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Irak-Krieg Ausverkauf des Erbes

15.04.2003 ·  Die Deutsche Unesco-Kommission fürchtet den Ausverkauf des irakischen Kulturerbes. Die Bundesregierung will helfen, das zu verhindern. Powell sieht die Wiederherstellung als wichtige Pflicht. Amerikanische Kunsthändler haben Hilfe angeboten.

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Die Deutsche Unesco-Kommission hat vor einem Ausverkauf des irakischen Kulturerbes gewarnt. Sie appellierte am Dienstag in Bonn an die Bundesregierung, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um das kulturelle Erbe des Iraks vor weiteren Beschädigungen durch Plünderung zu schützen.

Auch gegen illegalen Antiquitätenhandel müsse vorgegangen werden, wie Walter Hirche, Präsident der Deutschen Unesco-Kommission laut dpa sagte. „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Wiege der Menschheit, wie das Zweistromland wegen seiner unschätzbaren kulturellen Bedeutung genannt wird, auf immer verloren geht.“

Militärs sollen die Wiege der Menschheit bewachen

Nach den Plünderungen des archäologischen Museums in Bagdad seien Experten weltweit um den Erhalt des kulturellen Erbes des Landes besorgt, sagte Hirche. Die gegenwärtigen Ordnungskräfte im Irak müssten die Museen des Landes auch militärisch sichern. Dies sei notwendig, um einen weiteren Schaden an archäologischen Sammlungen und Kulturgütern, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit zählten, zu verhindern.

Der Mitteilung zufolge hat die Unesco ihre 188 Mitgliedstaaten und zahlreiche Organisationen aufgefordert, die Konvention zum Verbot und zur Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut zu beachten. Es müsse dafür gesorgt werden, dass gestohlene Objekte keine Käufer fänden, sagte der Präsident.

Auch wenn Deutschland diese 1970 von der Unesco verabschiedete Konvention noch nicht ratifiziert habe, sollte die Bundesregierung Sammler, Händler und Auktionshäuser davor warnen, sich am Ausverkauf des irakischen Kulturerbes zu beteiligen.

Bundesregierung will helfen

Außenminister Fischer hat die Bereitschaft Deutschlands erklärt, sich an der Bewahrung der irakischen Kulturgüter zu beteiligen. Besonders das Deutsche Archäologische Institut könne wegen seiner langen Erfahrung im Irak einen wichtigen Beitrag dazu leisten, sagte Fischer laut dpa.

Inventur der Verwüstung

Experten aus dem Irak und der ganzen Welt, so berichtet BBC, werden am Donnerstag eine Bestandsaufnahme der Schäden am irakischen Kulturgut versuchen. Bei einer Zusammenkunft am Sitz der Weltkulturorganisation Unesco in Paris sollen erste Dringlichkeitsmaßnahmen beschlossen werden, wie die Unesco am Dienstag mitteilte.

Die Organisation kündigte an, nach der Zusammenkunft so schnell wie möglich eine Expertenkommission in den Irak entsenden zu wollen. Dabei werde es darum gehen, eine Übersicht über die Zerstörungen und Plünderungen zu erhalten. Danach sollten Prioritäten für das weitere Vorgehen festgelegt und ein Aktionsplan ausgearbeitet werden. Die Unesco dankte Italien, das dafür bereits 400.000 Euro zur Verfügung gestellt habe.

Führende Rolle der Vereinigten Staaten

Außenminister Colin Powell sicherte zu, besonders das irakische Nationalmuseum zu schützen und bei der Wiederherstellung zusammenarbeiten zu wollen mit der EU und der Unesco. Die Vereinigten Staaten würden „wiederfinden, was verloren ging und daran teilnehmen, das Zerstörte wiederherzustellen“, sagte Powell. Amerika verstehe seine Verpflichtungen und werde eine führende Rolle in Hinblick auf die irakischen Altertümer im allgemeinen und das Irakische Nationalmuseums im besonderen spielen.

Obwohl zahlreiche Stücke bereits vor dem Krieg ausgelagert wurden, ist jedoch zu befürchten, dass viele unersetzliche Zeugnisse der ältesten menschlichen Zivilisation für immer verloren sein könnten.

Den Bock zum Gärtner machen

Mit Sorge erinnert man sich, dass eine Koalition amerikanischer Sammler und Händler von Altertümern sich mit Vertretern des amerikanischen Verteidigungs- und des Außenministeriums getroffen haben.

Diese Altertums-Lobby, die sich selbst „American Council for Cultural Policy“ (ACCP) nennt, hat die irakische Gesetzgebung als extrem „einengend“ bezeichnet, und ihre Mitglieder befürworten eine Lockerung der gegenwärtig starken Einschränkungen hinsichtlich des Eigentums an Altertümern und ihrer Ausfuhr (F.A.Z. vom 11. April).

Zwar hat der ACCP während einer Sitzung im Januar seine Hilfe bei der Bewahrung der unersetzlichen archäologischen Sammlungen in der Nachkriegszeit des Irak erklärt. Doch ein Vertreter des Britischen Museums in London sagte, gerade solche Art von Nachrichten würden Plünderer ermutigten.

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