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Interview mit Sascha Lobo : Wie wir lesen werden

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Er nennt es vermutlich Arbeit: Der Blogger, Autor und digitale Bohemien Sascha Lobo ist jetzt unter die Verlagsgründer gegangen. Bild: Pein, Andreas

Der Autor und Blogger Sascha Lobo stellt auf der Buchmesse seinen neuen Verlag Sobooks vor. Internet und Buch sollen da nicht mehr feindlich nebeneinanderstehen, sondern zu einer Idee verschmelzen.

          Herr Lobo! Wo sind Sie? Ich interviewe Sie jetzt!

          Ups. Ja. Da bin ich. Wenn Sie mir den großen Gefallen tun könnten, auf Rechtschreibung zu achten. Danke sehr. Natürlich ist mir das persönlich auch wichtig, aber viel entscheidender: Ich glaube, man erwartet von Verlegern und Buchhändlern, dass sie sich da kulturkonservativ geben.

          Sie sind jetzt Verleger? Und Buchhändler?

          Wie so oft, wenn neue Kulturlandschaften entstehen, vermischen sich die Rollen. Was vorher klar abgegrenzt schien - aber oft ohnehin nicht war -, wird nun neu zusammengewürfelt. Deshalb bauen wir mit Sobooks eine Plattform im Netz auf, die den Veränderungen der Buchwelt durch das Internet angepasst ist. Mit dem einen großen Ziel, das Buch als verkaufbares Kulturprodukt im Digitalen zu erhalten. Betonung auf verkaufbar. In der Folge bin ich mit Sobooks zu etwa neunzig Prozent Buchhändler auf neuartige Weise und zu etwa zehn Prozent eine Art Verleger.

          Verkaufbar sind die Bücher auch im Laden. Oder bei Amazon und anderen Online-Buchhändlern.

          Absolut richtig. Aber das Konzept hinter Sobooks geht von einer wichtigen Frage aus: E-Books, wie wir sie heute kennen, sind nur das, was die Digitalisierung aus dem Buch gemacht hat - was aber machen Internet und soziale Medien aus dem Buch? Mit Sobooks versuchen wir, das zu beantworten, was allerdings dazu führt, dass jedes Buch, das man auf Sobooks kaufen kann, vollständig im Netz steht. Bücher sind bei uns eigentlich Webseiten, schon um die Kraft des Internets zu nutzen. Und dann schließt sich natürlich sofort die Frage der Verkaufbarkeit an.

          Sie sagen: „Bücher sind bei uns eine Webseite.“ Das ist doch Quatsch. Ein Buch ist ein Buch, und wenn Sie Webseiten verkaufen wollen, brauchen Sie die doch nicht Bücher zu nennen.

          Es ist geradezu beglückend, dass ausgerechnet Sie ausgerechnet hier reproduzieren, wenn auch unbeabsichtigt, wie Sobooks angefangen hat. Auf der Buchmesse 2011 nämlich, bei der Party in der Villa des Verlegers Joachim Unseld, bin ich mit dem Verleger von dtv, Wolfgang Balk, aneinandergeraten. Seine Position war die Ihre: Ein Buch ist nur ein Buch aus Papier. Meine war, und das habe ich im sanft angetrunkenen Überschwang daherfabuliert, dass es gewissermaßen mit Platon „eine Idee Buch“ gäbe, dass ein Buch also viele verschiedene Formen annehmen könne. Aus diesem Gespräch hat sich Sobooks entwickelt. Meine Antwort ist: Doch, ein Buch kann, rein technisch betrachtet, auch die Form einer speziellen Webseite annehmen. Vielleicht muss es das sogar, um mit dem Netz seinen vollen wirtschaftlichen und kulturellen Mehrwert auszuschöpfen. Und um nicht gegen das Netz spielen zu müssen mit so albernen Technologien wie hartem DRM, also Kopierschutz für technische Laien.

          Halt, halt, halt. Sie sind immer so schnell: Platon, angetrunken, DRM. Sie haben also auf einer Buchmessen-Party die Idee von einem Verlag entwickelt, der Bücher macht, die nur im Internet existieren. Aber warum? Was ist der Vorteil davon? Ich will ein Buch, das ich kaufe, dann doch auch besitzen. Entweder im Regal oder in meiner Reader-Bibliothek.

          Für meine Geschwindigkeit entschuldige ich mich ausdrücklich. Inhaltlich geht es um die Weiterentwicklung des Buchs. Die Vorstellung des Besitzes ist eine Metapher, die aus dem Dinglichen kommt und die im Netz - und übrigens auch in anderen virtuellen Sphären - nur sehr eingeschränkt funktioniert. Abgesehen davon sehen wir natürlich mit Sobooks, dass der reine Zugang zu Büchern, die bei uns eben im Browser stattfinden, nicht allen Leuten genügt. Aus vielen verschiedenen Gründen übrigens. Zum Beispiel sind wir ein sehr kleines, junges Unternehmen, weshalb man Garantien für alle Zeit und Ewigkeit kaum geben kann. Genau deshalb ist unser Plan, dass man jedes digitale Buch, das man auf Sobooks kauft, sowohl im Browser lesen wie auch in den Formaten EPUB oder PDF herunterladen kann. Wir möchten dem Nutzer so wenig wie möglich vorschreiben, und schon gar nicht, auf welchem Gerät er ein bei uns gekauftes Buch lesen soll.

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