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Italien Moro vs. Mussolini

22.04.2008 ·  Die Universität von Bari hat einen prominenten Namensgeber, wenngleich sie ihn in Stempeln und Briefköpfen verschweigt: Benito Mussolini. Der Vorschlag, die Universität nach dem Christdemokraten Aldo Moro umzubennen, trifft jedoch auf merkwürdige Widerstände.

Von Dirk Schümer
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Aldo Moro ist 1978 von den Roten Brigaden ermordet worden. Seine Leidenszeit im Versteck, das Feilschen um sein Leben - das alles muss den italienischen Christdemokraten nach seiner Entführung vor dreißig Jahren ebenso gequält haben wie die Farce einer Volksgerichtsverhandlung mit dem abschließenden Todesurteil durch die Terroristen. Was wenige wissen: Moro war vor seiner politischen Laufbahn Juraprofessor und hatte an der Universität von Bari in Apulien gelehrt. Nichts läge da näher, als die Universität durch den Namen Aldo Moros zu ehren, und man wundert sich, dass der aktuelle Rektor, Corrado Petrocelli, erst jetzt auf diese Idee gekommen ist.

Doch hat die Universität von Bari bereits einen prominenten Namensgeber, wenngleich dessen Initialen nach und nach vom Portal, von Stempeln, Briefköpfen und Wappen entfernt worden sind. Offiziell heißt die größte Universität Apuliens aber immer noch nach dem Mann, der sie 1925 feierlich eröffnete: Benito Mussolini. Wie das in Italien so geht - man hat die Taufe niemals rückgängig gemacht, sondern die peinliche Sache lieber peu à peu unter den Teppich gekehrt. Den Vorschlag des Rektors, diesem unwürdigen Zustand endlich ein Ende zu machen und stattdessen Aldo Moro als Namensgeber einzusetzen, hat nun ausgerechnet die juristische Fakultät mit großer Mehrheit abgelehnt. Da wird die Sache endgültig verwickelt.

Wer schützt wen?

Dass die Faschisten lieber den Duce als Patron sähen und dies auch laut sagen, wundert nicht. Aber unter seinen Berufskollegen hat Moro, der umgängliche Christdemokrat, auch auf der extremen Linken immer noch viele Verächter. Der Dekan äußerte mit rabulistischer Uneindeutigkeit, dass er Moro sehr wohl für wichtig erachte, dass aber durch die Umbenennung der Universität der „Mythisierung“ seiner Person Vorschub geleistet werde und man Moro so „als Menschen“ verkenne. Dann also, als Mensch und Mythos, besser Mussolini?

Nun hat am Ende der neue Wissenschaftsminister in Rom das letzte Wort. Aber vielleicht wollte man Aldo Moro ja auch schlicht vor seiner alten Universität schützen. Erst dieser Tage hob die Polizei in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Dozenten aus, die mit festem Tarif Magisterexamen und Doktortitel an Zahlungskräftige verhökerten. 700 Euro kostete ein Seminarschein, 3000 ein Examen. Sechs Personen wurden - nicht einmal zwei Jahre nach einem ähnlichen Skandal - festgenommen. Vielleicht sollte man die Universität Bari jetzt einfach nach dem Meistbietenden benennen.

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Jahrgang 1962, Feuilletonkorrespondent mit Sitz in Wien.

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