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Veröffentlicht: 18.02.2016, 15:30 Uhr

Islam und Körper Das sexuelle Elend der arabischen Welt

In den Ländern Allahs herrscht ein krankes Verhältnis zur Frau und zum Begehren. Das muss wissen, wer bei der Bewertung der Kölner Silvesternacht der Naivität entkommen will.

von Kamel Daoud
© AFP Die Frau steht im Islam für das Leben. Die Radikalen verachten alles außer dem Jenseits, darum verachten sie die Frauen.

Was ist da in Köln geschehen? Man vermag es kaum genau zu erkennen, wenn man die Zeitungen liest, aber zumindest weiß man, was da in den Köpfen vor sich gegangen ist. In denen der Aggressoren vielleicht; und ganz sicher in denen der Europäer.

Ein faszinierendes Resümee des Spiels der Phantasmen. Die „Tatsache“ selbst passt nur allzu gut zu den Bildern, die der Westen sich vom Anderen, dem Flüchtling oder Migranten, macht: Naivität, Schrecken, Reaktivierung alter Ängste vor einer Invasion der Barbaren nach dem Muster des Gegensatzpaares „barbarisch – zivilisiert“: Die aufgenommenen Migranten greifen „unsere“ Frauen an, belästigen und vergewaltigen sie. Das entspricht genau den Vorstellungen, die Rechte und Rechtsextreme immer schon gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ins Feld geführt haben. Die Migranten werden mit Vergewaltigern gleichgesetzt, auch wenn man immer noch nicht genau weiß, was geschehen ist. Sind die Schuldigen Migranten, die schon lange hier leben? Oder solche, die erst kürzlich hierhergekommen sind? Kriminelle Vereinigungen oder bloß Hooligans unterschiedlicher Nationalität? Man wartet gar nicht erst auf die Antwort, um sich in kohärenten Delirien zu ergehen. Die „Tatsache“ hat bereits den Diskurs über die Frage reaktiviert, ob man angesichts des Elends in der Welt andere aufnehmen oder sich abschotten soll. Die Wahnphantasien warten nicht auf die Tatsachen.

Dem Flüchtling bleibt nur seine Kultur

Ist da auch Naivität im Spiel? Ja. Die Aufnahme der Flüchtlinge, der Asylsuchenden, die vor dem IS oder den jüngsten Kriegen fliehen, stößt im Westen auf einige Naivität. Man denkt beim Flüchtling an dessen Status und nicht an seine Kultur. Er ist ein Opfer, das die Projektionen der Europäer auf sich zieht, die Pflicht zur Menschlichkeit oder Schuldgefühle. Man sieht den Überlebenden und vergisst, dass der Flüchtling in einer Kultur gefangen ist, in der das Verhältnis zu Gott und zur Frau eine wichtige Rolle spielt. Im Westen angelangt, hat der Flüchtling oder Migrant sein Leben gerettet, aber man übersieht nur zu gern, dass er seine Kultur nicht so leicht aufgeben wird. Seine Kultur ist das, was ihm angesichts seiner Entwurzelung und des Schocks der neuen Umgebung bleibt.

Das für die westliche Moderne so fundamentale Verhältnis zur Frau wird zumindest dem Durchschnittsmann unter den Flüchtlingen lange unverständlich bleiben. Daher wird er in diesem Punkt lavieren, aus Angst oder im Sinne eines Kompromisses oder in dem Willen, „seine Kultur“ zu bewahren, aber das alles wird sich nur sehr, sehr langsam verändern. Da genügt der kleinste Anlass, ein Rückfall in den Herdentrieb oder ein affektiver Fehlschlag, und alles kehrt schmerzvoll wieder. Die kollektiven Adoptionen sind insofern naiv, als sie sich auf die Bürokratie beschränken und sich durch Mildtätigkeit weißwaschen.

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