http://www.faz.net/-gqz-2ywl
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2002, 15:00 Uhr

Japan & Lektüre Tradition im Umbruch

Das Thema der Bücherschau von FAZ.NET ist Japan: Fern von Kirschblütenromatik über den Wandel fernöstlicher Kultur.

© dpa Im Goldenen Pavillon in Kyoto möchte man ein Tässchen grünen Tee trinken

Japan ist die zweitgrößte Industrienation der Welt und erlebt einen Umbruch, der nicht nur den politischen und wirtschaftlichen, sondern auch den sozial-kulturellen Bereich umfasst. Das japanisches Schriftzeichen für Krise bedeutet gleichzeitig Chance.

Politik

Mehr zum Thema

Uwe Schmitt liefert mit dem Titel "Sonnenbeben" ein Psychogramm Japans. Das Buch bündelt 50 Artikel des erfahrenen Journalisten, der sieben Jahre in Tokio gelebt hat. Zu lesen sind die Gründe für die Asien-Krise, wie korrupt Politiker sind, was beim Giftgas-Anschlag der Aum-Sekte passierte und wie sich das nationale Selbstvertrauen von Erwähltheitsfantasien in Selbstzweifel wandelte. Er erhielt für das Buch 1998 den Theodor-Wolff-Preis.

In den vom Institut für Asienkunde in Hamburg herausgegebenen Japan-Jahrbüchern werden die aktuellsten wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen analysiert. 415 Seiten geballte Information: Neben Themen wie Politikverdrossenheit, Tendenzen in der Außenpolitik, reformatorischen Bemühungen, dem Stand der Forschung finden sich auch besondere Betrachtungen wie die Darstellung der Vergangenheit im Film im Vergleich mit Deutschland. Die FAZ-Rezension informiert zwar über die Ausgabe 1998, aber das Jahrbuch ist auch dieses Jahr erschienen. Es kostet 48 Mark.

Literatur

Die Japanolgin Irmela Hijiya-Kirschnereit ermöglicht mit dem Handbuch "Japanische Gegenwartsliteratur" einen Überblick über die moderne Literaturlandschaft Japans. Zehn ausführliche Porträts stellt sie die wichtigsten Schriftsteller vor. Eine schöne Ergänzung bietet der Anhang mit Literaturangaben und Quellen im Internet.

Kultur

Eine Ahnung von der Kultur des alten Japan vermittelt anschaulich das Buch "Daisen-in - ein Zen-Tempel des sechzehnten Jahrhunderts in Kyoto". Der Autor hat sich mit dem Buch einen Wunsch erfüllt: er hatte sich beim Besuch des Tempels vor vielen Jahren vorgenommen, dieses fast fünfhundert Jahre alte Gesamtkunstwerk aus Sinn, Wesen und Komposition zu begreifen. Mit Enthusiasmus und Präzision und vielen Fotografien lässt er ein Bild entstehen, dass der Leser am Ende der Lektüre am liebsten mit eigenen Augen sehen möchte.

Japans Nationalhymne entstammt ursprünglich dem Kurtisanenrepertoire. Die schönen Töchter Nippons nahmen sich nämlich erst in späteren Jahrhunderten der erotischen Kunst an. Zuvor galten Kurtisanen als Künstlerinnen der Dicht- und Sangeskunst. Wie die kulturgeschichtliche Entwicklung aus der Kunst die Gunst machte, schildert das Buch "Japans Kurtisanen" von Michael Stein. Die vergnügliche Lektüre umfasst zwölf Jahrhunderte.

Quelle: @kaju

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Video-Filmkritik Warten auf ein interstellares Einschreiben

Nach der großen Katastrophe kommt immer noch die Post: Sion Sonos Film The Whispering Star erweitert das All, damit wir die Welt besser sehen. Mehr Von Bert Rebhandl

25.05.2016, 18:12 Uhr | Feuilleton
Japan Feuerwehr räumt Maschine der Korean Air in Tokio

Eigentlich hätte das Flugzeug am Freitag mit 319 Passagieren in Richtung Seoul abheben sollen. Doch dann quoll Rauch aus dem linken Triebwerk der Boeing. Mehr

27.05.2016, 12:26 Uhr | Gesellschaft
Finanzunternehmen in der Krise Japans Großbanken vor schweren Zeiten

Der Negativzins drückt auf die Aussichten von Japans Großbanken. Ein Gewinnrückgang ist zu erwarten.Die Bank von Japan will Anleger mit negativen Zinsen zum Risiko ermutigen. Aber geht das gut? Mehr Von Patrick Welter, Tokio

17.05.2016, 08:26 Uhr | Finanzen
Japan Drohnen-Ballett am Mt. Fuji

Vor dem rund 3770 Meter hohen Vulkan Fuji südwestlich von Tokio wurde kürzlich ein sogenannte Drohnen-Ballett aufgeführt. Dabei malten zwanzig Drohnen beeindruckende Lichtkunst an den japanischen Nachthimmel. Bei der Performance wurde dazu live Musik auf traditionellen japanischen Instrumenten gespielt. Mehr

12.05.2016, 14:46 Uhr | Gesellschaft
Osteuropäische Identität Die Eingeklemmten

In der Bredouille zwischen Putin und Conchita Wurst: Ein bulgarischer Philosoph und ein österreichischer Historiker erklären, warum viele Osteuropäer dem Westen nicht mehr nacheifern wollen. Mehr Von Michael Martens

25.05.2016, 14:19 Uhr | Feuilleton
Glosse

Wir haben ein Grundrecht auf Hiphop

Von Jan Wiele

Das Verfassungsgericht erlaubt das Sampling in Popsongs. Was für ein Sieg für den Hiphop, die Kunst des kopierten Bum-Tschak! Möge das große Sampeln beginnen. Mehr 2

Abonnieren Sie den Newsletter „Literatur“