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Kunst und Literatur in Teheran : Unter Druck entstehen Diamanten

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Besucher betrachten das Kunstwerk „The American Indian Series“ von Andy Warhol in Teheran (Iran) im Museum für Zeitgenössische Kunst Bild: dpa

Die junge Teheraner Künstler- und Literatenszene hat vor allem eines verdient: Aufmerksamkeit. Denn was dort an ästhetisch Neuem heranreift, ist erstaunlich vielfältig und erfinderisch.

          Es könnte genauso gut im Pariser Marais, am Prenzlauer Berg oder in Downtown Manhattan sein. Und auch wieder nicht. Das „VCafe“ im Norden Teherans in der Nähe der U-Bahn-Station Gholhak ist der einzige öffentliche Ort der persischen Metropole, an dem das Bild der beiden Ayatollahs nicht ins Auge springt. Es okkupiert die fünfte Etage eines Hochhauses, hinter dessen Glasfassaden Baugerüste von der noch ausstehenden Fertigstellung künden – bis auf das „VCafe“, das über einen Aufzug am Hintereingang zu erreichen ist. Die Fensterfront zeigt das endlose Dächermeer Teherans nach Süden hin.

          Hier, im klimatisierten Raum, lässt sich der brütenden Hitze widerstehen, den Zumutungen der unablässig rumorenden, benzin- und dieseldunstenden Boulevards ist man entkommen. Schlichte silberverchromte Lampenschirme in Bauhaus- und Ikea-Serienformen hängen vom Deckengestänge des Lofts; von den Pressspanplatten des Tresens grüßt das Konterfei Virginia Woolfs mit dem Spruch „Arrange whatever pieces comes your way“. Aus den Lautsprechern schallen „Here Comes the Sun“ oder „Everybody Hurts“, gefolgt von an diesem Ort bizarr wirkender deutscher Radiowerbung. Die geräumige Halle mit originellem Wandschmuck – großformatige bunte Siebdrucke, eine Wäschetrommel mit einer in Goldstaub sich drehenden Kristallkugel, ein die Lampenschirme konterkarierender Kristalllüster, ein zwischen die Gitter einer Stahlbox gesperrter Kronleuchter und die unentbehrliche Videoleinwand – ist ein Treffpunkt des freischaffenden intellektuellen Lebens in Teheran. Das speist sich aus jüngeren Künstlern und Autoren, die von den Widersprüchen des herrschenden Systems und von der jahrhundertealten persischen Schriftkultur geprägt sind, aber nicht mehr das alte Spiel von vorauseilender Anpassung ans Gegebene und einem in die Falle der Machtstrukturen tappenden politischen Widerstand mitmachen möchten.

          Ihre Strategie ist subversiver und listenreicher als die der vorangegangenen Generation – „entpolitisiert“ würde man das im Westen nennen. Aber in Teheran ist genau das eine ultrapolitische Geste: die Allgegenwart moralischer Zwangsjacken ausblenden oder gar demonstrativ missachten, um stattdessen nichts als Kunst zu machen, Texte, Bilder, Filme, Musik entstehen zu lassen. Dass das nicht ohne Irrtümer abgeht, gehört zur Logik jeder sich eklektizistisch generierenden Subkultur.

          Wo die Kreativität herkommt

          Die jüngere Teheraner Künstler- und Literatenszene hat vor allem eines verdient: Aufmerksamkeit. Was im Schmelztiegel der Fünfzehn-Millionen-Stadt an ästhetisch Neuem heranreift, ist erstaunlich vielfältig und erfinderisch. Es speist sich aus den seltsamsten, kaum in Einklang zu bringenden Quellen und ist in seinen originellsten Hervorbringungen vor allem die Leistung Einzelner, die keiner Gruppe zuzuordnen sind, obgleich sie intensive freundschaftliche Bande untereinander pflegen. Individuelle Lebenspraxis wird in Kunst und Schreiben überführt; gleichzeitig schafft sich das Private seine eigene Öffentlichkeit. Jenseits von Folklorismus oder Engagement hat sich der interessanteste Teil der jüngeren Teheraner Kunstszene den Imperativ der Avantgarden zu eigen gemacht, Kunst- in Lebenspraxis zu überführen und vice versa.

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