30.12.2003 · Eine über den Irak-Krieg zerstrittene Welt, Bücher vor Gericht, der deutsche Film im Aufwind, Künstler im Sturzflug, die dritte „Matrix“ und der fünfte Harry Potter: das Kulturjahr 2003 im Jahresrückblick von FAZ.NET.
Eine über den Irak-Krieg zerstrittene Welt, Abstürze wie die von Michel Friedman, Jörg Immendorff und Günter Wallraff, Bücher, die mehr die Gerichte beschäftigten als die Leser, und Autobiographien von Effenberg bis Bohlen: Das Jahr 2003 war ein schwieriges für die Kunst- und Kulturwelt. Aus deutscher Sicht gab es aber auch Grund zur Freude: Der deutsche Film ist mal wieder im Aufwind, was nicht nur ein Oscar beweist, und auch deutsche Musik läßt sich wieder hören. Zu beklagen war der Abschied von Persönlichkeiten wie Katherine Hepburn, Charles Bronson, Edward W. Said und Johnny Cash. Das Kulturjahr 2003: ein Jahresrückblick von FAZ.NET.
Januar
Die Irak-Krise sorgt für Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern und spaltet Europa. Dort kommt es zu Massendemonstrationen gegen den Krieg. Zahlreiche Künstler wie Arundhati Roy und Susan Sontag üben harte Krieg an Amerika; Intellektuelle wie Hans Magnus Enzensberger und György Konrád, die den amerikanischen Kurs unterstützen, sind in der Minderzahl. Siehe auch: Durften die das?
12. Januar Der Musiker Maurice Gibb, der mit seinen Brüdern Barry und Robin die Bee Gees bildete, stirbt im Alter von 54 Jahren.
12. Januar Die Originalpartitur von Ludwig van Beethovens 9. Symphonie gehört nun offiziell zum „Weltgedächtnis“ der Unesco.
21. Januar Das „Unwort“ des Jahres 2002 heißt „Ich-AG“, entscheidet eine Jury aus sechs Sprachexperten.
26. Januar Die populäre Orientalistin Annemarie Schimmel stirbt im Alter von 80 Jahren.
Februar
Maxim Billers Roman „Esra“ erscheint, der für eine langwierige juristische Auseinandersetzung sorgt. Eine frühere Freundin Billers und ihre Mutter erkennen sich als Romanfiguren wieder und gehen gerichtlich gegen das Buch vor. Im Oktober entscheidet das Landgericht München, daß „Esra“ nicht mehr publiziert werden darf. Siehe auch: Fiktionen vor Gericht: Maxim Billers Roman „Esra“
3. Februar Die neue Führung der Bayerischen Staatsoper von 2006 an ist komplett: Christoph Albrecht kommt aus Dresden, Kent Nagano aus Berlin.
12. Februar Wolfgang Beckers DDR-Komödie „Good Bye, Lenin“ kommt ins Kino und wird zum erfolgreichsten deutschen Film seit Jahren. Mehr als sechs Millionen Deutsche sehen den Film, der auch im Ausland ankommt.
16. Februar Der serbisch-jüdische Schriftsteller Aleksandar Tisma stirbt im Alter von 79 Jahren in seiner Heimatstadt Novi Sad. „Der Gebrauch des Menschen“ gilt als sein bedeutendstes Werk.
27. Februar Das Berliner Architektenteam um Daniel Libeskind erhält den Zuschlag für das neue World Trade Center. Libeskind setzte sich in der Endrunde gegen das New Yorker Team „Think“ durch. Im Juli wird Libeskind der Pragmatiker David Childs als „Projektleiter“ vor die Nase gesetzt. Siehe auch: WTC-Gedenkstätte: Die Entwürfe der Finalisten
März
3. März Der Schauspieler Horst Buchholz, der in Filmen wie „Eins, zwei, drei“ und „Die glorreichen Sieben“ auftrat, stirbt im Alter von 69 Jahren in Berlin.
9. März Mit dem Sieg des 19jährigen Alexander endet das Musikspektakel „Deutschland sucht den Superstar“, das zum Medienphänomen wurde und Dieter Bohlen endgültig salonfähig werden ließ.
