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James Last zum Achzigsten : Heraus aus dem Schmollwinkel

  • -Aktualisiert am

Der Finger zeigt nach vorn: James Last geht auf die 80 zu Bild: picture-alliance/ dpa

80 Jahre und 80 Millionen verkaufte Alben: James Last arrangiert und produziert seit Jahrzehnten, was ihm erfolgsverdächtig vor den Taktstock kommt. Heute feiert der Vater des „Happy Sound“ seinen achzigsten Geburtstag und geht immer noch auf Tournee.

          Der Bandleader James Last und sein „Happy Sound“ sind feste Begriffe im deutschen Allgemeinwissen. Offiziell belächelte allerdings. Denn als Massenphänomen der Unterhaltung stehen sie, ähnlich wie Gotthilf Fischer und seine Mammutchöre, für belanglosen musikalischen Zeitvertreib, irgendwo zwischen Supermarktberieselung, Kaffeefahrt und Riesenkonzerten in Messe- und Mehrzweckhallen. Wie aber gelingt es James Last bei so viel Leichtgewicht, seit nunmehr vierzig Jahren Millionen von Alben zu verkaufen und in aller Welt die angesehensten Konzerthallen zu füllen?

          1975 zum Beispiel, nach dem Ende einer von Deutschland über Japan und Australien bis Kanada ausverkauften Welttournee, gastierte er in Los Angeles und nahm dort ein Album mit dem Titel „Well kept secret“ auf. Trotz blitzender Jazz- und Funk-Arrangements damals kaum beachtet, ist es kürzlich mit Riesenerfolg wiederveröffentlicht worden. Obwohl er also einen Flop ertragen musste, hatte James Last 1975 das richtige Gespür: Deutsche Stars eroberten damals nach mehr als zwanzig Jahren Kollektivschuldkomplex und Schmollwinkel das internationale Parkett zurück. Romy Schneider faszinierte Frankreich; die Valente verzeichnete triumphale Comebacks in England, Italien und Amerika; Udo Jürgens füllte Riesenhallen in Japan und Kanada; Günter Netzer begeisterte Spanien - und James Last, der ihm zu jener Zeit verblüffend ähnlich sah, war mit seinem Orchester in der ganzen Welt zu Hause.

          Glückliche Musik

          Der Grundstock für diese Rundum-Erfolge war ein grundsolider: 1945, wenige Monate nach Kriegsende, arbeitete der an der Heeresmusikschule Bückeburg ausgebildete Sechzehnjährige als Bassist einer amerikanischen Armee-Band, dann im ersten Tanzorchester von Radio Bremen. Seine große Begabung als Jazzmusiker führte ihn 1953 - wie auch Paul Kuhn und Max Greger - zu den legendären „German All Stars“ der Frankfurter Jazzfestivals. Als Solist, dann Leiter diverser Orchester stieg er, immer noch Hans Last, zum gesuchten Arrangeur der wichtigsten deutschen Schlagerstars auf - Freddy Quinn, Peter Alexander, Fred Bertelmann, Lale Andersen, Margot Eskens und Caterina Valente.

          „Easy Listening” in den Siebzigern

          „Happy Sound“ also, noch ehe es dieses sein Markenzeichen gab? Nicht nur: Parallel dazu war er, widerwillig, aber doch, musikalischer Leiter einer Neueinspielung der „Dreigroschenoper“ mit Hannes Messemer, Helmut Qualtinger, Martin Held, Karin Baal, Hanne Wieder und Franz Josef Degenhardt als Moritatensänger. Das Album erhielt 1969 den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Gleiche Qualität wiesen seine „Songs für Mündige“ auf, frivole Chansons von einst, die Hanne Wieder, Inge Meysel, Gustav Knuth und Ernst Stankovski aktualisierten. Die Rolle des verkannten musikalischen Genies aber lag Last nicht: Er arrangierte und produzierte, was ihm erfolgsverdächtig vor den Taktstock kam - Klassik und Schunkellieder, Edelschnulzen und Bossa Nova, Hair, Abba, die Beatles und die Don Kosaken. 1965 wurde der „Happy Sound“ geboren - und aus Hans ein James. Den Rest kennt die Welt: „Non stop dancing“, Last auf allen Wellen, was ihm 80 Millionen verkaufte Alben einbrachte. Nun, zu seinem achtzigsten Geburtstag, ist er wieder auf großer Tournee.

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