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James Joyce' „Ulysses“ : Bloomsday weltweit: Was am 16. Juni 1904 geschah

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Ausgebrannt: der Ausflugsdampfer „General Slocum” Bild: AP

Eine Schiffskatastrophe in New York, der Fund eines blutigen Messers in Berlin, ein Wirbelsturm über Kuba: Hintergründe über das Weltgeschehen vom 16. Juni 1904, das James Joyce in seinem „Ulysses“ verarbeitete.

          Eine Schiffskatastrophe in New York, der Fund eines blutigen Messers in Berlin, ein Wirbelsturm über Kuba: Hintergründe über das Weltgeschehen vom 16. Juni 1904, das James Joyce in seinem „Ulysses“ verarbeitete.

          Tanger: Etwa 400 marokkanische Soldaten aus Casablanca sind in Tanger gelandet, um die hiesigen Europäer zu schützen.

          Seit der Entführung des Amerikaners Ion Perdicaris durch den Banditen Mulai Ahmed er Raisuli aus seiner Villa bei Tanger am 18. Mai sieht sich der Sultan starkem Druck ausgesetzt, die Sicherheit für die in Marokko lebenden Ausländer zu gewährleisten. Allgemein wird aber befürchtet, daß die Ankunft der als besonders brutal bekannten Truppen für die Verhandlungen mit Raisuli über Perdicaris' Freilassung einen Rückschlag bedeuten und sogar das Leben der Geisel gefährden könnte. So haben die Vertreter Großbritanniens und der Vereinigten Staaten bereits gegen diese Maßnahme des Sultans protestiert.

          Die amerikanische Regierung hatte erst kürzlich ihrerseits den Konflikt verschärft, als sie Kanonenboote über den Atlantik geschickt und vom Sultan entweder die Freilassung Perdicaris' oder den Tod des Entführers gefordert hatte. Riasuli verlangt 70.000 Dollar in Gold und die Anerkennung seiner Herrschaft über zwei Bezirke in der Umgebung von Tanger.

          Helsinki: Nikolai Bobrikow ist tot.

          Der russische Generalgouverneur von Finnland erlag am Abend den Folgen eines Revolverattentats. Sein Mörder, der finnische Beamte Eugen Schaumann, richtete sich unmittelbar nach der Tat selbst. Er hinterläßt einen Abschiedsbrief, in dem er Bobrikow beschuldigt, die Herrschaft einer kleinen russischen Clique in Finnland zu befördern und die verfassungsgemäßen Rechte der einheimischen Bevölkerung zu unterdrücken. Der Brief ist an Zar Nikolaus II. gerichtet, den Schaumann dazu aufruft, sich ein "wahres Bild" der Zustände im Großfürstentum zu verschaffen. Außerdem beteuert der Mörder in dem Schreiben, daß er nicht Teil einer Verschwörung, sondern Einzeltäter sei.

          Der vierundsechzigjährige Bobrikow hatte in Finnland zahlreiche Gesetze außer Kraft gesetzt, die Pressefreiheit weiter eingeschränkt und sein Regime auf eine hohe Zahl von Geheimpolizisten gestützt. Den Unwillen vieler Finnen erregte er mit seinem Befehl, finnische Soldaten im russisch-japanischen Krieg einzusetzen. Über Eugen Schaumann heißt es, er habe immer einen Revolver bei sich getragen, seit der Gouverneur mit Kosaken gegen Demonstranten vorgegangen sei.

          Über Bobrikows Nachfolger ist noch nichts bekannt. Beobachter vermuten, daß sich der Zar für Generalleutnant von Wahl entscheiden werde. Der jetzige Gehilfe des Innenministers war zuvor Gouverneur von Wilna und dort für seine Grausamkeit berüchtigt. Auch auf ihn wurde vor zwei Jahren ein Attentat verübt, das er aber ohne größere Verletzungen überstand.

          New York: Nach der gestrigen Schiffskatastrophe, bei der wahrscheinlich über tausend Menschen ums Leben kamen, trägt die Hafenstadt heute Trauer.

          Der Raddampfer "General Slocum" war beim jährlichen Ausflug der Sankt-Markus-Gemeinde auf dem East River in Brand geraten und völlig zerstört worden. Inzwischen warten die Angehörigen vor den Sammelstellen und den Behelfsleichenhallen auf Nachrichten über die Opfer, beten gemeinsam und singen Kirchenlieder. Da der Dampfer überwiegend Frauen und Kinder an Bord genommen hatte, haben viele Männer im Viertel mit einem Schlag ihre gesamte Familie verloren.

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