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Jerry Lewis Sagt ihnen, ihr habt mit mir gesprochen

10.02.2005 ·  Und eure Freunde werden sagen: Na und? Hollywoods Komikerlegende Jerry Lewis spricht über seinen ersten Lacher, die Filmstarts von heute und die Liebe seines Lebens: Dean Martin.

Von Andreas Kilb
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Er trägt ein gelbes Hemd mit einem dunkelblauen Zweireiher darüber. Über seiner Brusttasche hängt, aus der Entfernung kaum noch zu sehen, das rote Band des Ordens der Französischen Ehrenlegion. Er ist achtundsiebzig und sieht wie achtundsechzig aus.

Als er gefragt wird, wann er zum ersten Mal aufgetreten sei, antwortet er mit einer Geschichte. „Es war im Wohnzimmer meiner Eltern. Ich war fünf Jahre alt, und mit fünf kannst du nicht verlieren, wenn du einen Frack anhast. Ich sang einen Song, den mein Vater mir beigebracht hatte. Es war die Zeit der Depression, und der Song hieß ,Brothers, can you spare me a dime'. Ich rutschte aus und fiel hin, und im Fallen bekam ich meinen ersten Lacher. Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört, hinzufallen.“

Er könne unausstehlich sein, heißt es

Es gibt nicht viele Momente im Leben, die man sich, nachdem man sie erlebt hat, gerne noch einmal in Zeitlupe vorspielen würde. Die Begegnung mit Jerry Lewis in der Villa der American Academy am Wannsee gehört dazu. Er könne auch unausstehlich sein, hatte es geheißen, aber an diesem Februarvormittag ist er geradezu hinreißend aufgeräumt. Als ihm Gary Smith, der Direktor der Academy, die Goldene Kamera hinhält, die Lewis am Vorabend bekommen hat, sagt er: „Du mußt sie reiben, Gary, dann wird sie größer!“

Die Fragen seines Gegenübers Eckhard Schmidt, der eine Jerry-Lewis-Dokumentation gedreht hat, wischt er mit einer Handbewegung weg. Schmidt: Was es bedeute, ein „totaler Filmemacher“ zu sein? Lewis: „Es bedeutet, nicht zu schlafen, weil man an die nächste Szene denkt.“ Und Hollywood? „Was sie heute damit machen, ist eine Schande . . . es hat kein Herz mehr, weil es zu sehr damit beschäftigt ist, sich zu digitalisieren.“

Die Liebe seines Lebens

Erst als Schmidt nach Dean Martin fragt, von dem sich Lewis 1957 nach zehn gemeinsamen Jahren als Komikerduo trennte, zerbricht die Maske der Abgeklärtheit. „Er hatte einen Sinn für Timing, der tief in seinen Knochen steckte . . . Er wußte nicht einmal, wie gut er wirklich war. Als wir uns getrennt hatten, wollte ich unbedingt, daß er Erfolg hatte. Er war die Liebe meines Lebens.“ Jerry Lewis' Erinnerungen, die im Herbst erscheinen sollen, tragen den Titel „Dean and Me - A Love Story“.

Wenn man einer Legende begegnet, hat man nur selten die richtigen Fragen parat. Endlich entschließt sich jemand aus dem Publikum, Lewis nach dem Schicksal seines Films „The Day the Clown Cried“ von 1972 zu fragen. Die Antwort ist kurz: „Darüber rede ich nicht.“ Der Film, in dem Lewis einen deutschen Clown spielt, der mit jüdischen Kindern zusammen nach Auschwitz deportiert wird, wurde nie fertiggestellt und verliehen.

Er schätzt Crystal und Carrey

Eine Zuhörerin fragt, wen Lewis im heutigen Kino schätze. Es sind, wie zu erwarten, Robin Williams („Er wird in seinem Leben wohl noch an allen vorbeiziehen, die vor ihm da waren“), Jim Carrey („der beste visuelle Komödiant“), Steve Martin und Billy Crystal. Eine Frau will wissen, ob Lewis wie sein Idol Charlie Chaplin irgendwann einen großen politischen Film dreht. Antwort: „Ich muß nicht mehr Politiker werden, weil ich schon Komiker bin.“

Wenn man einer Legende begegnet, verrinnt die Zeit schneller als sonst. Auf einmal ist der Vormittag vorbei, ohne daß die wichtigsten Dinge geklärt wären: über das Kino, die Bühne, das Leben, den Tod. Der Mann im blauen Zweireiher steht auf. „Jetzt könnt ihr nach Hause gehen und euren Freunden erzählen, ihr habt mit Jerry Lewis gesprochen. Und sie werden sagen: ,Na und?'“

Quelle: F.A.Z., 11.02.2005, Nr. 35 / Seite 37
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Jahrgang 1961, Feuilletonkorrespondent in Berlin.

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