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Islamkonferenz : Starkes Signal

Liberale Muslime, die sich in erster Linie als freie Bürger, nicht als Vertreter einer Religion sehen, finden sich zu einer „Kritischen Islamkonferenz“ zusammen: ein richtiger Weg.

          Es war eine der Erwartungen an die zweite Islamkonferenz des Innenministers, die sich nicht erfüllt haben: dass sie endlich auch liberalen, säkularen Muslimen Gehör verschaffen würde. Stattdessen erschöpfte sich auch diese Veranstaltung in Querelen der orthodox-traditionalistischen bis extremen Verbände, deren Funktionäre ihr Beleidigtsein, ihre Feindbilder und Enttäuschungen wegen nicht erfüllter Maximalforderungen öffentlich pflegten.

          Der Unmut darüber wuchs, allerdings kaum wahrgenommen von der Öffentlichkeit, vor allem in Kreisen nichtorganisierter Muslime und jener Einwanderer, die eigentlich religiös ungebunden sind, aber nach offizieller Lesart qua Herkunft als muslimisch gelten. Ihnen will die „Kritische Islamkonferenz“ nun ein Forum bieten.

          Gegen das Monopol orthodoxer Verbände

          Wenn es gutgeht, könnte daraus eine informelle Bürgerbewegung entstehen, die sich auch, aber nicht nur mit dem Islam auseinandersetzt, jedoch die von bigotten Islamfunktionären verbissen behauptete ethnische und religiöse Gruppenidentität von vornherein in Frage stellt.

          Sie will im Unterschied zur Konferenz des Innenministers dem Staat nichts abhandeln, aber das polarisierende Meinungsmonopol der orthodoxen Verbände aufbrechen. Statt sich weiter an dem schwammigen Begriff „Integration“ abzuarbeiten, will man über Emanzipation streiten, die muslimischen Kindern und vor allem Frauen verbaut wird, weil Kulturrelativismus und falsche Toleranz religiöse Bevormundung und Parallelgesellschaften zementieren.

          Zuerst Bürger einer freien Gesellschaft

          Freie kritische Geister wie die Soziologin Necla Kelek, die Rechtsanwältin Seyran Ates, die Politikerin Lale Akgün, die Informatikerin Zeliha Dikmen von der „Frankfurter Initiative progressiver Frauen“ oder der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad sind bisher selten gemeinsam aufgetreten, galten gar als heillos zerstritten. Wenn sie jetzt zum öffentlichen Streitgespräch zusammenkommen, ist das ein starkes Signal.

          Sie wollen die starren Fronten aufbrechen, die zur Folge hatten, dass jegliche Islamkritik unter Verdacht geriet und extremistischer Islamismus genauso wie ein kruder Antimuslimismus erstarkten. Es geht darum, dass muslimische Kinder ohne moralisches Diktat einer Religion aufwachsen können, und um die große Mehrheit liberaler Muslime, die sich zuerst als Bürger einer freien Gesellschaft verstehen und sich nicht auf ihre Religiosität reduzieren lassen wollen. Der Koran, Gottes Wort, so der Dissident Hamed Abdel-Samad, sei nicht reformierbar; aber die Haltung vieler Muslime sehr wohl.

          Regina Mönch

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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