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J. K. Rowling liest Potter Im Bann der düsteren Einleitung

21.07.2007 ·  Durch London zog sich eine lange Warteschlange, England stand an für den größten Exportartikel des Königreiches: Den neuen Potter. Derweil warteten einige wenige Auserwählte im National History Museum auf die straff durchorganisierte Mitternachtslesung J. K. Rowlings. Gina Thomas war vor Ort.

Von Gina Thomas, London
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Der Londoner Himmel dunkelte und die Himmelsschleusen öffneten sich über die resoluten Harry-Potter-Fans, als beteilige sich auch der Wettergott an der letzten epischen Machtprobe zwischen dem Zauberlehrling und dem finsteren Lord Voldemort. In der Nacht, in der „Harry Potter and the Deathly Hallows“ erschien, wimmelten die Straßen der Hauptstadt vor Hogwarts-Schülern und -Lehrern, vor Hedwigs, Snapes, Eulen, Hexen und seltsam kostümierte Kreaturen auf Stelzen.

An allen Sammelstellen hallte das exaltierte Kreischen der Potter-Süchtigen durch die Straßen wie bei Popkonzerten. Der Rummel war für das Finale deutlich größer als bei den vorangegangenen Buchstarts. Tausende begieriger Leser, die alle den Kitzel des Dabeigewesenseins suchten, stellten sich vor dem größten Buchladen Europas in die Schlange.

Eine ur-britische Kulisse

Sie wand sich an den Herrenausstattern der Jermyn Street vorbei durch St. James's Street, Hochburg der Hoflieferanten und diskreten Herrenclubs bis fast zum St James's Palace. Eine treffend ur-britische Kulisse für den größten Exportartikel des Königreiches.

Vor dem Natural History, wo J.K.Rowling vor ausgelostem Publikum aus den ersten Seiten des Buches las, lungerten lauter kleine Hermines in schwarzem Faltenrock und Gryffindor-Krawatte wie Liebeskranke vor dem verschlossenen Gitter in der Hoffnung, einen Blick der Autorin zu erhaschen. Aber die vom Bloomsbury-Verlag mit militärischer Präzision inszenierte und von Rausschmeißern überwachte Mitternachtslesung blieb nur den fünfhundert Auserwählten vorbehalten.

J. K. Rowling: perfekt durchgestylt

Aufgeregt und zugleich schon etwas schlaftrunken saßen sie bei Dämmerlicht in der riesigen Eingangshalle des Naturkundemuseums rund um das Skelett des Tyrannosaurus Rex herum und warteten auf den großen Auftritt. Unterdessen wurden ihnen genaue Verhaltensmaßregeln erteilt: niemand dürfe zwischendurch aufs Klo, bei der anschließenden Signierstunde müsse jeder der Autorin sein Exemplar mit einem Klebezettel reichen, auf dem lediglich der Name des Widmungsträgers zu stehen habe. Es sei größte Rücksicht geboten: J.K.Rowling müsse bis morgens um sieben zweitausend Bände signieren.

Für den Fototermin kletterte die perfekt durchgestylte Autorin in Jeans und goldener Jacke über die Kinderbeine und setzte sich auf einen roten Hocker in deren Mitte, gefasst, in sich ruhend und natürlich, als mache sie so etwas alle Tage. Zur Lesestunde setzte sie sich in einen Lehnsessel und hielt die Zuhörer gebannt mit der düsteren Einleitung, in der Voldemort wieder einmal seine Absicht bekundet, Harry Potter persönlich umzubringen.

Fortsetzung nicht ausgeschlossen

Zuvor war J.K.Rowling bei einem Fernsehautritt von einer kleinen als Hexe verkleideten Verehrerin gefragt worden, ob sie weinen werde beim letzten Band. Die Autorin hatte ja schon bekannt, dass sie geheult habe als sie die letzte Zeilen zu Papier brachte. Sie warnte das Mädchen, dass wohl Tränen fließen würden. Weniger Minuten später schossen sie der Autorin vor lauter Rührung aus den Augen, als eine Fülle von prominenten und unbekannnten Lesern ihre Leistung würdigten. Der Unterkiefer fiel herunter als Premierminister Brown auf dem Bildschirm erschien und Lob über ihrer Haupt schüttete weil sie junge Leute zum Lesen motiviert habe.

Die Szenen der frühen Morgenstunde an den Londoner Bushaltestellen lieferten den Beweis dafür. Überall sah man Potter-Leser mit ihrem heiß ersehnten Band, die nicht warten konnten, bis sie zu Hause waren und bereits jedes Wort verschlangen. Und während die englische Post am Samstagmorgen sechshunderttausend Exemplare austrug, steckten noch tausende von Kindernasen in den sechshundert Seiten von „Harry Potter and the Deathly Hallows“.

Man solle niemals nie sagen, hat J.K.Rowling erwidert, als man sie fragte, ob sie vielleicht nicht doch eines Tages die Geschichte wieder aufnehmen werde. Der Schluss soll nicht verraten werden. Es genügt zu sagen, dass der Ausgang eine Fortsetzung in der nächsten Generation nicht ausschließt. Damit können sich Potter-Süchtige über das Ende der Romanfolge trösten.

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