23. März Oscar-Verleihung in Hollywood: Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ wird mit einem Oscar für den besten fremdsprachigen Film geehrt. Beste Hauptdarsteller sind Nicole Kidman und Adrien Brody. Roman Polanski erhält den Oscar für die beste Regie bei „Der Pianist“. Erfolgreichster Film ist mit sechs Oscars das Musical „Chicago“. Wegen der Irak-Krise wird bei der Verleihung auf einen Großteil des gewohnten Glamours verzichtet. Für Aufruhr sorgt Dokumentarfilmer Michael Moore, der Präsident George W. Bush attackiert. Siehe auch: FAZ.NET Spezial zur Oscar-Verleihung
April
2. April Christian Thielemann wird zum Sommer 2004 Chef der Münchner Philharmoniker. Der Münchner Stadtrat stimmt einem Vorschlag des Kulturausschusses einstimmig zu.
4. April Mehrfach in den vergangenen Jahren war es schon angekündigt, nun ist es wirklich soweit: Die Bauarbeiten am Holocaust-Mahnmal in Berlin beginnen. Zugleich wird ein „Info-Gelände“ eröffnet.
12. April Während der amerikanischen Angriffe auf Bagdad wird das Nationalmuseum verwüstet und geplündert. Die Amerikaner ernten heftige Kritik, weil sie den Raub angeblich unzähliger Kulturschätze nicht verhinderten. Später stellt sich heraus, daß weit weniger Stücke fehlen als befürchtet. Siehe auch: Unesco: Das Boot läuft voll
21. April Die große Jazz-Sängerin Nina Simone stirbt im Alter von 70 Jahren in Südfrankreich.
27. April Die evangelische Theologin Dorothee Sölle stirbt im Alter von 73 Jahren in Göppingen.
Mai
8. Mai Der Fußballer Stefan Effenberg veröffentlicht das Buch „Ich hab es allen gezeigt“ und löst eine Debatte aus, wie tief autobiographisches Schreiben sinken darf.
10. Mai Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg wird zum neuen Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt. Er folgt auf György Konrad.
11. Mai Präsident Putin und Kanzler Schröder eröffnen das Bernsteinzimmer im Zarenschloß bei St. Petersburg. Seine Pracht konnte in jahrelanger Arbeit restauriert werden.
21. Mai Der Autor und Literaturwissenschaftler Walter Höllerer stirbt im Alter von 80 Jahren in Berlin. Höllerer war Gründer des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB).
24. Mai Die Türkei gewinnt mit ihrer Sängerin Sertab Erener den Grand Prix d'Eurovision. Die von Ralph Siegel ins Rennen geschickte Lou landet beim Schlagerwettstreit auf Platz zwölf.
27. Mai Der italienische Komponist und Dirigent Luciano Berio stirbt. Er galt als einer der bedeutendsten Vertreter zeitgenössischer Musik.
30. Mai Günter Pfitzmann, einer der beliebtesten Berliner Schauspieler, stirbt mit 79 Jahren in seiner Heimatstadt.
Juni
5. Juni Der Skandal um ihren Reporter Jayson Blair, der zahlreiche Geschichten gefälscht und erfunden hat, führt zu Abgängen bei der renommierten „New York Times“: Chefredakteur Howell Raines und sein Stellvertreter reichen ihre Kündigung ein.
6. Juni Bei der Verleihung des 53. Deutschen Filmpreises erhält Wolfgang Beckers Tragikomödie „Good bye, Lenin!“ neun Preise.
11. Juni In der Wohnung und der Anwaltskanzlei des Fernsehmoderators und stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland Michel Friedman werden Drogen gefunden. Friedman zieht sich aus dem Fernsehen und seinen Ämtern zurück und wird zu einer Geldstrafe verurteilt. Im Oktober teilt Friedman mit, künftig für den Aufbau-Verlag zu arbeiten; wenig später tritt er wieder in Fernseh-Talkshows auf.
13. Juni Der amerikanische Schauspieler Gregory Peck stirbt im Alter von 87 Jahren.
15. Juni Bei der 50. Kunst-Biennale von Venedig gewinnt Luxemburg den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon. Der deutsche Pavillon mit Werken von Candida Höfer und Martin Kippenberger geht leer aus. Siehe auch: Preisträger der Biennale gekürt
17. Juni Christoph Marthaler, Chef des Schauspielhauses Zürich, gibt seinen Abschied vorzeitig zum Ende der nächsten Spielzeit bekannt. Seinen Ausstieg begründet er mit „gesundheitlichen Gründen“ und der „nicht mehr tragbaren Belastung“.
