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James Cameron zum Sechzigsten : Ein Mach- und sieben Meisterwerke

James Cameron behält bei seinen Filmen gern alles selbst in der Hand, so auch hier 2009 auf dem Set zu „Avatar“. Bild: IMAGO

Niemand sonst verwandelt Pathos so bezwingend in Bilder: Mit nur acht Spielfilmen ist James Cameron der Größte im heutigen Hollywood geworden. Zum sechzigsten Geburtstag des Filmregisseurs.

          Heute wird der erfolgreichste aller Kinoregisseure sechzig Jahre alt: James Cameron. Acht Spielfilme hat er nur gedreht. Bis auf sein Debüt „Piranha 2 – Fliegende Killer“ aus dem Jahr 1981, dem man die Herkunft aus der legendären Trash-Talentschmiede von Roger Corman und die Absurdität der Handlung bereits am Titel ablesen kann, sind alle weltberühmt. Und weil es so wenige sind – nur George Lucas, eines von zwei großen Vorbildern Camerons, hat bei vergleichbarer kommerzieller Bedeutung noch weniger Spielfilme gedreht, nämlich sechs –, seien sie hier rasch aufgezählt: „Terminator“, „Aliens“, „The Abyss“, „Terminator 2“, „True Lies“, „Titanic“, „Avatar“.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Alle wurden sie auch von Cameron geschrieben – wie ein weiteres Meisterwerk, „Strange Days“, dessen Regie er 1995 seiner damaligen Frau Kathryn Bigelow überließ, und ein weiteres trauriges Machwerk, „Rambo II“, den 1985 ein gewisser George P. Cosmatos inszenierte und von dem Cameron sich wohlweislich distanzierte. Drei seiner eigenen Filme waren jeweils zum Zeitpunkt ihres Entstehens die teuersten aller Zeiten, zwei davon („Avatar“ und „Titanic“) nehmen beim Einspielergebnis immer noch die beiden Spitzenpositionen der ewigen Bestenliste ein. „Titanic“ gewann 1998 elf Oscars, so viele wie zuvor nur „Ben Hur“.

          Diese Liste zeigt: Niemand besitzt ein solches Gespür für den Massengeschmack wie James Cameron. Doch der 1954 geborene Kanadier hat auch das absolute Gespür fürs filmische Handwerk. Darin folgt er seinem zweiten Vorbild, Stanley Kubrick, dessen akribische Vorbereitung seiner Filme legendär ist. Cameron steht ihm darin nicht nach, kann jedoch über ganz andere Mittel verfügen.

          Cameron ist ein Erzähler

          Wobei er 1986 „Aliens“ nur deshalb drehen durfte, weil er sich verpflichtete, das Budget von achtzehn Millionen Dollar für die Fortsetzung von Ridley Scotts Science-Fiction-Klassiker nicht zu überschreiten. Beim Nachfolger „The Abyss“ überschritt Cameron dann 1989 den Etatansatz schon um die Hälfte, und mit dem Budget für „Terminator 2“ erreichte er 1991 als erster Regisseur die Hundert-Millionen-Dollar-Grenze. Aber der Film spielte ein Vielfaches davon ein.

          Seitdem genießt Cameron in Hollywood Königsfreiheit, und die selbstproklamierte Krönung zum „King of the World“, die er im Überschwang des Oscarsegens für „Titanic“ mit einem Zitat aus diesem Film bei der Preisverleihung herausbrüllte, bestätigte nur nachträglich diese Sonderrolle. Für „Avatar“, der erst zwölf Jahre nach „Titanic“ in die Kinos kam, entwickelte Cameron ein ganz neues 3D-Verfahren (erprobt im Dokumentarfilm „Ghosts of the Abyss“, den er in der Zwischenzeit für die Imax-Kinos gedreht hatte), das die Geschichte des Kinos in neue Bahnen lenkte. Seitdem ist 3D fester Bestandteil der Blockbuster-Produktion. Schade nur, dass die wenigsten Regisseure dabei Camerons technischen wie ästhetischen Ansprüchen folgen.

          So gilt er vielen Cineasten unberechtigt als Totengräber der Kinokunst. Sie haben nicht verstanden, welche Bedeutung Cameron vor allem als Erzähler besitzt. Stärkere Frauenrollen hat kein Werk eines anderen Regisseurs aufzuweisen, und niemand sonst setzt die rhetorische Kategorie des Pathos derart bezwingend in Bilder. Er ist, um doch noch einmal den berühmten Begriff zu benutzen, den die „Cahiers de cinéma“ vor einem halben Jahrhundert geprägt haben und der heute vergessen scheint, ein „auteur“ des Kinos, das Äquivalent unserer Zeit zu Kurosawa, Hitchcock und Jean-Pierre Melville, um drei zu nennen, die Cameron in Arbeitsweise und -ethos extrem ähnlich waren. Seine Filme sehen anders aus, sie setzten auf Technik statt auf Schauspieler, aber sie haben genauso Epoche gemacht. Und werden das auch weiter tun, falls Cameron sich noch einmal zu einem neuen Werk bequemen sollte. Die Rede ist derzeit von der Verfilmung des Mangas „Battle Angel Alita“.

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