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Jazz Jazz-Klarinettist Artie Shaw gestorben

In den 30er und 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts galt er als größter Jazz-Musiker seiner Zeit. 1954, im Alter von 44, legte Artie Shaw seine Klarinette nieder und faßte sie nie wieder an.

© AP Artie Shaw 1941

Der amerikanische Jazzmusiker Artie Shaw ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Der neben Benny Goodmann bedeutendste Jazz-Klarinettist und Bandleader des Swing starb am Donnerstag nach längerer Krankheit in Kalifornien, berichtete die „New York Times“. Seine Fans verehrten ihn als „King of Swing“, ein Titel, den ihm bereits 1938 die Fachzeitschrift „Downbeat Magazine“ verliehen hatte.

Shaws Version von „Begin the Beguine“ gehört zu den meistgespielten Jazzaufnahmen. Zu seinen besten Stücken zählen auch „Dancing in the Dark“, „Traffic Jam“, „Moonglow“ und „Stardust“. Bereits 1954 zog sich Shaw, der das Rampenlicht nie gemocht hatte, aus dem öffentlichen Musikleben zurück - da war er 44 Jahre alt. 2004 erhielt er den Lifetime Achievement Grammy Award für sein Lebenswerk.

„Ich habe gespielt, er hat geswingt“

Sein nuanciertes Spiel hatte ihm den Ruf eines der größten Jazzmusiker seiner Zeit eingebracht. In den 1930er und 1940er Jahren wurde er in einem Atemzug mit Glenn Miller und Benny Goodman genannt. „Der Unterschied zwischen Benny und mir ist, daß ich versucht habe, eine Musik zu spielen, und Benny aufs Swingen bedacht war“, sagte Shaw einmal. „Benny war unheimlich geschickt mit seinen Fingern (...), aber wenn man unser beider Versionen von 'Star Dust' hört, gibt es nur einen Schluß: Ich habe gespielt, er hat geswingt“.

Acht Mal war Shaw verheiratet, zu seinen Frauen gehörten die Hollywoodstars Lana Turner und Ava Gardner. „Die Leute reden dauernd über diese Ehen“, sagte er im Alter: „Dabei sind die Frauen, die ich geliebt und nicht geheiratet habe, viel zahlreicher als die, die ich geheiratet habe.“ Über seine Abneigung gegen öffentliche Auftritte meinte er, „auch Glenn Gould und Puccini haßten es, vor Publikum zu spielen“. 1954, nach einem Auftritt im New Yorker Embers Club, legte er die Klarinette weg und faßte sie nie wieder an. „Es war, als ob man einen brandigen Arm abschneidet - schlimm, aber besser, weil man noch einen Arm und ein Leben hat.“

Mit 44 nach 30 Jahren Musikerdasein in den Ruhestand gewechselt

Der Musiker, der immer als „der Intellektuelle unter den Big-Band- Maestros“ gegolten hatte, fing an zu schreiben. Zu seinen Publikationen gehören die Autobiografie „The Trouble with Cinderella“ und einige Bände mit Kurzgeschichten.

Als Shaw mit 44 Jahren in den „Ruhestand“ wechselte, war er schon 30 Jahre lang Berufsmusiker gewesen, hatte neun von ihm aufgebaute Orchester geleitet, unglaublich viel Geld verdient und es verjubelt - „ich wollte leben, wie noch kein König gelebt hatte“, sagte er. Er versuchte immer wieder, neue Wege in seiner Musik zu gehen, und scheiterte weitgehend damit. „Alles, was sie hören wollten, war, Begin the Beguine'“, sagte er noch Jahrzehnte später erbittert.

Für den Sohn armer Eltern aus der Lower East Side in New York („ich war so eine seltsame Kreatur, die man, Jude' nannte“) war der Aufstieg eigentlich unvorstellbar. Aufgewachsen in New Haven, Connecticut, begann er als Klarinettist und Saxophonist in der örtlichen High School Band. 1936 machte er Aufnahmen mit Billie Holiday und Bunny Berigan. Seine 1937 gegründete Big Band wurde eines der erfolgreichsten Orchester der Swing Ära. Im Zweiten Weltkrieg spielte er mit seiner Army-Band in vielen Fronttheatern. Deshalb wurde er vor dem „Komitee für unamerikanische Aktivitäten“ als Patriot gelobt und konnte sich unbehelligt der linken Szene in Amerika zuwenden. Er war stolz darauf, daß einige der bedeutendsten Schriftsteller Amerikas seine Freunde wurden.

Quelle: dpa

 
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