25.07.2004 · Seit wann erwartet man von einem Dokumentarfilmer, daß er einem die Welt erklärt wie sie ist? Ist es nicht legitim, daß Michael Moore schaut, daß George W. Bush, der sein Präsident ist, dabei möglichst schlecht aussieht?
Ach Gott ja, Michael Moore ist also nicht immer ganz objektiv. Und das Fernsehen war auch schon mal besser, vom Wetter ganz zu schweigen. Seit wann erwartet man eigentlich von einem Dokumentarfilmer, daß er einem die Welt erklärt, und zwar so, wie sie ist? Ist nicht jede Sicht auf Dinge eben eine Sicht auf Dinge, und zwar die Sicht von dem, der schaut? Und ist es nicht legitim, daß Michael Moore halt so schaut, daß George W. Bush, der sein Präsident ist, dabei möglichst schlecht aussieht? Extrem subjektiv. Entschieden einseitig. Es macht auf jeden Fall Spaß, dabei zuzugucken.
Da gibt es zum Beispiel die Szene, (jeder kennt sie, aber nicht in dieser Länge), in der dem Präsidenten die Nachricht überbracht wird, daß eben ein Flugzeug ins World Trade Center gekracht sei. Er sitzt da gerade bei einer Veranstaltung mit Kindern auf einer Bühne. Und wir sehen ihn vor sich hingucken. Und er guckt. Und guckt. Und dann nimmt er ein Bilderbuch zur Hand und blättert darin? Vertieft sich in dieses Buch, als ob es nichts Wichtigeres gäbe. Ob in diesem Moment irgend etwas vorgeht in George W. Bush? Wenn ja, was? Sieben Minuten lang, sieben mal sechzig Sekunden, dölmert der Mann, der irgendwie Präsident von Amerika wurde, vor sich hin. Dann wird er von der Bühne geholt.
Bei Moore zeigt sich das Politische, wie es eben ist (egal, wie man auch darauf schauen mag): privat. Die Bush-Szenen sind lustig, Moores Argumentationen sind schlüssig, man erfährt allerhand Unfaßbares über die amerikanische Außenpolitik. Nur: Letztlich richtet sich dieser Film nicht an uns, ach, so auf- und abgeklärtes deutsches oder europäisches Publikum. Sondern an Menschen, die in den Vereinigten Staaten wahlberechtigt sind. Wir also können den Film hier nur als Unterhaltung verstehen, und da taugt er in der ersten Hälfte viel, in der zweiten ist er eher etwas langweilig. Sagen wir so: Wer "Shrek 2" mochte, dem wird auch "Fahrenheit 9/11" gefallen.