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Italien Spektakulärer Prozeß über illegalen Kunsthandel

16.11.2005 ·  Wird erstmals eine Verantwortliche eines berühmten amerikanischen Museums wegen Hehlerei verurteilt? In Rom hat der Prozeß gegen eine frühere Kuratorin des Getty-Museums begonnen.

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Ein großer Prozeß wegen illegalen Handels mit antiken Kunstschätzen hat am Mittwoch in Rom begonnen. Hauptangeklagte ist die ehemalige Kuratorin des weltberühmten Getty-Museums in Los Angeles, Marion True.

Sie soll nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft über Jahrzehnte hinweg zahlreiche antike Kunstwerke im Wert von zwanzig Millionen Dollar gekauft haben, obwohl sie gewußt habe, daß diese aus illegalen Grabungen in Italien stammten. Experten in Rom sprechen von einem „Musterprozeß“, der richtungweisend für ähnliche Streitigkeiten weltweit sein könnte.

Bei den insgesamt über dreißig Kunstwerken soll es sich vor allem um antike römische, griechische und etruskische Skulpturen, Amphoren und Vasen handeln, die vor allem aus Raubgrabungen um den Vesuv und auf Sizilien stammten und über Mittelsmänner verkauft worden seien. Zudem ist der in der Schweiz lebende Kunsthändler Emanuel Robert Hecht mitangeklagt. Das Getty Center in Los Angeles gilt als einer der reichsten und modernsten Kunst-Kathedralen der Welt, in dem Teile der Sammlung des kalifornischen Ölmagnaten J. Paul Getty (1892-1976) zu sehen sind.

Mehrere Fundstücke zurückgegeben

Am Mittwoch ging es zunächst lediglich um Verfahrensfragen. Unter anderem wurde die Region Sizilien als Zivilkläger akzeptiert. Auch die 57jährige Ex-Getty-Kuratorin erschien vor Gericht. Der Prozeß war bereits im Juli formell eröffnet, aber sofort wegen fehlender Übersetzungen der Klageschriften verschoben worden. Das Getty-Museum hat bereits im Vorfeld mehrere Fundstücke an Italien zurückgegeben.

Insgesamt sind 200 Zeugen in Rom vorgeladen. Kunstexperten meinen, es handele sich um den ersten ganz großen Prozeß, in dem weltweit anrüchige Geschäfte mit antiker Kunst ans Licht kämen. Bisher habe es stets an konkreten Beweisen gemangelt, den Handel durch Mittelsmänner und dunkle Kanäle zweifelsfrei nachzeichnen zu können. Diesmal aber lägen der Staatsanwaltschaft präzise Aufzeichnungen von Händlern vor. „Wir haben kistenweise Dokumente, die erdrückendes Beweismaterial liefern“, meinten die Ankläger vor Prozeßauftakt. Die Ermittlungen dauerten rund zehn Jahre. „Ein großer internationaler Krimi“, kommentierte die Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ kürzlich.

Als „Zeichen des guten Willens“ gab das Getty-Museum schon 1999 fünf archäologische Funde an Italien zurück, kürzlich nochmals drei weitere Funde. Zugleich teilte das Museum aber mit, es sei davon überzeugt, daß der Prozeß mit Freispruch endet. Sollte das Gericht True jedoch für schuldig befinden, bewußt Kunstwerke dubiosen Ursprungs gekauft zu haben, wäre dies eine Sensation: Zum ersten Mal würde eine Verantwortliche eines berühmten amerikanischen Museums wegen Hehlerei verurteilt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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