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Israel-Boykott : Einladung zum Hass

Scarlett Johanssons Mund, mit dem ein Wassersprudler beworben wurde. Das finden die Boykotteure Israels nicht sexy, denn der Hersteller saß viele Jahre auch im Westjordanland. Bild: Reuters

Wollen sie Israel auslöschen? Wollen sie Frieden? Eins ist sicher: Die undurchschaubare Bewegung BDS verbreitet mit ihren Boykottaufrufen auch viel zu viel Hass.

          Es war im März, und es war in Berlin: Vor einem Kino stehen Menschen, Menschen mit Fahnen Israels, Menschen mit Palästina-Fahnen, getrennt durch eine Straße, getrennt durch Polizei. „Kindermörder“, schreit eine Frau zur Seite des Blau-Weiß, sie krümmt sich vor ihren Schreien. Dann übernimmt ein Mann. Auch er schreit „Kindermörder“, danach „Ihr seid Apartheidsschweine“, und dann schreit er: „Ihr Söhne Hitlers“.

          Anna Prizkau

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es war im Mai, am ersten, es war wieder Berlin. Schwarze und schwarzverwaschene Kapuzen marschieren, wie sie am 1. Mai marschieren. Am Rand sitzen drei Männer mit einer kleinen Fahne Israels. Eine junge Frau stürzt sich auf sie und auf die Fahne. Ein Chor hilft ihr mit Schreien, mit „Free Palestine“-Gebrüll und mit Attacken auf die drei. Und dann mit einem Satz: „Lang lebe die Hamas.“

          So weht der Hass durch deutsche Straßen, der Hass auf Israel, auf Juden, das zeigt das Internet, es reicht, drei Buchstaben zu drücken in die Tastatur: BDS. BDS, das war zuerst, 2005, ein Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft. BDS, das ist jetzt international: eine Bewegung, die Druck auf Israel ausüben will, die für die Rechte der Palästinenser kämpft. BDS, das lebt auch in Berlin, und BDS hat vielleicht Schuld am Hass, der durch die Straßen wehte. Zwar waren jene Hasser vom März, vom Mai keine Offiziellen dieser BDS, doch waren es die Treffen, die BDS organisierte und mitorganisierte. BDS, das bedeutet Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen. BDS, das ist eine Kampagne gegen Israel, vielleicht sogar gegen die Existenz von Israel an sich.

          Boykott sei eine Form von Dialog

          BDS, das ist doch nicht so schlimm, denke ich in einem Café in einem Gespräch mit einem jungen Israeli. Seltsame lange Tische draußen, seltsame kalte Sonne, normales Kreuzberg-Publikum. Yossi Bartal erklärt die BDS, erklärt sie mit so weichen Worten, dass ich den Hass aus dem Youtube-Video vergesse. „BDS steht für Gewaltfreiheit, steht für friedliche Lösungen und für gleiche Rechte für alle“, sagt er, und mein Kopf nickt, weil Frieden jeder Kopf abnicken kann und muss. Seit zehn Jahren lebt Bartal in Deutschland, er engagiert sich für einen jüdischen Verein, der sich wiederum für die BDS-Bewegung engagiert. Warum? „Boykott ist eine Form von Dialog“, sagt er, ohne den Widerspruch zu bemerken, und dreht sich eine Zigarette, zu schnell, zu krumm deshalb.

          Sich ein Gespräch zu wünschen, vielleicht nicht wie Bartal es denkt, ist richtig. Denn es ist falsch, dass Siedler amoksiedeln, dass Menschen unter der Besatzung leben, dass es Diskriminierung gibt in Israel. Die BDS-Taktik gegen all das geht so: Man zwingt die Mächtigen, was Mächtiges zu klären – keine Gewalt im Nahen Osten mehr. Und jeder auf der Welt kann da mitmachen und mitzwingen. Man kauft keine Produkte mehr aus Siedlungen, aus der Besatzung, zum Beispiel den mit diesem Mund von Scarlett Johansson beworbenen Sprudler der Marke Sodastream, die viele Jahre auch im Westjordanland saß. Man verhindert den akademischen Austausch. Man zieht Geld ab aus Israel. Man fordert Sanktionen. Und auch noch einen kulturellen Boykott. Für diesen Boykott steht zum Beispiel Roger Waters auf, dieser Ex-Pink-Floyd-Mann, der strebsam Boykott-E-Mails tippt. An Jesse Hughes von Eagles of Death Metal schrieb er im letzten Jahr, er wollte einen Eagles-Auftritt in Tel Aviv verhindern. „Fuck you“, schrieb Jesse Hughes zurück. So funktioniert auch eine Form von Dialog.

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