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Islam Etappen muslimischer Geschichte in Amerika

22.10.2001 ·  Von den Sklaven bis zu Malcolm X: eine Geschichte der Muslime in Amerika.

Von Ralph Obermauer
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Traditionell sehen sich die USA gerne als christliches oder "jüdisch-christliches" Land. Doch die Religion, die in Nordamerika heute am schnellsten wächst, ist der Islam. Seit über hundert Jahren gibt es islamische Einwanderung und parallell entwickelt sich ein genuin amerikanischer Islam in der afro-amerikanischen Bevölkerung.

Die erste gut dokumentierte Einwanderung von Muslimen nach Nordamerika geschah unfreiwillig. Tausende der während des Sklavenhandels im 18. Jahrhundert nach Amerika entführten schwarzen Afrikaner waren Muslime. Da sie alle schon bald gezwungen wurden, zum Christentum zu konvertieren, führte das erst einmal nicht zur Etablierung der islamischen Religion in Amerika. Der Bezug auf diese Abstammung spielte jedoch bei der späteren Islamisierung vieler Afro-Amerikaner eine wichtige identitätspolitische Rolle.

Die aktive Einwanderung aus den islamischen Stammländern fand in mehreren Wellen statt und begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Moslems kamen aus damals zum Osmanischen Reich gehörenden Gebieten in Syrien, Jordanien, Palästina und im Libanon. Der Zusammenbruch des Reiches nach dem ersten Weltkrieg motivierte weitere Araber, ihnen zu folgen.

Im frühen 20. Jahrhundert wanderten außerdem Moslems aus Osteuropa ein, etwa aus Albanien und Jugoslawien. Diese ersten Gruppen ließen sich vorwiegend in New York, Chicago, Detroit und im Mitteren Westen nieder, wo auch die ersten Moscheen entstanden. Doch die Zahlen waren eher bescheiden: die Moslems blieben isoliert und ihre Religion war kaum sichtbar präsent.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die islamische Einwanderung nach Amerika bedeutende Ausmaße - besonders nach einer Lockerung der Einwanderungsgesetze 1965. Seitdem lösten politische Unruhen im Nahen Osten und in Südasien immer wieder Immigrationswellen aus. Es kamen Palästinenser, Pakistani, Inder, Bangladeshi, Iraner, Kurden und Afghanen und damit viele Varianten des Islam - Sunniten, Schiiten, Sufi Mystiker und andere.

Man geht inzwischen von über einer Million Südasiaten, und etwa einer Million Moslems aus arabischen Ländern aus, vorwiegend Sunniten. Schiiten aus dem Iran und Irak dürften auch mit etwa einer Million vertreten sein. Die Zielorte der Muslime waren und sind die großen Städten oder ihre Vorstädte, vorwiegend im Osten, Süden und Mittleren Westen der USA, etwas seltener im Westen.

Im zwanzigsten Jahrhundert entfaltete sich gleichzeitig auch das faszinierende politisch-religiöse Drama der "Black Muslims". In einer sehr unorthodoxen und sektenartigen Aufnahme islamischer Motive etablierte der schwarze Baptistensohn Elijah Poole - später Elijah Muhammad - in Chicago von 1932 an die "Nation of Islam" (NOI). Sie wurde eine der stärksten oppositionellen Bewegungen der Afro-Amerikaner und trug viel zur Identitätsfindung der Schwarzen im damals sehr rassistischen, weissen, christlichen Amerika bei. Malcolm X und Muhammad Ali wurden in den 60er Jahren Mitglieder der Organisation. Elijah Muhammad predigte bis zu seinem Tod 1975 einen afrozentrischen Mystismus, in dem Gott und der erste Mensch schwarz sind und Weiße eine minderwertige Rasse sowie den Sieg des teuflischen Prinzips darstellen. Er setzte sich für einen rein afro-amerikanischen Wirtschaftskreislauf ein und forderte als Endziel einen separatistischen schwarzen Staat.

Nach seinem Tod führte sein Sohn Warith Deen Muhammad die NOI schrittweise an den orthodoxen sunnitischen Islam heran. Er gab die radikalen afrozentrischen Ideen seines Vaters auf und änderte den Namen der Bewegung mehrfach um bis zum heute noch gültigen Namen "Muslim American Society". Etwa 2,5 Millionen afro-amerikanische Moslems folgten ihm dabei. Trotzdem ist die von seinem Kritiker Louis Farrakhan 1978 neugegründete "Nation of Islam" viel bekannter. Farrakhan kehrte zu Elijah Muhammads schwarzem Nationalismus zurück und fiel durch radikale, oft antisemitische Reden sowie durch geschickt inzenierte Massenveranstaltungen wie den "Million Man March" auf. Die neue NOI zählt nur einige Zehntausend Mitglieder, doch Farrakhan ist begnadet im Umgang mit den Medien und sichert der radikalen Abspaltung einen Stammplatz in den Schlagzeilen.

Vertreter des eingewanderten sunnitischen Islam in Amerika haben sich zur alten wie zur neuen NOI wiederholt kritisch geäussert. Das rassistische Element und die Behauptung Elijahs, ein "Botschafter Allahs" zu sein, sind eigentlich "unislamisch". Doch die historisch-politische Funktion der Bewegung für die Schwarzen in Amerika wird allgemein anerkannt.

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