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Islamkritik Dr. Seltsam Pipes

08.02.2010 ·  Es ist keine Satire: Der Islamkritiker Daniel Pipes fordert in in der Online-Ausgabe der „Welt“ von Barack Obama, den Iran zu bombardieren, um Zweifel an seinen Führungsqualitäten fortzuwischen. Und bei „Welt Online“ bekommt man Angst vor der eigenen Courage.

Von Lorenz Jäger
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Daniel Pipes hat endlich wahrgemacht, was unlängst in einem Blog gefordert wurde: „Islamkritik muss militant werden.“ Pünktlich zum Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlichte Pipes in der Online-Ausgabe der „Welt“ einen Debattenbeitrag, der für eine schnelle und unbürokratische, nun wirklich militante Lösung warb: „Barack Obama sollte den Iran bombardieren.“ Man wusste nicht recht, welchen Reim man sich darauf machen sollte. Zu vieles klang in dem Artikel nach Satire, vor allem die Überlegung, dass der Präsident seine miserablen Umfragewerte doch mit der gebotenen Entschlossenheit schnell wieder aufbessern könne.

Obama brauche, so Pipes, „eine dramatische Geste, um seine öffentliche Wahrnehmung als Leichtgewicht, Stümper, Ideologe zu verändern, vorzugsweise in einer Arena, wo der Einsatz hoch ist, wo er die Führung übernehmen und wo er die Erwartungen übertreffen kann“. Eine stabile Mehrheit der Amerikaner bevorzuge die Anwendung von Gewalt schon jetzt. Obama könne zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Mit einem Angriff schütze er die Heimat und sende Amerikas Freunden und Feinden „eine Botschaft“. Nur müsse die Chance auch genutzt werden: „So, wie die Iraner ihre Verteidigung verbessern und der Waffenherstellung näher kommen, schließt sich das Zeitfenster.“

Über das vertretbare Maß hinaus

Aber die satirische Lesart – als habe ein Radikalpazifist durch verzerrende Übertreibung die Anliegen der Kriegspartei desavouieren wollen – lässt sich nicht halten. Daniel Pipes ist einer der profiliertesten Islamkritiker, zur Solidarität mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders hat er noch kürzlich aufgerufen. Wer indes den Artikel gestern auf „Welt Online“ suchte, erhielt nur eine lakonische Mitteilung: „Möglicherweise sind Sie einem falschen oder veralteten Link gefolgt, oder Sie haben sich bei der Eingabe der URL vertippt.“

Nein, niemand hatte sich vertippt. Nur scheinen kleinliche Bedenkenträger auch bei der „Welt“ Angst vor der eigenen Courage bekommen zu haben. Die „explizite Zuspitzung“, so teilte der Verlag gestern auf Anfrage mit, sei „über die vertretbare Form der üblichen Meinungsäußerung“ deutlich hinausgegangen und „redaktionell nicht vertretbar“. Es gibt ja immer noch den Paragraphen 80 des Strafgesetzbuches, der die Vorbereitung eines Angriffskrieges mit einer Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bedroht. Reform wäre auch hier das Gebot der Stunde.

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Jahrgang 1951, Redakteur im Feuilleton.

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