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Italienische Verhältnisse Pizza Diavolo

 ·  Eine klientelistische Steuerfluchtpartei unter Berlusconi, eine klientelistische Staatsdienerpartei unter Bersani und eine Antiparteienpartei von Beppe Grillo: Wie soll da eine Mehrheit zustande kommen?

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Echte Probleme, so wusste der kolumbianische Philosoph Nícolas Gómez Dávila, „haben keine Lösung, sondern eine Geschichte“. So betrachtet, ist die italienische Politik nicht nur im Moment ein echtes Problem, sondern mindestens seit der nationalen Einigung vor einhundertfünfzig Jahren.

Dass eine elegante Lösung der verharzten Lage in den beiden Parlamenten von Rom möglich wäre, glauben nicht einmal die Gläubigen. Wie käme ein Mehrheitsrezept für eine klientelistische Steuerfluchtpartei unter Berlusconi, eine klientelistische Staatsdienerpartei unter Bersani und eine Antiparteienpartei von Beppe Grillo zustande? Nehmen wir noch die abgestraften Europäer von Mario Monti und die separatistische Lega Nord als Würze dazu, haben wir eine so gut wie unverdauliche „Politpizza Diavolo“.

Und selbst wenn die Grillini, von denen einige am Samstag immerhin den Anti-Mafia-Staatsanwalt Piero Grasso zum Senatspräsidenten mitwählten, irgendwann zur Duldung einer linken Regierung bereit wären - wie sollten dann zwei Erzgegner der europäischen Sparpolitik die maroden Staatsfinanzen sanieren?

Bei den ersten Schritten zur Lösung des Gordischen Knotens hatte der linke Parteichef Bersani immerhin genug Takt, neben Grasso die Menschenrechts-Aktivistin Laura Boldrini zur Kammervorsitzenden wählen zu lassen, und so seine Parteigranden geschnitten. Diese Entpolitisierung der abgewirtschafteten Institutionen durch moralisch integre Symbolfiguren könnte nicht nur den Justiznotoriker Berlusconi, der mit einer Sonnenbrille infolge Augenentzündung endgültig aussieht wie sein Schicksalsgenosse Mubarak, von den Töpfen der Macht fernhalten, sondern auch einen Pfad aus dieser Krise weisen.

Aber kann Bersani als Parteifranziskus seinem Parteiapparat wirklich die Forderung der Grillini schmackhaft machen, auf Wahlkampfmillionen zu verzichten? Es dürfte schon seinem anspruchslosen Papstkollegen schwer werden, die satten Zuschüsse der dubiosen Vatikanbank abzulehnen. Wie sollen sich da Berufspolitiker im Schnellkurs zu Bettelmönchen umschulen?

Trotz alledem - immer mehr italienische Intellektuelle vom Schlage eines Benigni, Settis, Eco, Saviano, Petrini, Ozpetek appellieren an das erneuerte Parlament, die „größte Chance seit 1945“ nicht zu verpassen und echte Reformen in Italien anzupacken. Das wäre dann zwar immer noch ein Riesenproblem - aber eine ganz neue Geschichte.

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18.03.2013, 10:24 Uhr

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