21. Juni Der amerikanische Schriftsteller Leon Uris, Autor des Romans „Exodus“, stirbt im Alter von 78 Jahren im Bundesstaat New York.
21. Juni Begleitet von gewohnt großem Medienrummel erscheint in England Joanne K. Rowlings „Harry Potter and the Order of Phoenix“, der fünfte Band der Reihe. Deutschland muß auf die Übersetzung bis zum Oktober warten. Siehe auch: Harry Potter 5: Im Bann des Guten
29. Juni Die amerikanische Schauspielerin und vierfache Oscar-Preisträgerin Katharine Hepburn stirbt im Alter von 96 Jahren.
29. Juni Die Schriftstellerin Inka Parei gewinnt in Klagenfurt nicht nur den mit 22.500 Euro dotierten Bachmann-Preis, sondern auch den Publikumspreis.
Juli
Die deutsche Band „Wir sind Helden“ veröffentlicht ihr Debütalbum „Die Reklamation“ und stürmt mit ihrem melodischen wie intelligenten Pop die Charts. Siehe auch: „Wir sind Helden“ in Frankfurt
3. Juli Das antike Assur im Irak und das wegen seiner Buddha-Statuen berühmte Bamian-Tal in Afghanistan werden von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Mit den insgesamt 24 Neuaufnahmen umfaßt das Welterbe nun 754 Kultur- und Naturstätten. Siehe auch: Unesco: Das Boot läuft voll
4. Juli Der amerikanische Soulsänger Barry White stirbt im Alter von 58 Jahren in Los Angeles.
13. Juli Der Musiker Compay Segundo, einer der ältesten Stars des kubanischen „Buena Vista Social Club“, stirbt im Alter von 95 Jahren.
16. Juli Die kubanische Salsa-Sängerin Celia Cruz, die „Königin des Salsa“, stirbt im Alter von 77 Jahren in New Jersey.
16. Juli Vom „Dschungelbuch“ über „Nosferatu“ bis zum „Blade Runner“: Eine Liste mit 35 Filmen wird vorgestellt, die in Schulen gezeigt werden und die Jugend mit dem Medium Film vertraut machen sollen.
17. Juli Die Musikmesse Popkomm gibt ihren Umzug fürs kommende Jahr von Köln nach Berlin bekannt. In Köln zeigt man sich enttäuscht und wirft Berlin vor, die Messe mit finanziellen Zuschüssen gelockt zu haben.
24. Juli Heinz Knobloch, einer der populärsten Schriftsteller der DDR und ein begnadeter Feuilletonist, stirbt im Alter von 77 Jahren.
25. Juli Der britische Regisseur John Schlesinger, der Meisterwerke wie den „Marathon-Mann“ und den „Asphalt-Cowboy“ inszenierte, stirbt im Alter von 77 Jahren im kalifornischen Palm Springs.
27. Juli Die amerikanische Komikerlegende Bob Hope stirbt im Alter von 100 Jahren. Mit Filmen, Fernsehen und Auftritten vor amerikanischen Soldaten war Hope zum populärsten Humoristen der Nation geworden.
August
1. August Die französische Schauspielerin Marie Trintignant erliegt in Litauen den Verletzungen, die ihr ihr Freund, der Rocksänger Bertrand Cantat, bei einem Streit zugefügt hat. Trintignant wurde 41 Jahre alt.
16. August Der Düsseldorfer Maler Jörg Immendorff wird von der Polizei mit Kokain und neun Prostituierten in einem Hotelzimmer überrascht.
28. August Der Berliner Dramatiker Peter Hacks, der einst freiwillig aus der Bundesrepublik in die DDR zog, stirbt im Alter von 75 Jahren. Mit Bertolt Brecht und Heiner Müller zählte Hacks zu den bekanntesten ostdeutschen Bühnenautoren.
30. August Der amerikanische Schauspieler Charles Bronson („Spiel mir das Lied vom Tod“) stirbt in Los Angeles im Alter von 81 Jahren.
