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Islam Der Aufruf zum „Heiligen Krieg“

24.09.2001 ·  Der Aufruf zum „Heiligen Krieg“ hat nichts von seiner Wirksamkeit verloren.

Von Holger Christmann
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Der Begriff des Dschihad hat etymologisch eine harmlose Bedeutung. Er drückt das ständige Bemühen um den Glauben und ein moralisches Handeln aus (Großer Dschihad). Es gibt aber auch den „Kleinen Dschihad“.

Er bezeichnet im islamischen Recht eine zulässige Form des Krieges zur Erweiterung des islamischen Herrschaftsbereichs und zu dessen Verteidigung (Suren 8:30; 61:8; 2:217 u.a.). Solche Kriege führte schon Mohammed.

Christen und Juden müssen nicht bekehrt werden

Der Dschihad richtet sich gegen alle Nicht-Muslime. Sie gelten als „Ungläubige“. Wenn sie „Buchbesitzer“ sind - also Christen oder Juden - müssen sie unterworfen werden; ein Übertritt zum Islam wird nicht verlangt. „Nicht-Buchbesitzer“ sind Heiden und müssen bis zum Übertritt zum Islam bekämpft werden.

Der Ausrufung des Kleinen Dschihads muss ein Aufruf an die Ungläubigen vorausgehen, den Islam anzunehmen oder - wenn es sich um schutzbefohlene Religionen wie Christentum oder Judentum handelt - die Herrschaft des Islams anzuerkennen. Da beide Aufrufe zumeist erfolglos verhallen, ist die Ausrufung des Jihad programmiert.

Krieg gegen die Ungläubigen

Die erfolgreichen Eroberungszüge der herrschenden muslimischen Dynastien nach dem Tode Mohammeds und die damit verbundene Islamisierung von Maschreq und Maghreb bis hin nach Andalusien dürfte bei den Muslimen die Einstellung gefestigt haben, dass Religion und Krieg sich nicht widersprechen.

Doch die Muslime halten den Christen entgegen, dass sie als erste den Begriff des „Heiligen Krieges“ eingeführt hätten, als sie im 11. Jahrhundert zu den Kreuzzügen gegen sie aufriefen. Im Bezug auf den Islam tauche der Begriff „Heiliger Krieg“ erst im 20. Jahrhundert auf, sagt der Islamwissenschaftler Erol Pürlü. Er sei keine Erfindung der Muslime gewesen.

Vom Gedanken des Krieges gegen die Ungläubigen war auch das osmanische Militär beseelt. Als das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg zerfiel, forderten die Herrscher die Bevölkerung noch einmal mit dem Wort Dschihad zur Gegenwehr - jetzt gegen die britische Besatzungsmacht auf. Heute gehört der Dschihad zum rhetorischen Arsenal militanter Islamisten und muslimischer Staaten, wenn es darum geht, den Westen zu bekämpfen.

Auch wenn muslimische Staaten sich untereinander bekriegen, tun sie das gelegentlich unter dem hehren Begriff der Heiligkeit. Die Glaubensbrüder werden dann zu Abtrünnigen deklariert.

Dschihad als Programm

Einige militante Islamisten im Libanon und andernorts haben den Dschihad zum Programm erhoben. Für sie geht der Kampf gegen jeden nichtislamischen Einfluss soweit, dass der Dschihad zur grundsätzlichen Pflicht eines jeden Moslems erhoben wird. Dazu gehört der Kampf gegen politische Führer, die im Westen ausgebildet wurden. Die Dschihad-Organisation ließ etwa 1981 den ägyptischen Staatschef Anwar-As-Sadat ermorden.

Der Aufruf zum Dschihad hat nichts von seiner Brisanz und Wirksamkeit verloren.

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