14.04.2003 · Nach den Plünderungen irakischer Museen hat die Unesco als wichtigste Sofortmaßnahme eine Polizeitruppe für den Schutz von Kulturgütern im Land gefordert.
Nach den Plünderungen irakischer Museen hat die Unesco als wichtigste Sofortmaßnahme eine Polizeitruppe für den Schutz von Kulturgütern im Land gefordert. Die internationale Gemeinschaft solle sich an der Finanzierung einer solchen Truppe beteiligen, sagte der stellvertretende Generaldirektor der Unesco, Mounir Bouchenaki, in Paris. Zur Einschätzung der Schäden will die Unesco eine Delegation von Experten in den Irak entsenden. Bouchenaki warnte überdies vor dem Ankauf gestohlener Kunstschätze aus dem Irak. "Wir haben alle Kulturministerien der Nachbarländer des Iraks alarmiert, damit die Polizeikräfte an den Landesgrenzen auf möglichen Schmuggel gestohlener Kunstschätze achten." Internationale Polizeibehörden seien zur Mitarbeit aufgefordert, die Museumskonservatoren der westlichen Länder und die internationale Vereinigung der Kunsthändler angeschrieben worden.
Auch der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, zeigte sich über die Zerstörungen entsetzt. "Ich bin schrecklich irritiert darüber, daß amerikanische Soldaten meinten, nicht in der Lage gewesen zu sein, das zu verhindern." Das Museum sei über Jahrhunderte aufgebaut worden. Bagdad und das Zweistromland Mesopotamien verkörperten nicht nur muslimische und arabische Kulturgeschichte. Von einem "Verbrechen an der Menschheit" sprach der Präsident des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos), Michael Petzet. Es sei "vollkommen unverständlich, wie die amerikanische Armee dem zusehen kann". Sie hätte die Plünderungen mit wenigen Soldaten verhindern können. "Wenn man einen Krieg monatelang vorbereitet, muß man auch auf so etwas vorbereitet sein."
F.A.Z.