Home
http://www.faz.net/-gqz-o7dx
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Jesus-Film Wie es ist

18.12.2003 ·  Vor knapp zwei Wochen hat der Papst Mel Gibson's Jesus-Film gesehen. Seine Unfehlbarkeit gilt zwar nicht für die Filmkritik, aber mit seiner Reaktion hat er es dem unautorisierten Gerede ein wenig schwerer gemacht.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Papst kann sich zu bestimmten Dingen autoritativ, kraft seines Amtes äußern. Seine Unfehlbarkeit gilt in einem streng definierten Bereich: Dort, wo er sich ex cathedra zu Glaubens- und Sittenfragen äußert, spricht er für die Kirche, die als Ganze nicht irren kann. Aber es gibt Sätze, die unabhängig von der Amtsautorität durch eine höhere Klarheit wirken. Sie sind lakonisch, oder, wie man auch sagt: lapidar. Das Wort kommt von lapis, der Stein: Sätze, die man sich in Stein gehauen vorstellen kann, sind es, die man lapidar nennt. Und mit einem solchen Satz aus gerade einmal fünf Worten hat Johannes Paul II. nun auf eine Debatte reagiert, die seit Monaten die Öffentlichkeit beschäftigt.

Mel Gibsons Film "The Passion of the Christ", der am Aschermittwoch 2004 in die Kinos kommen wird, zeigt die Leidensgeschichte Christi. Kaum war der Sachverhalt bekanntgeworden, da begann eine unschöne Kampagne gegen den Film. Auf der Grundlage unautorisierter Drehbuchversionen und ungeschnittener Fassungen, die man sich, wer weiß wie, beschafft hatte, diskutierte man über Gibsons vermeintlichen Antisemitismus und über den traditionalistischen Zweig des Katholizismus, dem der Schauspieler und Regisseur anhängt. Unter den Warnern vor der Gefahr, die da von der Leinwand zu drohen schien, gab es auch manche katholischen Theologen, die sich bei näherem Hinsehen allerdings als ein links-feministischer Klüngel erwiesen.

Die Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten, unter deren Briefkopf das Verdikt über den Film ergangen war, mußte sich von der Theologenkommission distanzieren, die ohne Autorität gesprochen hatte. Vor knapp zwei Wochen nun hat Johannes Paul II. den Film gesehen. Vorgestern berichtete das "Wall Street Journal" über die Reaktion des Papstes, die aus einem einzigen Satz bestanden haben soll: "It is as it was." Was zunächst einmal besagen mag: So, wie es gezeigt wird, war es. Das ist kein unfehlbarer Satz, er nimmt die Filmkritik nicht vorweg. Aber der Papst, der wie kein anderer die Aussöhnung mit den Juden zu seiner Sache erklärte, hat es dem unautorisierten Gerede ein wenig schwerer gemacht.

Quelle: L.J., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2003, Nr. 295 / Seite 33
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr