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Islam und Körper : Das sexuelle Elend der arabischen Welt

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Der Islamist liebt das Leben nicht

Ist der Flüchtling also ein „Wilder“? Nein. Er ist nur anders, und um sich von allem freizukaufen, genügt es nicht, ihn aufzunehmen, indem man ihm Papiere ausstellt und ihn in einer Gemeinschaftsunterkunft unterbringt. Es gilt, nicht nur dem Körper Asyl zu gewähren, sondern auch die Seele von der Notwendigkeit einer Veränderung zu überzeugen. Der Andere kommt aus jenem riesigen schmerzvollen und grauenhaften Universum, welches das sexuelle Elend in der arabisch-muslimischen Welt darstellt, mit ihrem kranken Verhältnis zur Frau, zum Körper und zum Begehren. Ihn aufzunehmen heißt noch nicht, ihn zu heilen.

Perspektivenwechsel: Mit seinem neuen Werk liefert der algerische Schriftsteller Kamel Daoud eine Gegendarstellung zu Camus’ Klassiker „Der Fremde“
Perspektivenwechsel: Mit seinem neuen Werk liefert der algerische Schriftsteller Kamel Daoud eine Gegendarstellung zu Camus’ Klassiker „Der Fremde“ : Bild: Ferhat Bouda

Das Verhältnis zur Frau ist der – zweite – gordische Knoten in der Welt Allahs. Die Frau wird verleugnet, abgewiesen, getötet, vergewaltigt, eingeschlossen oder besessen. Darin zeigt sich ein gestörtes Verhältnis zur Phantasie, zum Wunsch nach Leben, zur Schöpfung und zur Freiheit. Die Frau ist die Spiegelung des Lebens, die man nicht akzeptieren will. Sie verkörpert das notwendige Begehren und ist deshalb eines fürchterlichen Verbrechens schuldig: des Lebens.

Hier handelt es sich um eine weithin geteilte Überzeugung, die sich besonders deutlich bei den Islamisten zeigt: Der Islamist liebt das Leben nicht. Für ihn ist es nur Zeitvergeudung vor der Ewigkeit, Versuchung, unnütze Befruchtung, Entfernung von Gott und vom Himmel und eine Verzögerung der Begegnung mit der Ewigkeit. Das Leben ist die Folge eines Ungehorsams, und dieser Ungehorsam geht auf eine Frau zurück. Der Islamist mag die Frau nicht, die Leben schenkt, nur die Prüfung verlängert, ihn durch ein ungesundes Säuseln vom Paradies fernhält und die Entfernung zwischen ihm und Gott verkörpert.

Der weibliche Körper gehört allen, außer der Frau selbst

Vor ein paar Jahren schrieb ich über die Frau in der sogenannten arabischen Welt: „Wem gehört der Körper einer Frau? Ihrer Nation, ihrer Familie, ihrem Mann, ihrem älteren Bruder, ihrem Viertel, den Kindern ihres Viertels, ihrem Vater und dem Staat, der Straße, den Ahnen, ihrer nationalen Kultur, ihren Verboten. Sie gehört allen und jedem außer ihr selbst. Der Körper der Frau ist der Ort, an dem sie ihren Besitz und ihre Identität verliert. In ihrem Körper ist die Frau nur Gast, dem Gesetz unterworfen, das sie besitzt und enteignet. Sie steht für die Ehre aller ein, nur nicht für die eigene, die nicht ihr gehört. Sie trägt den Körper daher wie ein allen gehörendes Kleid, das ihr verbietet, nackt zu sein, weil sie damit den Anderen und seinen Blick entblößte. Ihr Körper ist herrenloses Gut für alle, ihr Elend ist nur für sie selbst. Sie irrt gleichsam in fremdem Gut umher, das nur für sie selbst ein Übel ist. Wenn sie es enthüllt, entblößt sie die restliche Welt und wird angegriffen, nicht weil sie ihre Brust, sondern die Welt entblößt hat. Sie ist der Einsatz im Spiel, aber nicht für sie selbst. Heilig, aber bar jeder Achtung vor ihrer Person. Begehren aller, aber ohne eigenes Begehren. Der Ort, an dem alle sich begegnen, aber unter Ausschluss ihrer selbst. Ein Durchgang des Lebens, der ihr ein eigenes Leben verbietet.“

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