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Italien im Sparzwang Kilometermenü

 ·  Die Italiener geben immer weniger Geld für ihr Essen aus. Das ist fürs Weltklima ebenso erfreulich wie für die Fischbestände in den Meeren. Nur das Federvieh genießt keine Schonzeit.

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In einer Wirtschaftskrise haben vor allem die schlechten Nachrichten Konjunktur. Es gibt aber Ausnahmen. So erreicht uns die Meldung, dass in Italien die Menschen weniger Geld fürs Essen ausgeben. Auf den ersten Blick wirkt es natürlich schlecht, wenn die Hausfrauen - denn an ihnen hängt meist immer noch die Organisation von Küche und Tafel - in Umfragen angeben, an Lebensmitteln zu sparen (35 Prozent) und verstärkt nach Sonderangeboten zu suchen (60 Prozent). Die Hälfte aller Konsumenten verzehrt bereits weniger Fleisch, weil vor allem die Filetstücke zu teuer geworden sind.

Weniger Rind und Fisch, dafür mehr Hühnchen

Da beginnen dann die guten Nachrichten. Denn Fleisch ist nicht nur ökologisch bedenklich, sondern auch in größeren Mengen ungesünder als leckere Gemüsepasta, Minestrone oder Salat. Auch der Konsum von Fisch geht bei den italienischen Konsumenten, die zu Recht als kritische Schleckermäuler gelten, kontinuierlich zurück.

Das freut die Fischbestände in den Weltmeeren, weniger indes das liebe Federvieh. Denn der Konsum von zartem Hühnerfleisch ist gestiegen, ebenso wie der von Brot - und beides ist sicherlich zuträglicher als Salami, Käse oder Zuckerzeug.

Sparsame Kulturen ernähren sich nun einmal gesünder als dekadente. Und Rom, so lehrt uns die Historie, ist mit Bohnenbrei und Gerstensuppe groß geworden und mit Nachtigallenzungen an Schweinskaldaunen untergegangen. Weil man das im Mutterland der europäischen Großreiche nicht vergessen hat, erfreut sich momentan auch in den Trattorien, Pizzerien und Ristoranti die Bewegung „Zero Chilometri“ starken Zuspruchs.

Ökologisch schlemmen in der Nullkilometer-Trattoria

Da kann der Kunde ein Menü wählen, dessen Zutaten nicht aus dem Eismeer und den Tropen herangeschafft wurden, sondern direkt aus der Umgebung stammen. Das schont das Klima, senkt die Transportkosten und ist meist auch noch schmackhafter. In einer zertifizierten Nullkilometer-Trattoria kann man eine Portion Pasta al Pomodoro für sechs Euro bekommen, eine Pizza Marinara für schlappe 4,50 Euro und eine Cassata nach sizilianischem Rezept für 3,50 Euro, Servizio und Contorno inklusive.

In diesem Klima der Frugalität überrascht es nicht, dass auf dem darbenden italienischen Buchmarkt einzig das römische Verlagshaus Newton Compton rasante Zuwächse verzeichnet. Hier bringt man vorzugsweise ausländische Titel für 9,90 Euro auf den Markt und setzt damit bei den sparsam gewordenen Italienern vierzig Prozent mehr ab als im Vorjahr. Schließlich gehören Lesen und Essen zu den Grundbedürfnissen, die auch in der Krise bedient sein wollen.

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Jahrgang 1962, Feuilletonkorrespondent mit Sitz in Venedig.

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