, sondern die Hände, übersät von Altersflecken, schmalgliedrig, entspannt. Man fühlt sich plötzlich, als komme man der Privatsphäre des Toten zu nahe.

Die Trauerfeier findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Draußen wächst die Menschenmenge. Sie ist nicht so groß, wie man es bei der Beerdigung des letzten großen Künstlers einer Epoche erwartet hätte. Doch jene, die kommen, scheinen ehrliche ergriffene Bewunderer, keine Schaulustigen. Selbst die Sonderlinge verhalten sich erstaunlich ruhig. Ein weißgekleideter alter Mann mit einer Kippa, der jüdischen Gebetskappe, zum Beispiel. Er trägt ein Transparent, das Johannes Heesters den hebräischen Friedensgruß "Shalom" entbietet. Ein anderer, in bayerischem Trachtenanzug, hält eines, auf dem der Künstler als Deutschlands "Letzter Kavalier" gefeiert wird.

© reuters Trauerfeier in München: Johannes Heesters beigesetzt

München ist grau an diesem Freitag, fahl und feuchtkalt. Ab und dann weht ein heftiger eisiger Wind, gelegentlich fegt er Schnee, hart wie Hagel, durch die Wartenden. Man hat sich zum Spalier formiert, das von der monumentalen Trauerhalle bis zum Grab reicht. Heesters' Grabstätte ist eine von zweien, die in spiegelbildlicher Symmetrie zwei Ecken eines weiten quadratischen Platzes besetzen. Beide sind von einer etwa mannshohen alten Rundmauer eingefasst. Die um das Grab von Johannes Heesters zeigt frisch gemeißelte, sandsteinerne Deckplatten und Eckpfosten. Die gegenüber ist dicht bemoost und verwittert, die Schriftzüge auf der rotgeäderten marmornen Grabplatte sind unleserlich, nur ein Wappen ist noch erkennbar.

"Haben Sie bitte Respekt, Herrschaften. Treten Sie zurück". Die im weichen Münchner Zungenschlag halblaut gerufene Mahnung eines Friedhofwärters ist unnötig: Als das Portal der Trauerhalle sich für den Trauerzug auftut, öffnet sich sofort eine breite Gasse. Zuerst hört man nur die Totenglocke, dann setzt eine Bläsergruppe ein: Getragenes Choralartiges geht über in "Sag beim Abschied leise Servus". Kitsch? Wenn Johannes Heesters das Lied sang, war da nur zeitlose Wehmut.

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Das letzte Wort hat der Geistliche. Er verheißt, gemäß katholischem Ritus, dem gläubigen Katholiken Johannes Heesters "Den Frieden, den die Welt nicht geben kann". So kommt zur Ruhe, was dem Künstler, der als einer der letzten Lebenden das zwanzigste Jahrhundert und dessen Widersprüche verkörperte, bis in die letzten Monate seiner 108 Jahre folgte. Die Menge zerstreut sich, das Ereignis blieb bis zuletzt sonderbar irreal. Ein Zeitalter ist zu Ende.

Quelle: F.A.Z.

 
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