September
3. September Der Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff ist nach neuesten Erkenntnissen der Birthler-Behörde doch als „Inoffizieller Mitarbeiter“ (IM) der DDR-Staatssicherheit erfaßt worden. Er selbst weist die Vorwürfe zurück. Siehe auch: Wallraff: „In diesen Akten erkenne ich mich nicht wieder“
4. September Die Schauspielerin Ute Mora, die „Berta Griese“ in der „Lindenstraße“, stirbt im Alter von 58 Jahren in München.
6. September Für ihre Leistung in Margarethe von Trottas „Rosenstraße“ wird Katja Riemann bei den Filmfestspielen von Venedig als beste weibliche Darstellerin geehrt.
7. September Trauer bei Deutschlands Teenagern: Die erfolgreiche Girl Group „No Angels“ trennt sich.
8. September Leni Riefenstahl, bekannteste und umstrittenste Filmregisseurin Deutschlands, stirbt im Alter von 101 Jahren. Siehe auch: Zum Tod von Leni Riefenstahl
11. September Deutschland feiert den hundertsten Geburtstag des Philosophen Theodor W. Adorno. Siehe auch: Zum 100. Geburtstag: Adorno im Ohr
12. September Der Country-Musiker Johnny Cash, der in seiner wechselhaften Karriere mehr als 500 Lieder schrieb, stirbt in Nashville in Tennessee.
12. September Der Wechsel des Bochumer Intendanten Matthias Hartmann zum Schauspiel Zürich wird bekannt. Sein Kollege Claus Peymann gibt derweil bekannt, bis 2007 am Berliner Ensemble zu bleiben.
15. September Madonna, bislang als Sängerin und Schauspielerin bekannt, präsentiert ein Kinderbuch. „Die englischen Rosen“ erscheinen zeitgleich in über hundert Ländern auf der Welt. Siehe auch: Madonnas Kinderbuch: „Die englischen Rosen“
25. September Der amerikanisch-palästinensische Literaturwissenschaftler Edward W. Said stirbt im Alter von 67 Jahren.
26. September Der britische Sänger Robert Palmer stirbt im Alter von 54 Jahren in Paris.
28. September Der amerikanische Regisseur und Oscar-Preisträger Elia Kazan stirbt im Alter von 94 Jahren in Manhattan. Mit seinen Filmen hatte er James Dean und Marlon Brando zu Stars gemacht.
29. September Die nach eigener und manch anderer Meinung „beste Band der Welt“, die „Ärzte“, veröffentlicht eine neue Platte: „Geräusch“.
30. September Friedrich Schirmer wird, wie an diesem Tag bekanntgegeben, neuer Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und verläßt zum Ende der Spielzeit 2004/05 die Württembergischen Staatstheater Stuttgart.
Oktober
Anfang Oktober Marcel Reich-Ranicki präsentiert den zweiten Teil seines Literaturkanons mit den Werken neunzig deutscher Erzähler. Siehe auch: Wer soll das alles lesen und warum?
Anfang Oktober Dieter Bohlen veröffentlicht sein zweites autobiographisches Buch mit dem Titel „Hinter den Kulissen“. Mehrere darin Erwähnte gehen juristisch dagegen vor; das Buch wird zurückgerufen, der Marketing-Erfolg bleibt.
2. Oktober Der Literaturnobelpreis geht an den Südafrikaner J.M. Coetzee. Siehe auch: Wege, die zur Schlachtbank führen
2. Oktober Der Schauspieler und Kabarettist Gunther Philipp, Paradekomiker des deutschsprachigen Unterhaltungskinos, stirbt im Alter von 85 Jahren.
5. Oktober Neil Postman, ein Prophet der populären Kulturkritik, stirbt im Alter von 72 Jahren. Bekannt wurde der Professor an der New York University mit seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“.
12. Oktober Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und übt Kritik an den Vereinigten Staaten. Deren Repräsentanten bleiben dem Festakt in der Frankfurter Paulskirche fern.
13. Oktober Die Frankfurter Buchmesse endet mit einem Besucherplus von acht Prozent. Erstmals konnten die Messebesucher Bücher auch kaufen. Siehe auch: Was macht Naddel im Hause Unseld?
14. Oktober Der Fotograf Helmut Newton gibt bekannt, seine weltberühmte Sammlung nach Berlin zu geben. Der Ende der dreißiger Jahre aus Berlin emigrierte Fotograf wird die Sammlung vom Frühsommer 2004 an dauerhaft in der deutschen Hauptstadt präsentieren.
