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Interview Verleger Michael Klett: So etwas habe ich noch nicht erlebt

20.12.2002 ·  Wie „Der Herr der Ringe“ bei Klett-Cotta einschlägt, erzählt der deutsche Verleger der Romanvorlage, Michael Klett.

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Die Verfilmung des Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ hat nicht nur dem Verkauf der Buchvorlage ungeahnten Schwung verliehen. Der ganze Verlag Klett-Cotta, bei dem das Buch seit 30 Jahren in deutscher Übersetzung vorliegt, wurde davon beflügelt. Ein Gespräch mit Verleger Michael Klett über das Verlagssegment Tolkien und handgefertigte Luxusausgaben.

Das bei Klett-Cotta verlegte Werk Tolkiens hat durch die Verfilmung eine Renaissance erlebt. Haben Sie mit diesem gewaltigen Verkaufserfolg gerechnet?

Unsere Erwartungen sind wirklich übertroffen worden. Dieses Jahr war noch besser als das letzte, obwohl ich persönlich zunächst eher pessimistisch war. Im letzten Jahr war allein durch die Vorwerbung der Verkauf schon ungewöhnlich angesprungen. Dann kam an Weihnachten der Film, und es ging erst richtig los. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Im März hatten wir schon einen Gesamtumsatz erreicht, den wir sonst erst im Oktober haben. Und vor dem Filmstart des zweiten Teils zog der Verkauf dann wieder an.

Die Krise des Buchgeschäfts ist für Sie also kein Thema?

Wir hatten ein außergewöhnlich gutes Jahr. Auch wenn man Tolkien ausklammert, haben wir unseren Umsatz deutlich gesteigert. Durch die Präsenz von Tolkien ist der Verlag im Buchhandel sehr gut gelitten. Denn ein solcher Bestseller führt dazu, daß auch das übrige Programm mit mehr Wohlwollen betrachtet wird.

Welches sind die wichtigsten Tolkien-Titel?

Der "Herr der Ringe" und hier natürlich die "Grüne Kassette" - das ist die preiswerteste Ausgabe, mit einem neuen Gesicht und in neuer Übersetzung. Neben den Tolkien-Ausgaben gibt es auch andere Titel, etwa eine Biographie oder ein wissenschaftliches Werk über Tolkiens Quellen. Die Vertiefung der Tolkien-Kultur nimmt erstaunliche Formen an. Im ganzen sind es etwa vierzig Titel - fast ein kleiner Verlag.

Auf der Buchmesse stellten Sie die geplante Prachtausgabe des "Herrn der Ringe" vor.

Sie wurde als Subskription aufgelegt und erscheint im Herbst. Das dauert so lange, weil sie handgefertigt wird. So etwas kann man nicht industriell produzieren.

Wie ist die Ausgabe ausgestattet?

Das Buch ist mit einer Schmückung versehen, die von der klassischen Buchmalerei inspiriert ist, verziert mit farbigen Initialen, gedruckt auf edlem Papier. Es wird voraussichtlich in weißem Leder gebunden und sieht aus wie ein Inkunabeldruck.

Was wird die Ausgabe kosten?

Zwischen sechs- und siebenhundert Euro. Etwa die Hälfte der geplanten 1111 Exemplare ist bereits subskribiert. Wenn die Auflage ganz verkauft wird, machen wir damit Gewinn. Was man aber schlecht überblicken kann, sind die Kosten einer möglichen Einzelbearbeitung. Wer so viel Geld ausgibt, wird bei kleinen Fehlern reklamieren. Wir haben bei Ernst Jünger signierte und sehr schöne Ausgaben gemacht, und daher wissen wir, daß hier unter Umständen ein Kostenloch entstehen kann.

Wer kauft solche Ausgaben? Unterscheiden sich die Liebhaber von Jünger- und Tolkien-Ausgaben?

Das sind nicht unbedingt Bibliophile, sondern Tolkien-Fans - Leute, die den "Herrn der Ringe" schon dreißigmal gelesen haben. Leute, die mit einer neuen Übersetzung hadern. Leute, die Tolkien schon im Original gelesen haben und alles über ihn wissen. Für sie ist solch eine Ausgabe ein Kultgegenstand.

Gibt es da ein bestimmtes Profil?

Nein, die Tolkien-Anhängerschaft ist breit gestreut. Der Film hat ganz neue Käuferkreise erschlossen, die bisher gar nicht wußten, was Fantasy ist. Hinzu kommt Ostdeutschland, wo Tolkien vorher praktisch nicht verkauft wurde.

Die Fragen stellte Richard Kämmerlings.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2002, Nr. 294 / Seite 35
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