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Interview Ein beinahe optimales Ergebnis

12.02.2004 ·  Ein F.A.Z.-Gespräch mit dem deutschstämmigen Molekularbiologe Rudolf Jaenisch, der einer der führenden Köpfe der Klon- und Stammzellforschung in den Vereinigten Staaten ist.

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Der deutschstämmige Molekularbiologe Rudolf Jaenisch ist einer der führenden Köpfe der Klon- und Stammzellforschung. Seit vielen Jahren arbeitet er am Whitehead Institute des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge.

Sind Sie überrascht, daß das Klonen des Menschen bis zum Blastozystenstadium nach den Fehlschlägen doch gelungen ist?

Nein, überhaupt nicht. Die Berichte, daß es bei Primaten nicht gehen sollte, habe ich nie geglaubt. Es war immer klar, daß die vor einem Jahr bei Rhesusaffen beschriebenen Komplikationen technische Probleme waren. Es gibt überhaupt keinen Zweifel, daß das, was uns bei der Maus gelungen ist, auch beim Menschen geht.

Worin liegt der große Fortschritt dieser Experimente?

Es ist ein außerordentlich wichtiges Ergebnis. Der große Schritt liegt darin, daß die Kerntransplantation zum ersten Mal beim Menschen funktioniert hat. Bisher haben die Leute völlige Versager gehabt. Die Experimente von ACT vor zwei Jahren zum Beispiel. Es ist unglaublich, welche Resonanz ein derart fehlgeschlagenes Experiment damals bekommen konnte. Und dann gibt es da noch diese Raelianer, Zavos und unsere anderen "Freunde", von denen wir sowieso wissen, daß sie es können. Alles Lüge. Hier ist zum erstenmal eine ernstzunehmende Gruppe, die gezeigt hat, daß sie mit dem Klonen in einer ganz vernünftigen Frequenz Blastozysten bekommen kann. Das eigentlich Wichtige dabei aber ist, daß sie diese eine Stammzellinie daraus gewinnen konnten.

Ist das sogenannte therapeutische Klonen damit endgültig machbar?

Nein, ich glaube, das Verfahren ist noch nicht optimiert. Aber es ist der erste Schritt, der zeigt, daß therapeutisches Klonen im Prinzip beim Menschen funktionieren wird. Ein Schönheitsfehler der Arbeit ist, daß man die Eizellspenderin auch als Zellkernspenderin genutzt hat. Das haben sie vermutlich aus logistischen Gründen getan, weil es der unkomplizierteste Weg war. Sie können so aber nicht mit allerletzter Sicherheit ausschließen, daß es eine parthenogenetische Vervielfältigung der Zellen ist.

Nun ist das Verfahren in allen Details nachlesbar. Glauben Sie nicht, daß davon auch die Antinoris und Raelianer dieser Welt rasch profitieren können?

Sie werden bestimmt daraus eine Bestätigung ihrer Aktivitäten proklamieren. Aber was immer diese Scharlatane sagen, muß man für eine Lüge halten.

Wären solche Experimente wie in Korea auch bei Ihnen in Massachusetts gestattet?

Nein, natürlich ginge das nicht, weil wir hier nach der Bush-Entscheidung mit öffentlichen Geldern des NIH nicht solche Experimente vornehmen dürfen. Das ist ein großes Problem.

Werden die neuen Ergebnisse, die nun schon klar in Richtung klinische Forschung gehen, den Druck auf die Politik wieder verstärken?

Ich denke schon. Es ist wahnsinnig wichtig, daß diese Forschung von renommierten Einrichtungen gemacht wird und nicht von irgendwelchen Scharlatanen. Die Politik der Amerikaner und der Deutschen wird dazu führen, daß vieles im verborgenen gemacht wird, getrieben von kommerziellen Interessen.

Glauben Sie, daß damit auch die Barrieren zum reproduktiven Klonen gefallen sind?

Technische Hürden zum Klonen gibt es jetzt vielleicht nicht mehr, aber wir wissen ja auch, was dabei herauskommt. Es bedeutet unkalkulierbare Risiken für die Nachkommen, das bedeutet Fehlgeburten, mißgebildete Embryonen, und selbst die oberflächlich gesunden Tiere sind mit großer Wahrscheinlichkeit krank. Wir haben diese Erfahrung bei der Maus gemacht, und es gibt keinen Grund, warum das beim Menschen anders sein sollte. Der Fortschritt hier ändert daran überhaupt nichts.

Die Fragen stellte Joachim Müller-Jung.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2004, Nr. 37 / Seite 34
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