16. Oktober „Das Wunder von Bern“, Sönke Wortmanns Melodram um den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954, kommt ins Kino und wird zum Kassenmagneten. Siehe auch: Im Kino: „Das Wunder von Bern“
25. Oktober In Darmstadt wird der Georg-Büchner-Preis an den Schriftsteller Alexander Kluge verliehen.
November
5. November Der dritte und abschließende Teil der „Matrix“-Trilogie „Matrix Revolutions“ kommt ins Kino - und enttäuscht.
6. November Der Bundestag beschließt den Abriß des Palasts der Republik. Weil für den Bau des Stadtschlosses noch das Geld fehlt, soll die DDR-Ruine zunächst durch eine Grünanlage ersetzt werden.
7. November Der Zweiteiler „Das Wunder von Lengede“ von Sat.1 wird zum Erfolg bei Kritik und Zuschauern: Er erzielt die höchste Quote eines Fernsehfilms in der Geschichte des Privatfernsehens.
12. November Vicco von Bülow alias Loriot feiert seinen achtzigsten Geburtstag. Siehe auch: Das große Loriot-Lexikon
Mitte November Der amerikanische Filmemacher und Schriftsteller Michael Moore („Stupid White Men“) geht auf Deutschland-Tournee und wird für seine Kritik an George W. Bush gefeiert.
17. November Das Theater Erlangen führt Hans Rehbergs Stück „Die Wölfe“ auf. Die Inszenierung des Werks aus der Feder des NSDAP-Mitglieds Rehberg hatte wochenlang für Proteste gesorgt; begleitet wurde die Aufführung schließlich von einer Podiumsdiskussion. Siehe auch: Theater: Jagd auf Brauner Oktober
18. November Die Polizei durchsucht die „Nerverland“-Ranch des Popsängers Michael Jackson in Kalifornien. Am 20. November stellt sich Jackson, gegen den ein Haftbefehl wegen des Verdachtes auf Kindesmißbrauch ausgestellt wird, der Polizei, kommt anschließend aber auf Kaution frei.
20. November Acht Entwürfe für die Gedenkstätte bei Ground Zero werden in New York vorgestellt. Siehe auch: WTC-Gedenkstätte: Die Entwürfe der Finalisten
24. November Recherchen der Marbacher Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik ergeben, daß bedeutende deutsche Germanisten wie Walter Jens, Peter Wapnewski und Walter Höllerer in ihrer Jugend als NSDAP-Mitglieder registriert waren.
25. November Der Machtkampf im Suhrkamp-Verlag ist endgültig entschieden. Günter Berg verläßt das Haus, Siegfried Unselds Witwe Ulla Berkéwicz tritt das Erbe des Patriarchen an. Am 3. Dezember legt der Suhrkamp-Stiftungsrat mit Hans Magnus Enzensberger, Adolf Muschg, Alexander Kluge, Wolf Singer und Jürgen Habermas sein Mandat nieder.
27. November Der Theaterschauspieler Will Quadflieg, einer der berufensten Sprecher und Fürsprecher eines Dichterhimmels auf Erden, stirbt im Alter von 89 Jahren.
Dezember
3. Dezember Der englische Filmschauspieler David Hemmings stirbt im Alter von 62 Jahren. Weltbekannt wurde Hemmings, der auch als Regisseur arbeitete, 1966 in Michelangelo Antonionis Film „Blow up“.
6. Dezember Und noch ein Erfolg für „Good Bye, Lenin!“: Bei der Verleihung der Europäischen Filmpreise in Berlin erhält Wolfgang Beckers Tragikomödie insgesamt sechs Auszeichnungen, unter anderem den Preis als bester Film.
8. Dezember Kulturschock für Deutschland: Der Entertainer Harald Schmidt gibt bekannt, daß er seine Late-Night-Show bei Sat.1 2004 nicht fortsetzen wird. Schmidt spricht von einer „Pause“, ob er aber je zu Sat.1 zurückkehren wird, ist ungewiß: Wenige Tage zuvor war der Geschäftsführer Martin Hoffmann entlassen worden, mit dem Schmidt befreundet ist.
8. Dezember Der kubanische Pianist Rúben González, bekannt durch den „Buena Vista Social Club“, stirbt im Alter von 95 Jahren.