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Islam Muslime in Amerika: Hass-Angriffe sind die große Ausnahme

22.10.2001 ·  Die amerikanischen Muslime identifizieren sich mit ihrem Land - von der Sexualmoral mal abgesehen.

Von Ralph Obermauer
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Fünf bis sieben Millionen Muslime gibt es heute schätzungsweise in Amerika. Die amerikanischen Moslems stellen allerdings keine homogene Gruppe dar. Ihre ethnische und religiöse Zugehörigkeit ist vielfältig. Nahezu alle Unterströmungen des Islam sind präsent. Entsprechend polyphon artikulieren sich die muslimischen Gruppen in den USA.

Es gibt zur Zeit etwa 1.200 Moscheen in den USA, von denen 87 Prozent in den letzten drei Jahrzehnten gegründet wurden. Quellen für das Wachstum sind sowohl die anhaltende Einwanderung aus den arabischen und südasiatischen Ländern als auch weitere Konversionen in der afro-amerikanischen Bevölkerung. 33 Prozent der amerikanischen Moslems stammen aus Süd- und Zentralasien, 25 Prozent aus den arabischen Ländern, 30 Prozent sind Afro-Amerikaner. Die beiden größten islamischen Organisationen in den Vereinigten Staaten sind die "Islamic Society of North America" (ISNA), der etwa siebenhundert Moscheen angehören, und die vorwiegend afro-amerikanische "Muslim American Society" (MAS).

Fortschritte bei Integration

Das früher spannungsvolle Verhältnis des eingewanderten zum afro-amerikanischen Islam hat sich entscheidend verbessert, seit W.D. Muhammad die schwarzen amerikanischen Moslems weg vom "Afrozentrismus" und hin zum klassischen sunnitischen Islam führte. So sind nun manche Moscheen ethnisch gemischt, die Kinder der ehemaligen "Nation of Islam" und die in Amerika geborenen Kinder der Einwanderer rücken zusammen. Dennoch werden immer noch etwa zwei Drittel der Moscheen von jeweils einer der drei ethnischen Gruppen dominiert. In vielen klassisch schwarzen Bezirken wie Harlem gibt es aus historischen Gründen auch weiterhin rein afro-amerikanisch besuchte Moscheen.

Die meisten Moscheen finden sich in den Großstädten und Vororten. In Dearborn, Michigan, am Südrand von Detroit leben zum Beispiel eine Viertel Million "Arab-Americans", von denen viele bei Ford arbeiten. Zum sozialen Status amerikanischer Moslems lässt sich entsprechend der Komplexität ihrer Zusammensetzung wenig Allgemeines sagen. Einerseits zählen viele der afro-amerikanischen Moslems zur immer noch armen schwarzen Stadtbevölkerung, und auch viele Einwanderer landen in schlecht bezahlten, einfachen Jobs. Doch es gibt viele gut ausgebildete Moslems in der Mittelschicht, die aus politischen Gründen nicht in ihre Heimatländer zurückkehren, etwa Palästinenser und Iraker.

Ja zu Bürgerrechten, kritisch gegenüber Freizügigkeit

In einer Umfrage vom letzten Jahr äußerten sich Sprecher der Moscheen gespalten zur amerikanischen Gesellschaft. Fast alle begrüßen den hohen technischen Standard der USA, sehen amerikanische Demokratie und Bürgerfreiheiten positiv und meinen, dass sich Moslems hier politisch engagieren sollten. Die amerikanische Gesellschaft wird jedoch auch als sehr unmoralisch wahrgenomen, am stärksten von den Afro-Amerikanern. Spannungen zwischen islamischer und amerikanischer Identität sieht man in den Versuchungen einer freizügigen Konsumgesellschaft, in sexueller Freizügigkeit, Drogen und Populärkultur. Über die Hälfte aller amerikanischen Moslems glaubt außerdem, dass die USA dem Islam feindlich gegenüberstehen. Moslems werden von anderen Amerikanern oft mit anti-amerikanischen "Schurken" wie Khomeni oder Hussein identifiziert. Außerdem gibt es genuine politische Differenzen in der Palästina-Frage oder beim Thema Sanktionen gegen den Irak.

Als 1995 der Anschlag in Oklahoma-City zunächst islamischen Terroristen zugeschrieben wurde, kam es im ganzen Land zu Ausschreitungen gegen Moslems und islamische Zentren. Nachdem der Täter sich als weißer Amerikaner entpuppt hatte, änderte sich vieles im amerikanisch-islamischen Verhältnis. Anti-islamische Klischees wurden befragt, und islamische Organisationen bemühen sich seither intensiv um Verständigung. Der amerikanische Islam ist nicht mehr isoliert. Über zwei Drittel der Imame nehmen regelmässig an politischen Veranstaltungen teil, präsentieren den Islam in den Medien oder tauschen sich mit anderen Religionen aus. Das scheint sich nun auszuzahlen.

800 Haß-Attacken und gleichzeitig viel Solidarität

Seit dem 11. September hat die ISNA zwar rund 800 "Hate Crimes" registriert, und der Islam ist wieder vielen feindlichen und misstrauischen Reaktionen ausgesetzt. Doch auf der anderen Seite gibt es eine beispiellose Welle der Sympathie. Von überall werden Blumen, Briefe, Solidaritätserklärungen an "Islamic Centers" geschickt, und im ganzen Land finden gemeinsame religiöse Zeremonien von Christen, Juden und Muslimen statt. Als in Toledo, Ohio, Einschüsse in die Mauern einer Moschee entdeckt werden, stehen am nächsten Tag einige tausend Christen davor, um den Ort gegen Anschläge zu verteidigen.

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